Stand: 16.04.2017 13:54 Uhr

Polizeieinsatz beim Derby: Kritik von GdP

Nach dem Niedersachsen-Derby am Sonnabend zwischen Hannover und Braunschweig hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Deutsche Fußball Liga (DFL) scharf kritisiert: Das Spiel in Hannover und die ebenfalls brisante Partie Werder Bremen gegen den HSV nur einen Tag später, am Ostersonntag, belasteten die Einsatzkräfte der Polizei massiv. "Kommerz darf nicht vor der Inneren Sicherheit stehen", hieß es von der GdP in Niedersachsen.

183 "Chaoten" festgesetzt

Die Polizei hatte sich nach dem Großeinsatz rund um das Derby zufrieden gezeigt. Größere Auseinandersetzungen seien verhindert worden, hieß es am Samstagabend. Es sei gelungen, "gewaltbereite Anhänger beider Clubs zu trennen und insgesamt 183 Braunschweiger Chaoten auf dem Stadiongelände in Gewahrsam zu nehmen", sagte Hannovers Polizeivizepräsident Jörg Müller. Die erwähnten "Chaoten" hatten vor dem Spiel eine Absperrung durchbrochen und waren eine Böschung hinauf zum Stadion gestürmt. Einige zündeten dabei Böller und Rauchbomben. Polizisten rannten hinterher und überwältigten die Fans. Bei ihnen seien später "säckeweise potenzielles Beweismaterial, unter anderem Pyrotechnik, Vermummungsgegenstände und Werkzeuge" sichergestellt worden, hieß es.

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GdP: Aufwand und Verletzte bedenken

Den Derby-Einsatz als Erfolg zu werten, hält die GdP nach eigenen Angaben für diskutabel: Man müsse Aufwand, Kosten und Intensität des Einsatzes sowie die Verletzten bedenken. Nach Polizeiangaben wurden am Sonnabend acht Polizisten leicht verletzt, einer davon sei vorerst nicht dienstfähig. Zu den Kosten des Einsatzes macht die Polizei derzeit noch keine Angaben.

Dank vom Oberbürgermeister

Das Derby galt als Hochrisikospiel - die gesamte niedersächsische Bereitschaftspolizei war zur Stelle. Außerdem gab es Unterstützung von Beamten aus Schleswig-Holstein, Bremen und dem Saarland. Insgesamt sicherten damit mehr als 2.000 Polizisten das Derby. Hinzu kamen Beamte der Bundespolizei. Am Samstagabend meldete sich Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) zu Wort und dankte der Polizei für ihren "deeskalierenden, umsichtigen und souveränen Einsatz".

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Innenstadt-Verbot und Pufferzonen

Die Polizei hatte im Vorfeld mit insgesamt 1.500 gewaltbereiten Fans aus beiden Lagern gerechnet. In die Kategorie "gewaltsuchend" fallen 98 Hannoveraner und 41 Braunschweiger. Sie durften die Innenstadt vor dem Spiel nicht betreten, davon wurden sie vorab schriftlich informiert. Im Stadion blieben ganze Blöcke zwischen den Braunschweig- und Hannover-Anhängern frei - als Pufferzonen. Statt 49.000 passten deshalb nur rund 43.000 Zuschauer in die Arena. Nach Angaben des Stadionsprechers hatte man sich außerdem entschieden, im Stadion keinen Alkohol auszuschenken. Nach dem Anschlag auf den BVB-Spielerbus in Dortmund gab es auch in Hannover verstärkte Sicherheitskontrollen: So durften Rucksäcke und große Taschen nicht mitgenommen werden. Um Pyrotechnik aufzuspüren, setzte die Polizei Sprengstoffhunde ein. Bereits beim Abschlusstraining von Eintracht Braunschweig hatte ein heimischer Fan am Freitag einen Feuerwerkskörper gezündet. Mittelfeldspieler Julius Biada musste das Training daraufhin abbrechen.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 15.04.2017 | 19:30 Uhr