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Wettskandal

Wettskandal erschüttert VfL Osnabrück

Ein neuer Wettskandal im europäischen Fußball bahnt sich an © picture-alliance Fotograf: Sven Simon
große Bildversion anzeigen Ein neuer Wettskandal im europäischen Fußball bahnt sich an.

In den neuen Wettskandal im internationalen Profi-Fußball sind möglicherweise auch ehemalige Spieler des VfL Osnabrück verwickelt. Die Staatsanwaltschaft Bochum verdächtigt offenbar einen 34 Jahre alten Mann aus Lohne als Drahtzieher. Er soll mithilfe von Spielern des VfL zwei Spiele in der Zweiten Bundesliga manipuliert haben. Betroffen sind angeblich die beiden Auswärtsspiele der Niedersachsen beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai. Der 34-Jährige hatte laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft hohe Summen auf die beiden Partien gesetzt und sich dabei auf eine Tordifferenz festgelegt, die dann tatsächlich eintrat. Aus abgehörten Telefonaten der Polizei Bochum gehe hervor, dass der Verdächtige Kontakt zu mindestens einem VfL-Spieler aufgenommen habe. Im Zuge der Ermittlungen wurde am Freitagabend das Haus des Ex-Osnabrückers Marcel Schuon durchsucht. Der 24-Jährige steht derzeit beim Drittligisten SV Sandhausen unter Vertrag. "Gegen Marcel Schuon wurde ermittelt und eine Hausdurchsuchung gemacht, aber es wurde kein Haftbefehl erlassen", sagte Sandhausens Manager Tobias Gebert. Der Spieler habe versichert, dass er nichts Verbotenes gemacht habe.

Osnabrücks Kapitän Thomas Reichenberger dementierte vor der Partie am Sonnabend gegen Borussia Dortmund II (4:1) eine mögliche Beteiligung an Spielmanipulationen. Er habe niemals gegen Geld in irgendwelche Spiele eingegriffen, sagte der Stürmer. Vor dem Aufwärmen war die komplette Osnabrücker Mannschaft vor die Fankurve getreten und hatte sich erklärt.

Wollitz: "Ich bin erschüttert"

"Ich bin erschüttert und am Boden zerstört. Das ist unfassbar, dass der VfL in diesem Zusammenhang genannt wird. Ich will das nicht glauben. Ich möchte nicht, dass das wahr ist, weil dann für mich eine Welt zusammenbricht", sagte Osnabrücks Ex-Coach Claus-Dieter Wollitz, der nun den Zweitligisten Energie Cottbus trainiert, zu den Verdächtigungen gegen seine ehemaligen Akteure. "Wir haben keine anderen Informationen als die, die über die Staatsanwaltschaft bekannt geworden sind", sagte Osnabrücks Präsident Dirk Rasch NDR Info. Allerdings: "Wenn jetzt diese Manipulationsvorwürfe wirklich bestätigt werden, dann kann ich nur sagen, bin ich schockiert." In diesem Fall werde sich der Club rechtliche Schritte vorbehalten. Der VfL bot DFB, DFL und der Staatsanwaltschaft enge Zusammenarbeit an, um eine Aufklärung - auch im eigenen Interesse - zu ermöglichen. Gleichzeitig bestätigte Rasch in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", dass der Club in der vergangenen Saison einem Spieler geholfen hat, der Wettschulden hatte. "Dieser Spieler stand unter enormen Druck und hat sich uns im März mit seiner Spielsucht geöffnet. Sein Signal war 'Helft mir!'", so Rasch.

Rasch befürchtet, dass die Relegationspartien für die Zweite Bundesliga in der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht geraten. "Offensichtlich ist nichts mehr auszuschließen", sagte Rasch am Sonnabend "Zeit Online". Nach zwei 0:1-Niederlagen gegen den SC Paderborn stiegen die Osnabrücker in die Dritte Liga ab. Zugleich kritisierte Rasch im Zusammenhang die Präventionsmaßnahmen des DFB. "In dem einen oder andern Fall mag das Frühwarnsystem des DFB funktioniert haben. Allgemein muss ich konstatieren, dass das Frühwarnsystem die globalisierte kriminelle Energie nicht stoppen kann", sagte der VfL-Präsident.

32 Spiele in Deutschland betroffen

Sportwetten-Schild an der Schaufensterscheibe eines Wettbüros © dpa
große Bildversion anzeigen Insgesamt sollen etwa 200 Spiele in neun Ländern manipuliert worden sein.

In einer Pressekonferenz am Freitagmittag hatte die Staatsanwaltschaft Bochum bekanntgegeben, dass Fußball-Ligen in neun Ländern in das Visier der Ermittler geraten sind - darunter auch Deutschland. Es bestehe konkreter Verdacht, dass vier Spiele der Zweiten Bundesliga, drei Spiele der Dritten Liga und 18 Partien der Regionalligen, fünf Spiele der Oberligen sowie zwei U19-Begegnungen manipuliert wurden. Insgesamt sollen etwa 200 Spiele in neun Ländern betroffen sein. Neben Deutschland sind dies Belgien, die Schweiz, Kroatien, Slowenien, die Türkei, Ungarn, Bosnien-Herzegowina und Österreich. Hinzu kommen mindestens drei Champions-League- und zwölf Europa-League-Spiele sowie ein Qualifikationsspiel zur U21-EM. Die Erste Bundesliga ist bisherigen Ermittlungsergebnissen nicht betroffen.

200 Verdächtige im Visier

Sportwetten-Tippzettel im Stadion © dpa
große Bildversion anzeigen Vom neuen Wettskandal im europäischen Fußball ist auch Deutschland betroffen.

Wieder - wie im Fall Hoyzer vor knapp fünf Jahren in Deutschland - geht es unter anderem um verschobene Spiele und gekaufte Schiedsrichter und wieder sollen die kroatischen Drahtzieher aus Berlin ihre Finger mit im Spiel haben: die Brüder Ante und Milan S. Etwa 200 Beschuldigte sollen wegen des Verdachts des Wettbetruges im Visier der Ermittler sein. Die Personen werden seit Beginn des Jahres der umfassenden versuchten Spielmanipulationen verdächtigt. Sie setzten hohe Bargeldbeträge auf entsprechende Spielausgänge, vor allem bei asiatischen Wettanbietern. In Deutschland wurden am Donnerstag 15 Haftbefehle vollstreckt. Mehr als 50 Durchsuchungsbeschlüsse in sechs deutschen Bundesländern sowie der Schweiz, Österreich und Großbritannien wurden vollzogen. Die Staatsanwaltschaft machte hingegen keine genauen Angaben über betroffenen Spiele, Vereine und Personen.

Stand: 21.11.2009 15:30
sportschau.de
UEFA-Sprecher Peter Limacher (l.) bei einer Pressekonfernz der Bochumer Staatsanwaltschaft  © dpa Fotograf: Achim Scheidemann

32 Spiele in Deutschland offenbar verschoben

Weitere Informationen zum Wettskandal bei sportschau.de. (Meldung vom 20.11.2009)

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