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Polizei sucht Anstifter der Fan-Krawalle

Polizisten nehmen beim Hamburger Hallenturnier einen Randalierer fest. © dpa Fotograf: Sebastian Wagner Detailansicht des Bildes Polizisten nehmen beim Hamburger Hallenturnier einen Randalierer fest. Die Krawalle beim Hamburger Hallenfußballturnier haben Fans, Veranstalter, Spieler und auch die Einsatzkräfte schockiert zurückgelassen. Die Polizei hat nun mit der Auswertung der umfangreichen Berichte begonnen, um die Anstifter ausfindig zu machen. "Die Ermittlungen dauern an. Die Akte mit den Berichten der Einsatzkräfte ist schon zu einem Buch angewachsen", teilte ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen mit. Bei der Aufklärung würden auch Videoaufzeichnungen und Einträge in sozialen Netzwerken berücksichtigt. Bei den Krawallen am Freitagabend waren nach Polizeiangaben Fans der Vereine VfB Lübeck, FC St. Pauli und Hamburger SV beteiligt gewesen. "Wer jedoch den ersten Stein geworfen hat, kann ich nicht sagen", sagte der Sprecher.

Streit über Verantwortlichkeiten

Alle drei Clubs distanzierten sich von den gewalttätigen Anhängern. Die Organisatoren und der VfB Lübeck schieben sich gegenseitig eine Mitschuld zu. Randalierern, die als gewaltbereit bekannt sind und gegen die ein Stadionverbot verhängt wurde, hätten in Lübeck niemals Eintrittskarten verkauft werden dürfen, so die Veranstalter. Es habe nicht einmal eine Warnung des VfB gegeben, dass entsprechende Personen zum Turnier anreisen wollen. Der Regionalligist wehrte sich gegen die Kritik. Es habe keine Ansage der Organisatoren gegeben, nach denen Stadionverbote auch beim Hallenturnier Gültigkeit hätten. Rund 100 Karten wurden laut VfB in Lübeck an Fans verkauft. Wer sie erhielt, lasse sich nicht mehr nachvollziehen. Auf Fotos wurden unterdessen mehrere Lübecker identifiziert, die an der Randale maßgeblich beteiligt waren.

75 Verletzte - 23 Strafanzeigen

Nach Polizei-Angaben vom Sonntag wurden insgesamt 75 Personen bei den Ausschreitungen verletzt, darunter 14 der 314 eingesetzten Polizeibeamten. Zwei Personen wurden vorläufig festgenommen und 74 Menschen in Gewahrsam genommen. Gegen 23 Personen wurde Strafanzeige unter anderem wegen Landfriedensbruch, Körperverletzung und Widerstandes gestellt. Es entstand ein hoher Sachschaden durch Vandalismus.

Turnierveranstalter will Regressforderungen prüfen

Die Veranstalter kündigten mögliche Schadenersatzforderungen an die Randalierer an. "Wir werden uns in aller Ruhe mit der Polizei zusammensetzen und die Erkenntnisse auswerten. Wenn Täter in irgendeiner Form erkannt werden oder wir Beweismaterial bekommen, das uns eindeutig zu den Tätern führt, werden wir mit Sicherheit initiativ werden", sagte Mitorganisator Peter Sander am Sonntag. Wie NDR 90,3 berichtet, steht sogar eine mögliche Insolvenz der Turnier GmbH im Raum. Nach der Absage des Finaltags könnten zahlreiche Besucher mit bereits gekauften Eintrittskarten und die Sponsoren des Turniers ihr Geld zurückverlangen. Allerdings haben schon mehrere Geldgeber signalisiert, dass sie keine Rückforderungen stellen werden. Ob es im kommenden Jahr eine 27. Auflage des Turniers geben wird, steht in den Sternen. "Wir haben alle das Gefühl, dass es das letzte Mal war", sagte Organisator Wolfgang Engelmann im Interview mit dem NDR.

