Mirko Slomka erblickt am 12. September 1967 in Hildesheim das Licht der Welt. Er hat einen Bruder (Mario) und eine Schwester (Diana). Nach dem Abitur studiert er Mathematik und Sport auf Lehramt. Nebenbei spielt Slomka Fußball. Für eine Profikarriere reicht es nicht. Seine letzte Station als aktiver Kicker ist Hannover 96.
Bei 96 beginnt auch Slomkas Trainerkarriere. Von 1989 bis 1999 ist er für verschiedene Nachwuchsmannschaften des Clubs verantwortlich. Dabei nimmt er unter anderem die späteren Nationalspieler Gerald Asamoah, Sebastian Kehl und Per Mertesacker unter seine Fittiche.
1999 verschlägt es Slomka von der Leine an die Spree. Er heuert als Jugendkoordinator bei Tennis Borussia Berlin an. Als dem Club ein Jahr später die Zweitliga-Lizenz entzogen wird, rückt Slomka zum Cheftrainer auf. Er soll das komplett neu formierte Team in der Regionalliga etablieren.
Die Mannschaft startet unter dem neuen Coach überraschend gut. Dann aber folgt der Absturz in die Abstiegszone. Nach fünf Niederlagen in Folge muss Slomka am 16. November 2000 bei TeBe seinen Hut nehmen.
Slomka tritt nach seinem Rauswurf in die zweite Reihe zurück. 2001 übernimmt er den Posten des Co-Trainers bei Hannover 96. Er assistiert Ralf Rangnick.
Gleich in ihrer ersten Saison führen Rangnick und Slomka die Niedersachsen in die Bundesliga. Der Jubel bei Fans und Spielern über die Rückkehr in die deutsche Beletage ist groß.
Nach 13-jähriger Bundesliga-Abstinenz muss Hannover in der Serie 2002/2003 viel Lehrgeld bezahlen. Doch Rangnick und Slomka behalten den Durchblick und die nötige Geduld. Am vorletzten Spieltag wird der Klassenerhalt perfekt gemacht.
In der zweiten Saison nach dem Aufstieg kämpft 96 erneut um den Klassenerhalt. Diesmal aber verliert die Vereinsführung die Geduld. Im März 2004 werden Rangnick und Slomka entlassen. Als neuer Trainer wird Ewald Lienen verpflichtet.
Slomka folgt Rangnick im Oktober 2004 nach Gelsenkirchen. Das Duo soll Schalke 04 zur lang ersehnten Meisterschaft führen.
Rangnick und Slomka verfehlen das große Ziel in ihrer ersten Saison auf Schalke knapp. Am Ende wird das Team um Stürmerstar Kevin Kuranyi (l.) Vizemeister.
In der Spielzeit darauf können die "Knappen" ihre Leistungen zunächst nicht bestätigen. Im Vorstand gibt es Kritik an Rangnick, der reagiert beleidigt und kündigt seinen Abschied zum Saisonende an. Gehen muss er aber bereits vor Beginn der Rückrunde. Sein Nachfolger heißt Mirko Slomka.
Auf Slomka, hier beim Besuch eines Bergwerks, wartet harte Maloche. Er soll die Mannschaft in den Europapokal führen und muss zudem Werbung in eigener Sache betreiben. Der Trainer gilt als Übergangslösung, der Vorstand hält Ausschau nach einem renommierten Fußballlehrer.
Doch Slomka beweist, dass er auch ein Bundesliga-Team als alleinverantwortlicher Trainer formen kann. Er führt die Gelsenkirchener in der Rückrunde der Serie 2005/2006 ins Semifinale des UEFA-Pokals und auf Rang vier in der Bundesliga. Als Belohnung spricht ihm die Vereinsführung das Vertrauen aus.
Zu Beginn der Spielzeit 2006/2007 muss Schalke das frühe Aus im UEFA- und DFB-Pokal hinnehmen. Auch in der Bundesliga starten die Gelsenkirchener schwach, sodass Kritik an Slomka aufkommt.
Trotz der sportlichen Nackenschläge darf Slomka auf Schalke weiterarbeiten. Und die Geduld des Vorstands zahlt sich aus. Die Mannschaft eilt plötzlich von Sieg zu Sieg und führt monatelang die Tabelle an.
Schalke hat die Hand bereits an der Schale, als es am vorletzten Spieltag beim Erzrivalen Borussia Dortmund antreten muss. Statt einer großen Meistersause gibt es nach 90 Minuten ein Meer aus Tränen. Die "Knappen" unterliegen mit 0:2 und rutschen auf Platz zwei ab.
Slomkas Frust ist nach der Pleite in Dortmund groß. Ihm bleibt der erste Titel seiner Trainerkarriere verwehrt. Die Meisterschaft geht an den VfB Stuttgart.
Obwohl Slomka das Team in der Saison nach dem knapp verpassten Titel ins Viertelfinale der Champions League führt, wird er im April 2008 nach einem 1:5-Desaster in Bremen entlassen. Aus dem Vorstand heißt es, es sei keine Weiterentwicklung der Mannschaft erkennbar.
Fast zwei Jahre ist Slomka nach seinem Rauswurf ohne Traineranstellung. Er nutzt die Zeit, um bei verschiedenen Clubs zu hospitieren. Zudem gibt er sein Wissen als TV-Experte weiter.
Am 19. Januar 2010 kehrt Slomka auf die Bundesliga-Bühne zurück. Er soll das nach dem Suizid von Robert Enke traumatisierte Hannover 96 vor dem Abstieg retten.
Doch Slomkas Start bei 96 misslingt. Die ersten sechs Spiele unter dem neuen Trainer gehen verloren. Zudem gilt das Verhältnis des Coaches mit Manager Jörg Schmadtke als angespannt.
Trotz aller Probleme rettet Slomka 96 am Ende einer turbulenten Saison vor dem Abstieg. Eine Leistung, die ob des Enke-Todes sowie vieler anderer Probleme im Vereinsumfeld äußerst bemerkenswert ist.
Trotz des Klassenerhalts verstummen die Kritiker im 96-Umfeld nicht. Als Hannover zu Beginn der Serie 2010/2011 im Pokal beim Regionalligisten Elversberg scheitert, steht Slomka kurz vor dem Rauswurf.
Es folgt ein Höhenflug, den sich selbst die kühnsten Optimisten nicht hätten träumen lassen. 96 stürmt ins obere Drittel und qualifiziert sich am Ende mit Rang vier erstmals nach 19 Jahren wieder für einen internationalen Wettbewerb.
Obgleich 96 als krasser Außenseiter in die Qualifikationsspiele gegen den FC Sevilla um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League geht, jubeln am Ende Slomka und seine Profis. Hannover spielt international und hat einen Trainer mit einer inzwischen eindrucksvollen Vita. Erst im Viertelfinale kommt gegen den späteren Sieger Atletico Madrid das Aus.
Auch in der darauffolgenden Saison rutscht Hannover als Tabellensiebter in den europäischen Wettbewerb und übersteht die Qualifikation.
Klar, dass 96-Präsident Martin Kind (l.) gerne mit dem Erfolgscoach verlängern möchte. Die Verhandlungen ziehen sich allerdings und sind begleitet von allerlei öffentlichen Nebengeräuschen. Doch letztlich klappt es. Slomka und Hannover 96 einigen sich auf eine weitere Zusammenarbeit bis 2016.