Stand: 06.04.2017 09:15 Uhr

Wer wird Pokalsieger? Der Final-Four-Teamcheck

von Jan Kirschner, NDR.de
Mit dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt sind zwei Nordteams beim Final Four dabei.

Rekordsieger THW Kiel, Bundesliga-Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt, Meister Rhein-Neckar Löwen oder Final-Four-Novize SC DHfK Leipzig: Wer kürt sich am Wochenende in Hamburg zum DHB-Pokal-Sieger 2017? Ein illustres Feld und eine schwierige Frage. NDR.de hat den Teamcheck gemacht:

THW Kiel: Gebeutelt, aber zu allem in der Lage

Die Freude war im Dezember groß, als sich der THW Kiel zum ersten Mal seit 2013 wieder für das Final Four qualifizierte. Der zehnte DHB-Pokal-Titel ist nur noch zwei Siege entfernt. Allerdings türmen sich doch etliche Sorgen und Fragezeichen auf. Mit Domagoj Duvnjak (Patellasehne), Steffen Weinhold (Nackenmuskulatur), Rene Toft Hansen (Adduktoren) und Christian Zeitz (Muskelfaserriss) gibt es vier Leistungsträger, bei denen ein Einsatz nur dosiert oder gar nicht möglich ist. Für Trainer Alfred Gislason wird es nicht nur darauf ankommen, die richtige Taktik auszuwählen, sondern die Spieler schon im Halbfinale gegen Leipzig so zu belasten, dass die Akkus auch im gewünschten Endspiel am Sonntag noch halbwegs voll wären. An der Willensstärke wird es nicht mangeln, wie die "Zebras" erst kürzlich beim Champions-League-Erfolg bei den Rhein-Neckar Löwen demonstrierten. Wenn dann noch die Keeper Niklas Landin und Andreas Wolff zu großer Form auflaufen und Marko Vujin, Nikola Bilyk, Lukas Nilsson oder Christian Dissinger genug Zielwasser getrunken haben, ist alles drin.

SC DHfK Leipzig: Gefährlicher Novize

Spielplan

Sonnabend, 8. April:
SC DHfK Leipzig - THW Kiel 32:35
Rhein-Neckar Löwen - SG Flensburg-Handewitt 23:33
Sonntag, 9. April:
THW Kiel - SG Flensburg-Handewitt 29:23

Die Metamorphose vom Novizen zum Titelträger kann manchmal sehr schnell vor sich gehen. 2014 nahmen die Füchse Berlin erstmals am Final Four um den DHB-Pokal teil und bestiegen sofort den Thron. Auf diesen Pfaden könnte sich dieses Mal der SC DHfK Leipzig bewegen. Der sächsische Traditionsverein kehrte nach 20 Jahren in der Versenkung erst 2015 in die Bundesliga zurück und etablierte sich dort rasch. Hamburg ist nun der absolute Saison-Höhepunkt für eine Mannschaft, die in den vergangenen Monaten hauptsächlich wegen ihres Trainers Schlagzeilen produzierte. Christian Prokop, gerade einmal 38 Jahre alt, sorgte mit seinem taktischen Repertoire für Aufsehen, erhielt ein lukratives Angebot vom DHB, trainiert seit März die deutsche Nationalmannschaft und wird deshalb im Sommer in Leipzig ausscheiden. Seine aktuelle Mannschaft lebt von der Ausgeglichenheit und versprüht nur wenig Star-Appeal. Die bekanntesten Akteure sind Europameister Niclas Pieczkowski und der deutsch-polnische Linkshänder Andreas Rojewski. Die Leipziger bewiesen erst am vergangenen Sonnabend beim 23:24 gegen die Rhein-Neckar Löwen, dass sie einem Top-Team gefährlich werden können.

SG Flensburg-Handewitt: Der favorisierte Final-Dauergast

Seit 2011 schaute die SG Flensburg-Handewitt immer beim Final Four an der Elbe vorbei, schaffte stets den Sprung ins Endspiel, um dort - außer im Jahr 2015 - zu scheitern. Im vergangenen Jahr hatte es der Spielplan gar nicht gut gemeint mit den Nordlichtern. Nur drei Tage nach einem bitteren Champions-League-Aus in Kielce reichten Moral und Kraft in Hamburg zwar noch für den Finaleinzug, doch dort gab es ein 30:32 gegen den SC Magdeburg. Nun ist alles anders: Diesmal hat "Taktik-Fuchs" Ljubomir Vranjes eine Woche Zeit, sein Team auf das sportliche Event vorzubereiten. Außerdem hat der Schwede nicht weniger als 18 Top-Akteuren zur Auswahl. Darunter befinden sich Kentin Mahé, der einzige aktuelle Weltmeister der Bundesliga, die Olympiasieger Lasse Svan und Henrik Toft Hansen sowie die Dauerbrenner Anders Eggert, Holger Glandorf, Thomas Mogensen und nicht zuletzt Torwart Mattias Andersson, der bereits zum zwölften Mal am Final Four teilnimmt. Personelle Alternativen sind zumindest genügend vorhanden, um zwei harte Handball-Tage erfolgreich zu überstehen.

Rhein-Neckar Löwen: Viel Klasse, aber ein "Flensburg-Syndrom"

Seit 2006 haben sich die Rhein-Neckar Löwen zehn Mal für die Hamburger Endrunde qualifiziert - so oft wie kein anderer Club. Damit hört die Erfolgsstory allerdings auch schon auf. Nur drei Mal glückte der Sprung ins Endspiel, den "Pott" in den Händen hatten die Mannheimer noch nie. Es gibt daher viele, die ihnen trotz der letztjährigen Meisterschaft die absolute Turnier-Mentalität und den besten Nervenzustand absprechen. Hinzu kommt das "Flensburg-Syndrom". Am Sonnabend treffen die Löwen zum insgesamt fünften Mal im Halbfinale auf die SG. Auf einen Sieg warten sie noch immer. Eine erstaunliche Bilanz, die auch Coach Nikolaj Jacobsen ins Grübeln bringt. "Die letzten Male haben wir alles versucht, jetzt gehen wir das Ganze lockerer an", kündigt er an. Die Psychologie spielt eine Rolle. Am Kader liegt es nicht. Mit "Steuermann" Andy Schmid, Rechtsaußen Patrick Groetzki, Kreisläufer Hendrik Pekeler, Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson oder dem nimmermüden Linkshänder Alexander Petersson ist ausreichend Klasse vorhanden.

Interviews

Andersson: "Wir müssen gut vorbereitet sein"

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Sprenger: "Gerne mit einem Titel verabschieden"

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 09.04.2017 | 22:50 Uhr

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