Fußballturnier wegen Randale abgebrochen

"Fans" beim Hamburger Hallenfußball-Turnier © NDR.de Detailansicht des Bildes "Anhänger" des VfB Lübeck sowie des HSV suchten die Konfrontation mit St.-Pauli-Fans. Der Veranstalter der Traditionsveranstaltung, die Sport Peterson Event GmbH, hatte sich am Freitagabend nach Rücksprache mit der Polizei gegen eine Fortsetzung des Turniers ausgesprochen. Am Sonnabend hatten eigentlich die letzten Gruppen- sowie die Finalspiele auf dem Programm gestanden. "Alle waren sich einig, dass bei dem Gewaltpotenzial, das an den Tag gelegt worden ist, niemand sicherstellen konnte, dass nicht Ähnliches passiert und hier Leib und Leben auch von Kindern in Gefahr geraten wären. Und das können wir nicht verantworten", sagte Turnierorganisator Peter Sander NDR 90,3. Die Geschehnisse nannte er einen "Albtraum".

Über 300 gewaltbereite Fans suchen Konfrontation

Auch die Polizei zeigte sich erschrocken von den Vorfällen. "Wir hatten heute eine Gewaltbereitschaft, die wir in dieser Form bisher nicht hatten", erklärte Einsatzleiter Robert Golz am Freitag. Nach Polizeiangaben waren 230 gewaltbereite St.-Pauli-Fans und rund 100 gewaltbereite Fans des VfB Lübeck angereist. Laut einem Polizeibericht griffen Lübecker Anhänger beim Einlass in die Halle das Sicherheitspersonal an. Die Beamten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein, um die Lage zunächst wieder in den Griff zu bekommen.

"Fahnenklau" löst Schlägerei aus

"Fans" beim Hamburger Hallenfußball-Turnier © NDR.de Detailansicht des Bildes Die "Fans" aus Lübeck mussten die Halle vorzeitig verlassen. In der Arena lieferten sich die Anhänger beider Clubs zunächst nur Gesangsduelle. Doch während der zweiten Begegnung zwischen der Auswahlmannschaft von Respect United und dem dänischen Vertreter FC Nordsjaelland (3:2) eskalierte die Situation dann. Lübecker Randalierer stürmten zum St.-Pauli-Block und rissen dort eine Fahne des Fanclubs "Ultra St. Pauli" von der Brüstung. Es folgte eine Schlägerei, welche die Polizei nur mühsam und unter Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray beenden konnte. Dabei wurden auch unbeteiligte Personen verletzt, wie die Polizei mitteilte. Ruhe kehrte allerdings durch die Maßnahmen nicht ein. Nur wenig später versuchten Anhänger beider Lager, die Sicherheitssperren zu durchbrechen und in den jeweils anderen Block zu gelangen. Es wurden Bierbecher und andere Gegenstände geworfen. Zuschauer sprangen entsetzt von ihren Sitzen auf und flüchteten panisch aus der Halle. Die Partie zwischen Respect United und Nordsjaelland musste zweimal unterbrochen werden.

Kommentare der NDR.de-Nutzer

  • Kritik an den Veranstaltern äußert NDR.de-User "Unverständnis"

    St. Pauli-Fans sind eher links. Lübeck-Fans haben überdurchschnittlich viele Rechte in ihren Reihen. Wer hatte die glorreiche Idee, bei einem "Freundschafts-Cup" BEIDE einzuladen? Also keine Verwunderung, dass "Lübecker" "Fans" mit Krawallen anfangen.
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  • User "MD - er" macht sich Gedanken über das Strafmaß

    Als Fan des 1. FC Magdeburg glaube ich, es wird wieder mit zweierlei Maß gemessen. Die Anhänger aus dem Osten bekommen Geisterspiele, andere Vereine aus dem Westen 8.000 Euro Strafe.
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  • "Neutraler Fan" berichtet von seiner Begegnung mit Lübecker Fans

    Bin auf dem Weg von der Arbeit nach Hause im Hamburger Hauptbahnhof auf die Lübecker Fans getroffen. Wer diese Idioten gesehen hat, war über die Krawalle nicht überrascht.
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  • Dagegen spricht User "Paul I." vom "FC Scheinheilig Hamburg"

    Ist ja mal wieder erstaunlich, dass 72 angeblich unschuldige St. Paulianer von der Polizei ungerecht behandelt wurden. Wer glaubt das eigentlich noch? Egal wo St. Pauli auftritt, gibt es Stress!
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  • NDR.de-User "Gunny" kommentiert:

    Man sollte einen Käfig bauen und sie einfach machen lassen was sie wollen. Das sind keine Fans, die brauchen einfach eine Plattform "Fußball", um ihren Frust abzulegen.
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  • Auch User "Fan" sieht es ähnlich:

