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Wermutstropfen im Wolfsburger Meistersekt

von Ines Bellinger, NDR.de

Die Wolfsburgerinnen Alexandra Popp (v.l.), Martina Müller und Lena Gößling jubeln. © dpa - Bildfunk Fotograf: Peter Steffen Detailansicht des Bildes Alexandra Popp (l.) und Lena Goeßling (r.) gratulieren Martina Müller zum 1:0. Der VfL Wolfsburg ist wieder deutscher Fußballmeister - bei den Frauen. Mit einem 4:0 (1:0)-Sieg gegen den SC Bad Neuenahr beseitigte die Mannschaft von Trainer Ralf Kellermann am Sonntag letzte theoretische Zweifel am ersten Titelgewinn. Martina Müller mit einem Doppelpack (4., 57. Minute), Conny Pohlers (64.) und Kapitän Nadine Keßler (73.) sorgten am letzten Bundesliga-Spieltag für den 26. Heimsieg in Serie, der von 5.859 Zuschauern in der großen VfL-Arena bejubelt wurde. Einen Schatten auf die Meisterfeier warf die Verletzung von Alexandra Popp. Die Nationalspielerin verdrehte sich den rechten Fuß und wird für das Pokalfinale in Köln gegen Potsdam (19. Mai) und für das Champions-League-Endspiel gegen Olympique Lyon in London (23. Mai) wohl ausfallen.

Ein, zwei Bierchen erlaubt der Trainer

Mit Gipsfuß und der Erkenntnis, dass nichts gebrochen ist, war Popp gerade noch rechtzeitig aus dem Krankenhaus ins Stadion zurückgeeilt um zu sehen, wie Keßler um 16.05 Uhr die Meisterschale in die Höhe stemmte. Im grün-weißen Konfettiregen feierten die Wolfsburgerinnen zum Queen-Hit "We are the Champions" den Titel, den erstmals seit 2000 nicht Potsdam oder Frankfurt gewann. "Wolfsburg hat gute Spielerinnen geholt mit Persönlichkeit. Das hat dann auch den Ausschlag gegeben", lobte Bundestrainerin Silvia Neid. Die zweifache Torschützin Müller war glücklich über ihren ersten Titel mit dem Verein. "Wir haben verdient die Schale geholt, weil wir konstant unsere Leistung gebracht haben", sagte sie, bevor sie sich zum "Feiern mit Augenmaß" verabschiedete. Ein, zwei Bierchen, so die 33-Jährige, habe der Trainer erlaubt. "Es ist eine sensationelle Situation, vor den beiden Finals schon den Meistertitel in der Hinterhand zu haben", sagte Kellermann. "Wir werden diese beiden Spiele jetzt genießen und sehen, was dabei herauskommt."

Keßler glänzt trotz gebrochenen Zehs

VfL Wolfsburg - SC Bad Neuenahr 4:0 (1:0)

Tore: 1:0, 2:0 Müller (4./57.), 3:0 Pohlers (64.), 4:0 Keßler (73.)
Zuschauer: 5.859
Wolfsburg: A. Vetterlein - Wensing, Henning, Goeßling, Faißt - Blässe, Odebrecht (46. Omilade-Keller), Keßler, Müller (80. Bunte) - Pohlers, Popp (32. Magull)
Bad Neuenahr: Schult - Maier, Kuznik, Knaak, Rinast - Hornberg - Pyko (87. Becker), Bade, Yaren (38. Selensky), Gregorius - Kete (69. Rolser)

Der VfL war nicht sorgenfrei in die Partie gegangen. Keßler hatte sich den kleinen Zeh gebrochen, Viola Odebrecht einen grippalen Infekt und Lena Goeßling Rückenbeschwerden. Doch die Krönung der Bundesliga-Saison wollte sich keine entgehen lassen. Und so konnte Kellermann seine Gala-Elf aufbieten, die passend zum Anlass in neuen weißen Trikots antrat. Bad Neuenahr hatte nicht viel entgegenzusetzen, zumal den Gästen in Celia Okoyino da Mbabi ihre beste Fußballerin fehlte. Die Nationalspielerin konnte wegen einer Zerrung nicht mitwirken. Es dauerte nicht einmal vier Minuten, da zappelte der Ball das erste Mal im Tor. Keßler bewies trotz gebrochenen Zehs viel Gefühl im Fuß und bediente Müller mit einem perfekten Pass in die Tiefe. Die dienstälteste Wolfsburgerin schob den Ball aus 16 Metern flach an Almuth Schult vorbei. Die Torfrau von Bad Neuenahr soll auf dem VfL-Wunschzettel für die kommende Saison stehen. Die gebürtige Dannenbergerin ist nicht nur elf Zentimeter größer als Wolfsburgs derzeitige Keeperin Alisa Vetterlein. Schult ist in der Nationalmannschaft auch die Nummer zwei hinter Nadine Angerer.

