Stand: 20.05.2010 13:14 Uhr
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Fußball
Littmann als Präsident des FC St. Pauli zurückgetreten
Corny Littmann war seit Ende 2002 Präsident des FC St. Pauli.
Für Theatermacher Corny Littmann ist beim FC St. Pauli der letzte Vorhang gefallen. Zehn Tage nach dem Bundesliga-Aufstieg und vier Tage nach dem 100. Geburtstag des Traditionsvereins ist der Präsident des Kiezclubs am Mittwoch mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Der 57 Jahre alte Unternehmer hatte die Vereinsführung im Dezember 2002 übernommen. "100 Jahre FC St. Pauli, die neue Haupttribüne fertig zur neuen Saison, wirtschaftlich mehr als gesundet und dann noch der Aufstieg in die 1. Bundesliga - mehr auf einmal geht nicht! Und deshalb möchte ich freiwillig dann gehen, wenn ich auch noch bleiben könnte", sagte Littmann auf einer Pressekonferenz in der Hansestadt. Dabei wurde seine Stimme brüchig, die Worte stockten. Im Verlauf einer elfminütigen Erklärung brachte er die aktuelle Situation des FC St. Pauli mit der ihm eigenen bildhaften Sprache so auf den Punkt: "Ich stand einmal am Ruder eines lecken Kahns, jetzt ist daraus ein prachtvolles Piratenschiff geworden."
"Schwulsein ist nicht abendfüllend"
Zum Abschied gab es ein Riesenbouquet aus violetten Rosen.
Zum Dank für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Vereinspräsident erhielt der bekennende Homosexuelle ein Riesenbouquet aus violetten Rosen. Er revanchierte sich mit einer Zwölf-Liter-Magnumflasche Champagner für alle Anwesenden und einem Kunstwerk, das zur neuen Saison eine Seitenwand der neuen Südtribüne zieren soll. Bei Littmanns Amtsantritt war dem Schauspieler ob seiner sexuellen Orientierung auch Skepsis entgegengeschlagen. Der 57-Jährige, in Hamburg als Schwulen-Ikone gefeiert, kokettierte allerdings gerne öffentlich mit seinem Image. "Ich bin nur ein kleiner, schwuler Schauspieler", sagte der Theater-Mann gerne über sich selbst, wusste aber genau, dass das Image als schriller Paradiesvogel der Fußball-Szene noch keinen Verein rettet. "Schwulsein ist nicht abendfüllend", erklärte er jüngst. So wird auch gerne vergessen, dass der Geschäftsmann Littmann nicht nur zwei Theater ohne öffentliche Zuschüsse in Hamburg etabliert hat. Ganz zu schweigen von der Sanierung des Kiez-Clubs FC St. Pauli mit einem knallharten Sparkurs.
Aufsichtsrats-Chef Burmester zeigt sich überrascht
Obwohl das Gerücht, Littmann werde in Kürze sein Amt zur Verfügung stellen, schon seit Wochenbeginn durch die Hansestadt waberte, gab sich Aufsichtsrats-Boss Michael Burmester erstaunt: "Wir sind überrascht von dieser Entscheidung und werden nun zeitnah eine Entscheidung für die kommissarische Nachfolge treffen." Gewählt ist Littmann noch bis März 2011, aber schon im November dieses Jahres soll ein Nachfolger gekürt werden.
Nachfolger steht noch nicht fest
Corny Littmann trieb als Präsident auch den Stadionumbau voran.
Bis dahin wird einer der vier Vize-Präsidenten nach Vorgabe des Aufsichtsrats übergangsweise das Amt übernehmen. Als Kandidaten dafür werden Marcus Schulz und Bernd-Georg Spies gehandelt. Sportdirektor Helmut Schulte würdigte die Leistung des scheidenden Präsidenten. "Im Fußball ist man ja nie vor Überraschungen gefeit, aber wir müssen Corny für seinen Einsatz danken. Er hinterlässt einen gut aufgestellten Verein", sagte Schulte, Littmann dankte prompt zurück: "Für Helmut und unseren Trainer Holger Stanislawski bin ich ab jetzt nur noch ein Freund und nicht auch noch ein Arbeitgeber." Als weiterhin amtierender Geschäftsführer der FC St. Pauli Service GmbH wird Littmann weiterhin Einfluss auf die Geschicke des Clubs nehmen. So ist nach Fertigstellung der neuen Haupttribüne im Millerntorstadion für 2012 der Neubau der Gegengeraden geplant, 2014 soll dann die Nordtribüne saniert werden.
Viele Kult-Aktionen zur Rettung des Vereins
Uli Hoeneß und sein FC Bayern 2007 als "Retter" beim FC St. Pauli.
Der scheidende Präsident hatte den zwischenzeitlich in die Drittklassigkeit abgerutschten Verein auch dank des Verkaufs der mittlerweile legendären braunen Retter-T-Shirts und der Kneipen-Aktion "Saufen für St. Pauli" Schritt für Schritt finanziell und später auch sportlich saniert. Auch die Errichtung einer neuen Südtribüne war in erster Linie dem Engagement Littmanns zu danken. Sogar den damaligen Bayern-Manager Uli Hoeneß konnte er überzeugen, mit dem deutschen Rekordmeister zu einem Benefizspiel gegen die "Weltpokalsiegerbesieger" in die Hansestadt zu kommen. Diesen inoffiziellen Titel hatten sich die Kiezkicker in ihrer letzten Bundesliga-Halbserie im Februar 2002 durch einen 2:1-Erfolg gegen den FC Bayern erkämpft.