Stand: 17.01.2016 14:08 Uhr

HSV-Handballer: Lizenz-Entscheidung am Mittwoch

Die Entscheidung über die Lizenz der HSV-Handballer fällt am Mittwoch. Das gab die Handball-Bundesliga (HBL) am Sonntag bekannt. Neben den finanziellen Problemen geht es auch um einen möglichen Betrug der Hanseaten. Zwei Tage zuvor war gegen den HSV Hamburg das Insolvenz-Verfahren eröffnet worden. Insolvenzverwalter Gideon Böhm hatte bei der offiziellen Pressekonferenz davon gesprochen, dass sich die Hanseaten die Spielberechtigung für die laufende Erstliga-Saison erschlichen haben könnten. Der Bundesligist hat eine Zusatzvereinbarung mit Mäzen und Hauptsponsor Andreas Rudolph über 2,5 Millionen Euro nicht bekannt gemacht. Die Lizenz sei deshalb "vielleicht von Anfang an makelbehaftet gewesen", erklärte Böhm. Daraufhin tagte die Lizenzierungskommission der HBL und forderte die Hamburger zu einer Stellungnahme auf.

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DHB-Präsident: "Immer zur verkehrten Zeit"

Andreas Michelmann bezeichnete das bevorstehende Aus des Bundesligisten als in doppelter Hinsicht bitter. "Einmal für den HSV und natürlich für den deutschen Handball", sagte der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Die Norddeutschen hatten 2011 die Meisterschaft und 2013 die Champions League gewonnen. Michelmann ist gerade mit der Nationalmannschaft bei der EM in Polen. Wirft die Affäre ein schlechtes Licht auf den deutschen Handball? "Wenn man es ganz nüchtern betrachtet, ist es eine Sache, die immer mal wieder vorkommen kann. Es ist natürlich wie immer zur verkehrten Zeit."

Hanning: "Kreativität im großen Stil"

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Im Zentrum der Vorwürfe: HSV-Geschäftsführer Christian Fitzek.

Bob Hanning hatte bereits am Freitag schockiert auf die Worte Böhms reagiert und war deutlich geworden: "Wenn es tatsächlich Nebenabreden gegeben hat, wäre das ein ganz, ganz schwerer Schlag, und das wäre dann Lizenzbetrug", meinte der Geschäftsführer der Füchse Berlin, der auch Vize-Präsident bei der HBL und beim DHB ist, und fügte später hinzu: "Man kann von einer gewissen Kreativität im großen Stil sprechen." Die Zusatzerklärung liegt der Liga mittlerweile vor. Bei den Bundesliga-Konkurrenten, allen voran der SG Flensburg-Handewitt, die nach der EM erster Gegner der Hamburger ist, wachsen Ungeduld und Wut. In Sachen Spielplan und Tabellenkonstellation - womöglich werden die Ergebnisse mit Hamburger Beteiligung annulliert - muss schnell Klarheit her. "Das hat sportliche und natürlich erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die anderen Vereine. Deren Unmut kann ich voll verstehen", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, erklärte aber auch: "Egal, wie man es macht, für den einen oder anderen wird es in jedem Fall Wettbewerbsverzerrung sein. Wir kommen da nicht sauber raus."

HSV-Urgestein Lindberg "stinksauer"

Er habe schon viel erlebt, die Schieflage des HSV habe aber "eine andere Qualität", fügte Bohmann hinzu. Diese trifft auch die Hamburger Profis hart. "Ich bin enttäuscht, stinksauer, traurig, fassungslos", schrieb Weltklasse-Rechtsaußen Hans Lindberg auf seiner Facebook-Seite. "Ich dachte, dass wir in dieser Stadt den Rest unseres Lebens bleiben." Die Spieler können den Club verlassen. Erwartet wird, dass sich der HSV in den kommenden Tagen vom Spielbetrieb abmeldet. Böhm sieht keine Möglichkeit, die fehlenden zwei Millionen Euro für den Spielbetrieb bis zum Saisonende aufzubringen.

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