Schrecksekunde bei Popp-Verletzung

Die Wolfsburgerin Alexandra Popp wird verletzt vom Platz getragen. © dpa - Bildfunk Fotograf: Peter Steffen Detailansicht des Bildes Alexandra Popp wird nach einer halben Stunde vom Platz getragen. Ihr droht das Aus für die Finals in DFB-Pokal und Champions League. Die Wolfsburgerinnen zogen ein schnelles und technisch gepflegtes Offensivspiel auf. Einziges Manko: die Chancenverwertung. Nach wiederum glänzendem Zuspiel von Keßler traf Popp nur das Außennetz (20.). Neun Minuten später war nicht nur der VfL-Stürmerin die Feierlaune vergangen. Popp verdrehte sich bei einem Zweikampf den rechten Fuß und blieb, vor Schmerzen schreiend, vor dem SC-Strafraum liegen. Die Bundestrainerin sah die Szene mit Schrecken, denn Popp gehört zu den großen Hoffnungsträgerinnen für die Europameisterschaft in Schweden. Die Nationalspielerin musste kurz darauf mit der Trage vom Platz gebracht werden. Den Spielfaden hatte Wolfsburg damit erst einmal verloren.

Pohlers per Fallrückzieher zum 16. Saisontor

Während Popp auf dem Weg ins Krankenhaus war, kamen die VfL-Frauen mit neuem Elan aus der Kabine und dem festen Vorsatz, ihren Fans - darunter VW-Chef Martin Winterkorn sowie Männer-Trainer Dieter Hecking und -Manager Klaus Allofs - noch einmal etwas zu bieten. Zunächst erhöhte Müller auf 2:0 (57.). Danach erzielte Torjägerin Pohlers per Fallrückzieher (64.) ihr 16. Tor in der Bundesliga-Saison, nachdem Navina Omilade-Keller in ihrem letzten Spiel für Wolfsburg zweimal vergeblich Maß genommen hatte. Für den Schlusspunkt sorgte Keßler mit einem Flachschuss (73.). Nun konnte die große Meister-Party beginnen.

Stimmen zum ersten Meistertitel der VfL-Frauen

Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender VW: "Wir freuen uns sehr, dass es nach den Männern 2009 in diesem Jahr den Frauen des VfL Wolfsburg gelungen ist, den wichtigsten nationalen Fußballtitel zu gewinnen."

Wolfgang Niersbach, DFB-Präsident: "Das Team spielt eine beeindruckende Saison und hat sich diese erste Meisterschaft bei den Frauen absolut verdient. Natürlich drücken wir jetzt alle die Daumen, dass diesem ersten nationalen Titel im Finale der Champions League gegen Lyon auch der erste internationale folgt."

Steffi Jones, DFB-Direktorin: "Wolfsburg hat uns in dieser Saison mit attraktivem Angriffsfußball, einem homogenen Team und erfrischenden Auftritten sehr viel Spaß gemacht."

Klaus Allofs, Geschäftsführer VfL Wolfsburg: "Wenn man in drei Wettbewerben vorneweg marschiert, dann spricht das eindeutig für die Qualität des Teams und dafür, dass hervorragende Arbeit geleistet wird und der Teamgeist stimmt. Deshalb hat die Mannschaft die Meisterschale auch verdient gewonnen."

Dieter Hecking, Vf-Cheftrainer: "Das Team von meinem Kollegen Ralf Kellermann hat wirklich eine herausragende Saison gespielt und meiner Meinung nach definitiv das Potenzial, jetzt auch noch die ganz große Sensation perfekt zu machen."

Diego Benaglio, VfL-Kapitän: "Der Gewinn der Meisterschaft ist eine außergewöhnliche Leistung, zu der ich dem Team und dem Trainerstab im Namen der Mannschaft ausdrücklich gratuliere. Ich gehe davon aus, dass Ralf Kellermann mit seiner Mannschaft noch mindestens einen weiteren Titel holt."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 12.05.2013 | 22:30 Uhr

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Wolfsburgs Kapitän Nadine Keßler (vorne) zeigt die Meisterschale. © dpa - Bildfunk Fotograf: Peter Steffen
 
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Jubel bei den Spielerinnen des Wolfsburg © imago/cp24
 

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