FC St. Pauli: Braun-weiße Sympathieträger
Meldungen und Hintergründe zum FC St. Pauli. mehr
Die Spielerfrauen der Profis des FC St. Pauli gratulierten ihren Liebsten mit Spruchbändern.
Im letzten Zweitliga-Saisonspiel hat Aufsteiger FC St. Pauli am Sonntag eine 1:2 (1:1)-Niederlage gegen den SC Paderborn hinnehmen müssen. Damit verpassten die Kiezkicker die mögliche Zweitliga-Meisterschaft - Spitzenreiter Kaiserslautern spielte zu Hause gegen Augsburg nur 1:1. Den Feierlichkeiten im und rund um das Millerntor tat dies jedoch keinen Abbruch. Bereits vor dem Anpfiff herrschte im Stadion und auf dem Kiez Partystimmung. Die St.-Pauli-Mannschaft machte sich mit speziellen T-Shirts warm. Auf der Reeperbahn fanden sich 20.000 Fans des Hamburger Stadtteilclubs ein, um das letzte Saisonspiel auf einer Leinwand zu verfolgen. "Wir werden richtig schön den Kiez rocken", hatte Trainer Holger Stanislawski bereits vor dem Spiel angekündigt. Das setzte die Mannschaft nach dem Schlusspfiff auch in die Tat um. Zuvor galt es jedoch, noch ein Fußballspiel zu bestreiten.
St. Paulis Kapitän Fabio Morena (r.) verschuldete das 1:1 für Paderborn.
Der Coach vertraute auf fast dieselbe Startformation wie beim 4:1-Sieg in Fürth. Lediglich im Tor musste der Coach wechseln. Benedikt Pliquett hütete den St.-Pauli-Kasten für den verletzten Mathias Hain. Vor 19.901 Zuschauern im ausverkauften Millerntor-Stadion hatte Paderborns Sebastian Schachten bereits nach 18 Sekunden die erste Möglichkeit. Sein schwacher Schuss stellte Pliquett aber vor keine Probleme. Dem Blitzstart der Gäste folgte eine Phase des Abtastens.
Nach einer Viertelstunde wieder die Paderborner mit einer Chance: Sören Brandy taucht frei vor Pliquett auf, der aber gut den Winkel verkürzt und die Situation bereinigt. Wie aus dem Nichts kam St. Pauli in der 19. Minute zur Führung: Carsten Rothenbach flankt von rechts, Charles Takyi verlängert den Ball vor dem herausstürzenden Paderborner Keeper Daniel Masuch auf die Latte. Den Abpraller köpft Marius Ebbers zum 1:0 ein, das 20. Saisontor des Hamburger Stürmers. Die Gäste antworteten mit einem Kopfball von Mahir Saglik (25.), der allerdings weit über das Tor der St. Paulianer ging. Auf der anderen Seite prüfte Florian Bruns (27.) Masuch ebenfalls mit einem Kopfstoß. Jetzt nahm die Partie Fahrt auf. Ebbers (29.) hätte freistehend aus halblinker Position das 2:0 für die Kiezkicker markieren müssen, verzog den Schuss aber vollkommen.
Die letzte Konzentration ging den Hamburgern besonders in der Verteidigung ein wenig ab. Saglik (38.) erlief einen schlampigen Rückpass von Matthias Lehmann, doch den Schuss des besten Paderborner Torjägers konnte Pliquett entschärfen. Ebbers zeigte da die bessere Schusstechnik, hatte aber Pech. In der 41. Minute nahm der Angreifer aus 20 Metern Maß und hämmerte das Leder an die Querlatte. Sekunden vor dem Halbzeitpfiff dann doch der Ausgleich für die Ostwestfalen: St. Paulis Kapitän Fabio Morena rutscht aus, bereits zum zweiten Mal, und Daniel Brückner hat freie Bahn. Der Paderborner schiebt den Ball Pliquett überlegt zum 1:1 durch die Beine.
