Hansa Rostock: Der Traditionsclub von der Ostsee
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Spielunterbrechung in Rostock: Die Mannschaften verlassen den Rasen.
Zweitligist FC Hansa Rostock hat sich am Sonnabend umgehend von den Zwischenfällen beim Nordderby gegen den FC St. Pauli (1:3) distanziert und um gesamtgesellschaftliche Unterstützung gebeten. "Wir bitten die Verbände, die Politik und die Judikative, uns Vereine mit diesem gesamtgesellschaftlichen Problem nicht allein zu lassen", heißt es in einer nach der Partie veröffentlichten Erklärung. Die Vorfälle seien ernüchternd, schockierend und beschämend. Der Verein habe im Vorfeld der Begegnung alle ihm zur Verfügung stehenden Maßnahmen umgesetzt. "Wir werden weiterhin auf Prävention und Kommunikation setzen und fordern gleichzeitig die Gesellschaft dazu auf, uns bei diesem schwierigen Prozess zu unterstützen", so der Club, dem als Wiederholungstäter eine drakonische Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) droht. Sogar ein "Geisterspiel" ohne Zuschauer ist denkbar.
Das Zweitliga-Nordduell war in der 41. Minute für zehn Minuten unterbrochen worden. Nach dem Führungstor der Gäste durch Max Kruse (40.) wurden im St.-Pauli-Block Feuerwerkskörper gezündet, daraufhin flogen von einer Rostocker Tribüne Böller in den Gästeblock. Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) stoppte das Spiel. Beide Mannschaften wurden in die Kabinen geleitet. Der Stadionsprecher appellierte an die Fans, Ruhe zu bewahren. Nach etwas mehr als zehn Minuten ging es weiter, im Anschluss konnte die Begegnung ohne weitere größere Zwischenfälle fortgesetzt werden. Die Spielunterbrechnung ist auch auf eine Panne bei der Einlasskontrolle zurückzuführen. Als die ersten St.-Pauli-Fans das Stadion erreicht hatten, stürmten sie die Kontrollpunkte und überrannten die Ordner. Rund 100 Personen gelangten so unkontrolliert in den Gästeblock.
Vor und nach dem Nordderby hat indes ein Großaufgebot der Polizei mit 2.000 Beamten größere Ausschreitungen verhindert. Etwa eine Stunde vor Spielbeginn hatte die Polizei alle Gästefans ohne große Zwischenfälle ins Stadion begleitet. 1.800 von insgesamt 2.400 St.-Pauli-Anhängern waren mit dem Zug angereist. Nach dem Abpfiff kam es zu vereinzelten Übergriffen frustrierter Hansa-Chaoten. Ein Streifenwagen der Polizei sowie drei Shuttlebusse der Gästefans wurden mit Steinen beworfen, Bushaltestellen, Mülltonnen und parkende Autos beschädigt. Insgesamt wurden zehn Personen verletzt, darunter acht Polizisten. Gegen 33 Randalierer wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Rostocker Polizei zog dennoch ein positives Fazit: "Zu den befürchteten Fan-Ausschreitungen ist es nicht gekommen. Wir hatten kein direktes Aufeinandertreffen der beiden nicht wohlgesonnenen Fan-Lager", sagte Pressesprecherin Yvonne Hanske von der Rostocker Polizei im Interview mit NDR 1 Radio MV.
Die St.-Pauli-Fans wurden in Rostock von der Polizei eskortiert, um einen Zusammenstoß mit Hansa-Anhängern zu verhindern. (Archivbild)
Das Nordderby zwischen dem FC Hansa und St. Pauli ist kein Spiel wie jedes andere. In der Vergangenheit war es häufig zu schweren Ausschreitungen zwischen den rivalisierenden Fangruppen gekommen. Die Partie am Sonntag in Rostock war deshalb als Risiko-Spiel eingestuft worden. Entsprechend aufwendig und verschärft waren die vorab festgelegten Sicherheitsvorkehrungen. So durchsuchte die Polizei zum Beispiel schon am Bahnhof Hamburg-Altona, von wo aus die beiden Sonderzüge mit den Fans der Kiezkicker abfuhren, alle St.-Pauli-Anhänger. Die Bundespolizei hatte eine sogenannte "Allgemeinverfügung" erlassen, die ein Glasflaschenverbot sowie das Verbot der Mitnahme pyrotechnischer Erzeugnisse beinhaltete. Der FC St. Pauli setzte zur Unterstützung der Rostocker Ordner zahlreiche eigene Kräfte am Rostocker Hauptbahnhof sowie am Stadion ein. In der Rostocker Arena gab es keinen Alkoholausschank. Im Einsatz waren zudem Sprengstoffspürhunde; die Video-Überwachung wurde verstärkt. Dennoch eskalierte die Situation im Stadion.
"Viel mehr kann man eigentlich nicht machen. Das kostet ja auch alles eine ganze Menge Geld", sagte Sven Brux, Sicherheitsbeauftragter des FC St. Pauli. Auch Hansas Vorstandschefs Bernd Hofmann meinte: "Wir können uns keinen Vorwurf machen. Als Verein sind wir nicht in der Lage, noch mehr zu tun als im Vorfeld dieser Partie, um Gewalt zu verhindern." Die Spitzen beider Clubs hatten zudem im Vorfeld einen Appell an die friedlichen Anhänger gerichtet. "Lasst uns gemeinsam alles dafür tun, dass es ein spektakuläres und hochspannendes Fußballspiel wird, mit einer tollen, friedlichen Atmosphäre auf den Rängen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung - die aber einmal mehr bei einigen Unverbesserlichen ihre Wirkung verfehlte.