Stand: 27.07.2015 13:19 Uhr

Finanzbeichte: Jicha bittet THW um Freigabe

Im Tauziehen um Handball-Star Filip Jicha hat sich der Kapitän des THW Kiel jetzt erstmals selbst zu Wort gemeldet und wegen finanzieller Probleme um seine Freigabe für den FC Barcelona gebeten. "In die Situation, den Verein zu verlassen, den ich so liebe, wollte ich nie kommen", sagte der Tscheche in einem Interview mit den "Kieler Nachrichten". "Ich wollte hier meine Karriere beenden. Aber jetzt kann ich den THW nur bitten, mich sofort zu verkaufen, um mir so zu helfen." Er stecke in einer finanziellen Notlage, sagte der 33-Jährige, weil er sich vor neun Jahren mit der Investition in Immobilien verspekuliert habe. Jeden Monat müsse er rund 40 Prozent seines Gehalts für die Schuldentilgung ausgeben. Ein Wechsel zum Champions-League-Sieger nach Spanien würde seine Situation verbessern: "Bei den aktuellen Vertragsbedingungen sind vier Jahre Barcelona mit fünf in Kiel zu vergleichen." Barcelona hat Jicha einen Vierjahresvertrag angeboten. Sein Arbeitspapier in Kiel läuft noch bis Sommer 2016 mit einer beidseitigen Option für ein weiteres Jahr. Wie es heißt, seien die Katalanen bereit, 400.000 Euro Ablöse für den Rückraumspieler auf den Tisch zu legen. Die THW-Verantwortlichen hatten das Ansinnen zunächst kategorisch abgelehnt.

Filip Jicha: Der bescheidene Weltstar

"Ich bin kein Judas"

Jicha sagte, es falle ihm nicht leicht, mit seinen finanziellen Problemen an die Öffentlichkeit zu gehen. "Ich habe mich dafür geschämt, in welche Situation ich geraten bin. Aber bei den Menschen, die so sehr hinter dem THW Kiel stehen, soll nicht der Eindruck entstehen, ich sei ein Judas, dem es nur ums Geld geht", sagte der Vater von zwei Kindern. Die Verantwortlichen vom THW, mit dem er in acht Jahren 14 Titel gewonnen hat, wüssten schon länger Bescheid. Vor allem Reinhard Ziegenbein, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, habe viel für ihn getan. Jicha erzählte in dem Interview auch, wie er vor neun Jahren in Schwierigkeiten geraten ist: "Als ich 2006 aus der Schweiz zum TBV Lemgo wechselte, habe ich mich auf einen Finanzberater verlassen und wie viele andere Bundesliga-Profis viel Geld in Immobilien investiert. Ich war jung, naiv und sprach kaum Deutsch. Erst vier Jahre später habe ich erfahren, dass sich daraus ein Problem für mich entwickelt hatte. Ich bin in eine tiefe Falle getappt."

Langfristiger Vertrag in Kiel? - THW zögert

Die Option, langfristig in Kiel zu bleiben, wollte Jicha nicht ausschließen. "Ich kann aber auch die Verantwortlichen verstehen, die sich zuerst sicher sein wollen, dass ich wieder zu alter Stärke finden kann", sagte er. Zuletzt hatte der Welthandballer von 2010 kaum mehr verletzungsfrei spielen können. Nach einer langwierigen Sprunggelenkverletzung laboriert er derzeit an einer Schambeinentzündung. Doch er werde wieder hundertprozentig fit, versicherte Jicha: "Ich bin mir sicher, dass ich bis 2019 auf einem sehr hohen Niveau spielen kann." Zumindest der FC Barcelona, der einen Ersatz für den zu Paris Saint-Germain abgewanderten Nikola Karabatic braucht, scheint davon überzeugt zu sein. Bei den Katalanen beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison am 3. August. Jicha hofft nun auf eine schnelle Entscheidung, auch weil seine Tochter - eine gebürtige Kielerin - in einem Monat eingeschult wird.

Storm: Schwierige Situation für alle Beteiligten

THW-Geschäftsführer Thorsten Storm sprach im Telefoninterview mit NDR Info von einem "Riesenangebot aus Barcelona" für Jicha, betonte aber auch, dass er nicht irgendein Spieler für die Kieler sei. "Wir müssen uns mit ihm zusammensetzen, es ist zu diesem Zeitpunkt eine sehr schwierige Situation für alle Beteiligten. Einen solchen Spieler kann man nicht aus dem Stand ersetzen." Die wirtschaftlich deutlich attraktivere Offerte aus Barcelona wolle der THW nicht überbieten, "weil es auch nicht in unser Gesamtkonstrukt hineinpasst". Storm kehrt an diesem Donnerstag aus dem Urlaub zurück und will dann die Gespräche mit Jicha und den anderen Entscheidungsträgern beim THW aufnehmen.