Sportchef Helmut Schulte war zu Späßen aufgelegt und trug ein St.-Pauli-Kopftuch.
Nach der Pause ging es weiter munter hin und her. Ebbers (53.) kam am zweiten Pfosten nur in Rücklage an den Ball und köpfte das Leder daneben. Die Paderborner drängten allerdings ebenfalls auf den Führungstreffer. Schachten (56.) traf nur den linken Pfosten des St.-Pauli-Gehäuses, den Nachschuss von Brückner parierte Pliquett. Die Gastgeber wollten ihren Fans zum Abschluss unbedingt einen Sieg schenken. Der eingewechselte Timo Schultz zwang Masuch in der 71. Minute mit einem platzierten Kopfball gegen die Laufrichtung zu einer Glanzparade. Nach einer schönen Kombination scheiterte Fabian Boll (75.) aus spitzem Winkel ebenfalls am Paderborner Schlussmann. Nur drei Minuten später verpasste Richard Sukuta-Pasu (78.), kurz zuvor für Takyi eingewechselt, mit einem Heber das mögliche 2:1. Die schlechte Chancenverwertung rächte sich. Paderborns Nejmeddin Daghfous (81.) traf per Abstauber zum 2:1 für die Gäste. Zuvor hatte Pliquett einen Schuss von Markus Krösche direkt vor die Füße des Tunesiers abgewehrt. Schade für die St. Paulianer, doch letztlich nicht mehr entscheidend. "Wir werden feiern bis der Arzt kommt", versprach Sportchef Helmut Schulte, der eine Kampfansage an die künftige Liga schickte: "Wir wollen unter Beweis stellen, dass wir auch die Freibeuter der 1. Liga sind."
Auf dem Balkon des "Schmidts Tivoli" auf der Reeperbahn feierte die Mannschaft nach dem Spiel mit den Fans.
Dass auch die Mannschaft nicht nur den Kiez "rocken" will, zeigte sie nach dem Schlusspfiff. Mit einem Spruchband "Wir rocken die Bundesliga" bedankte sie sich bei den Fans. Zuvor hatte sich das Team in zwei Mannschaften aufgeteilt und noch ein kurzes Spaß-Spiel FC St. Pauli - Bundesliga zelebriert. Natürlich gewannen die Kiezkicker gegen die mit verschiedenen Trikots von Erstligaclubs eingekleideten Kontrahenten mit 1:0. Nach den ausgiebigen Feierlichkeiten im Stadion ging es für die Mannschaft mit dem Doppeldecker-Bus auf den Spielbudenplatz. Vor Zehntausenden begeisterten Fans präsentierte sich das Team um kurz nach 20.00 Uhr auf dem Balkon des "Schmidts Tivoli". Grenzenloser Jubel brandete auf und die Kiezkicker ließen sich feiern. "Mit diesem Publikum, 100.000 Leuten hier zu feiern, ist weltklasse", sagte Coach Stanislawski dem NDR Fernsehen. Club-Präsident Corny Littmann stimmte ein: "Es ist ein geiles Gefühl, ein geiler Abend. Es ist die größte Party, die wir je auf der Reeperbahn gefeiert haben."
Die gesamte Partie zum Nachlesen im Live-Ticker.
FC St. Pauli - SC Paderborn 1:2 (1:1)
Tore: 1:0 Ebbers (19.), 1:1 Brückner (45.), 1:2 Daghfous (81.)
Zuschauer: 19.901 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
St. Pauli: Pliquett - Rothenbach, Morena, Thorandt, Oczipka - Boll, Lehmann - Bruns (59. Hennings), Takyi (70. Sukuta-Pasu), Naki (65. Schultz) - Ebbers
Paderborn: Masuch - Wemmer, Schachten, Mohr, Gonther - Krösche - Guie-Mien (90.+1 Zedi), Alushi, Brückner (85. Holst) - Brandy (67. Daghfous), Saglik