    Das sind keine Fans, sondern nur Krawallmacher, die mit Fussball nichts zu tun haben. Ich denke, die wissen noch nicht einmal, wie viele Fußballspieler auf dem Platz stehen.
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  • "Schanürb" geht mit den St.-Pauli-Fans hart ins Gericht:

    Ich war als neutraler Zuschauer selbst in der Halle als die Randale losging. Mich widern diese sogenannten Fans nur noch an, in den letzten Monaten besonders die des FC St. Pauli. Was früher noch alles eine große Party war, ist heute nur noch Randale und Saufen bis zum Exzess.
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  • "Thomas B" befürwortet den Abbruch des Turniers:

    Ich finde es gut, wenn Spiele wegen Randale abgebrochen werden, da dieses aus Verantwortung zum Schutz Unbeteiligter getan wird, die ein Recht auf Sicherheit und Unversehrtheit haben.
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  • Der User "fc.st.pauli" stellt kritische Fragen:

    Wieso wurden 72 St. Pauli-Fans und nur 1 Lübecker und einer vom HSV festgenommen? Wieso wurden die Lübeck-Fans trotz der Vorfälle schon vor Beginn und der Hitlergrüße nicht genauso von der Polizei überwacht wie die Pauli-Fans, welche von Beginn an durch die Polizei umzingelt waren?
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Randale auch im VIP-Raum

Im Anschluss an das Spiel randalierten die Chaoten im Foyer sowie vor der Halle weiter. Scheiben wurden eingeschlagen und Autos demoliert. Zudem wurde der VIP-Raum gestürmt, in dem sich zu diesem Zeitpunkt auch Spieler des VfB Lübeck aufhielten. Nach übereinstimmenden Aussagen von Mitarbeitern soll es sich bei den Angreifern um Anhänger des FC St. Pauli gehandelt haben. In dem Zimmer bot sich nach dem Vorfall ein Bild der Verwüstung. Der Sport war zu diesem Zeitpunkt längst in den Hintergrund gerückt. Der Veranstalter erwägte, das Turnier sofort abzubrechen. Doch die Polizei riet davon ab, weil sie Bedenken hatte, die Situation könnte so noch mehr eskalieren. Stattdessen wurden die Lübecker Sympathisanten nach dem Auftaktspiel von St. Paulis Profis gegen den Hamburger Hallenmeister SC Condor (5:4) in Bussen abtransportiert. Einige Anhänger des Kiezclubs verließen ebenfalls die Halle. Allerdings nicht aus Solidarität mit den VfB-Chaoten, sondern aus Protest gegen den Pfefferspray-Einsatz der Polizei.

Schnoor: "So etwas noch nie erlebt"

Stefan Schnoor Hamburger Hallenfußball-Turnier © NDR.de Detailansicht des Bildes Entsetzt über das Ausmaß der Gewalt: Stefan Schnoor. Bei den Verantwortlichen und Spielern aller teilnehmenden Mannschaften herrschte Entsetzen über den Gewaltexzess. "Ich habe so etwas in meiner aktiven Zeit noch nie erlebt, dass ein Hallenspiel unterbrochen wurde. Was hier passiert, hat beim Fußball nichts zu suchen", sagte der frühere Bundesliga-Profi Stefan Schnoor. Er lief für das Team Respect United auf. Florian Möller, Geschäftsstellenleiter des VfB Lübeck, erklärte der NDR 1 Welle Nord: "Dass dann jetzt solche Vorfälle geschehen sind, die eng mit dem Namen des VfB Lübeck verbunden sind, bedauern wir außerordentlich, distanzieren uns auch von sämtlicher Form der Gewalt. Inwieweit nun die Krawallmacher wirklich dem Spektrum des VfB Lübeck zuzurechnen sind, ist für uns noch unklar. Es ist sicherlich nicht auszuschließen, dass welche dabei waren. Das wird jetzt aufzuarbeiten sein, auch in Gesprächen mit den Fans. Wenn dem dann so ist, werden wir natürlich auch entsprechende Konsequenzen ziehen." St. Paulis Sportchef Helmut Schulte sagte: "Traurig, dass es immer wieder ein paar Chaoten gibt, die so eine schöne Veranstaltung stören."

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Turniersieger beim Ratsherrn-Cup 2000: FC St. Pauli. © Witters Fotograf: Witters
 
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