9. Mai 1999: Werder Bremen schwebt drei Spieltage vor Saisonende in akuter Abstiegsgefahr - und die Vereinsführung zieht die Reißleine. Der bisherige Amateur-Trainer Thomas Schaaf steigt zum Chefcoach auf. Der damals 38-Jährige löst einen Tag später unter großem öffentlichen Interesse Vorgänger Felix Magath offiziell ab.
Schaaf legt einen Traumstart hin: In der Liga sichert er mit seinen Profis nach drei Siegen in Serie die Klasse, einen Monat später gewinnt Werder das DFB-Pokalfinale in Berlin gegen Bayern München mit 6:5 nach Elfmeterschießen.
Wiedersehen unter Kollegen: Seinem Vorgänger Felix Magath begegnet Schaaf immer mal wieder - so wie hier beim Bundesligaspiel bei Bayern München im Frühjahr 2005.
Schaaf weiß, wie es geht: 262 Mal schnürt der Abwehrspieler selbst die Schuhe für Werder Bremen, bevor er die Trainerkarriere einschlägt - so wie in dieser Partie im Duell gegen den Kölner Thomas Häßler im Frühjahr 1988.
Seine Bilanz als Spieler kann sich sehen lassen: Zweimal wird er deutscher Meister (1988, 1993), zweimal DFB-Pokalsieger (1991, 1994). 1992 triumphiert er zudem mit Werder im Europapokal der Pokalsieger. 1995 beendet Schaaf seine aktive Karriere.
Den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte unter Cheftrainer Schaaf feiert Werder 2004: Am drittletzten Bundesliga-Spieltag sichern sich die Bremer ausgerechnet beim Erzrivalen in München mit einem 3:1 die Meisterschaft. Ende Mai machen die Hanseaten das "Double" durch den DFB-Pokalsieg im Finale gegen Alemannia Aachen perfekt. Folgerichtig wird Schaaf zum Trainer des Jahres 2004 gewählt.
Cheftrainer Schaaf und Manager Klaus Allofs, der Ende 2012 nach Wolfsburg wechselte, prägen jahrelang als Trainer/Manager-Duo das Werder-Bild.
Immer vorneweg: Thomas Schaaf im Juli 2008 während der Sommervorbereitung auf die laufende Saison am Strand der Nordseeinsel Norderney. Eigentlich ein guter Ort für Schaaf nach Niederlagen - dann braucht er nämlich seine Ruhe: "Wenn ich verliere, bin ich ungenießbar", so der verheiratete Vater einer erwachsenen Tochter.
Sechsmal seit 2004 führt der Coach die Hanseaten in die Champions League. Das zahlt sich sprichwörtlich aus. Nur durch die regelmäßige Teilnahme in der "Königsklasse" können sich die Bremer Stars wie Diego, Pizarro oder Naldo leisten.
Norddeutschland pur: Der vollbärtige "Seebär" Thomas Schaaf kommt in der Saison 2008/2009, der Spielzeit seines zehnjährigen Dienstjubiläums als Werder-Coach, äußerlich etwas verwegener daher als gewohnt. Dabei stammt der Fußballlehrer noch nicht einmal von der Küste: Am 30. April 1961 wird Schaaf im baden-württembergischen Mannheim geboren.
Kommunikation ist wichtig: Immer wieder sucht der Coach das Gespräch mit seinen Spielern - hier mit seinem ehemaligen Kapitän Torsten Frings - und versucht die Profis mit in die Verantwortung zu nehmen.
Im Rampenlicht steht der Trainer nur ungern. Schlagzeilen und Skandale sind seine Sache nicht. Er konzentriert sich auf seine Arbeit - und den angestrebten Erfolg.
Zusammen mit Manager Klaus Allofs, der ebenfalls 1999 bei Werder anheuerte, zimmert Schaaf immer weiter an einer erfolgreichen Zukunft. Mit Johan Micoud, Diego und Mesut Özil holen die Hanseaten drei außergewöhnliche Spielmacher an die Weser.
Im Regen steht Thomas Schaaf während der Spiele und beim Training seines Teams in den vergangenen zehn Jahren mehrfach. Dennoch: Unter seiner Regie fährt Werder seit 1999 mehr Siege als Niederlagen ein - die "Schaaf-Dekade" ist nicht nur deswegen eine überaus erfolgreiche.
Dabei geht der zweimalige U21-Nationalspieler an der Seitenlinie seit jeher engagiert mit. Seine Trainerlaufbahn beginnt Schaaf noch parallel zur Spielerkarriere 1987 bei Werders Jugendmannschaften. 1995 übernimmt er dann das Bremer Amateurteam.
Autoritätsperson Schaaf: Egal, wie die Stars bei Werder hießen und heißen, alle tanzen nach seiner Pfeife. Der Erfolgstrainer schafft es, auch seinem damaligen Spielmacher Diego klarzumachen: "Der Star an der Weser ist und bleibt allein die Mannschaft".
In der Saison seines zehnjährigen Jubiläums 2008/2009 hat Schaaf des Öfteren Grund zum Verzweifeln. In der Liga läuft es besonders auswärts gar nicht. Am Ende springt nur Platz zehn heraus.
Doch auch in sportlich kritischen Situationen weiß Thomas Schaaf die Vereinsführung und die Werder-Fans hinter sich. Und so gibt er ruhig und besonnen weiterhin bestimmt die Richtung vor.
Nichts wurde es indes im Mai 2009 mit dem erstmaligen UEFA-Cup-Sieg: 1:2 nach Verlängerung im Endspiel von Istanbul gegen Schachtjor Donezk - bitter.
Dafür entschädigte der Gewinn des DFB-Pokals mit der einhergehenden Europa-League-Qualifikation für eine über weite Strecken verkorkste Spielzeit.
In der Serie 2009/2010 führt Schaaf die Hanseaten in der Bundesliga wieder in die Erfolgsspur. Nach 34 Spieltagen stehen die Bremer auf Rang drei.
Doch die gute Platzierung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Duo Schaaf/Allofs sein einst so gutes Näschen für Neuzugänge verloren hat. Der Brasilianer Wesley (M.) ist nur einer von vielen Flops, die in den darauf folgenden Jahren an die Weser geholt werden.
Die Konsequenz aus der verfehlten Personalpolitik ist der Abstiegskampf in der Spielzeit 2010/2011, die Werder schließlich auf Rang 13 beendet. Auch ein Jahr später verfehlen die Hanseaten die angepeilte Qualifikation für das internationale Geschäft und leiten einen großen Umbruch ein.
Das neue Team zeigt in der Hinrunde der Serie 2012/2013 ordentliche, wenn auch keine konstante Leistungen. Die langjährige Ehe Allofs/Schaaf/Werder wird im November 2012 dennoch geschieden. Den Manager zieht es zum VfL Wolfsburg. Schaaf fehlt nun sein wichtigster Vertrauter.
In der Rückrunde geht es stetig bergab, Werder ist sogar vom Abstieg bedroht. Erst am vorletzten Spieltag sichert sich Bremen den Klassenerhalt. Vier Tage später geben Club und Trainer die Trennung bekannt. Nach 14 Jahren geht eine Ära zu Ende.