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Der ehemalige Osnabrücker Fußballprof Björn Lindemann (Mitte) kickt jetzt in Thailand.
Noch zwei letzte Sprints und dann kommt endlich das ersehnte Handzeichen des Trainers: kurze Pause. Björn Lindemann und seine Kollegen trotten gleich zu der großen Kühlbox mit den Wasserflaschen, die am Spielfeldrand bereitsteht. Der soeben angeordneten Trinkpause leisten die Profis von Army United nur zu gern Folge. Es ist schwül auf dem Trainingsplatz des Bangkoker Fußball-Erstligisten - 35 Grad zeigt das Thermometer noch immer an. Dabei ist es schon fast 17.30 Uhr, und das drückend heiße Sonnenlicht macht schon leichter Dämmerung Platz. "Man verliert bei diesem Klima ungeheuer viel Flüssigkeit", erklärt Lindemann, "das regelmäßige Trinken war auch so eine Sache, die ich erst lernen musste." Seit knapp einem Jahr spielt Lindemann nun in Thailand. Im Januar 2012 war der 28-jährige Linksfuß beim Drittligisten FC Carl Zeiss Jena ausgeschieden. "Ich bin dort einfach nicht zurechtgekommen. Ich hab am Ende keinen Spaß mehr am Fußball gehabt", erklärt Lindemann ganz abgeklärt. Zuvor hatte der gebürtige Niedersachse zwei Jahre lang beim VfL Osnabrück gekickt.
Björn Lindemann spielte von 2009 bis 2011 beim VfL Osnabrück.
Lindemann ist einer, den man gerne "Straßenfußballer" nennt. Brillante Technik, mächtiger Schuss, bei den Fans wegen seiner ehrlichen Art beliebt. In Osnabrück zum Beispiel wurde er in der Saison 2009/2010 nach tollen Leistungen im Pokal regelrecht zum Helden. Doch auf allen Stationen seiner Karriere gab es auch diese Phasen, in denen es nicht lief und von Lindemann auf dem Platz kaum noch etwas zu sehen war. "Klar habe ich schwächere Spiele gehabt. Aber vieles wurde auch übertrieben schlecht geredet", findet er. Tiefpunkt: Das Aus in Osnabrück im Frühsommer 2011, als er sich mitten im Zweitliga-Abstiegskampf eine durchzechte Nacht leistet. Anschließend das Scheitern beim Drittligisten Carl Zeiss Jena ein halbes Jahr später: "Ich habe sogar an das Ende meiner Karriere gedacht. Doch dann erzählte mir mein Agent vom Angebot aus Thailand. Das hat mich neugierig gemacht."
Die Thai Premier League boomt, seit ihrer Gründung im Jahr 2009 verdoppelt sich jährlich der Etat der Vereine. Kamen vor drei Jahren durchschnittlich 500 Zuschauer zu den Spielen, liegt der Schnitt bei den fünf Topclubs aktuell bei über 6.000. Alle Partien sind live im Fernsehen zu sehen. Die meisten Vereine sind Werksclubs, deren Besitzer sich ein hartes Rennen um die Vorherrschaft auf dem Markt liefern. Maximal sieben Ausländer aus nicht-asiatischen Staaten dürfen thailändische Erstligisten unter Vertrag nehmen. Lindemanns Club Army United, der der königlichen Armee untersteht, wollte vor der Saison unbedingt einen Spieler aus Deutschland. Die Entwicklung des deutschen Fußballs, vor allem das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2010, hat auch in Thailand Eindruck hinterlassen.
Deutsche Fußballprofis winken bei Thailand normalerweise ab. Lindemann, dessen Auslandserfahrungen sich bis vor kurzem im Wesentlichen auf jährliche Mallorca-Urlaube mit seiner Freundin Julie beschränkt hatten, reiste im Januar auf Einladung von Army United nach Bangkok, um sich die Sache einfach mal anzuschauen. Und er blieb. "Am Flughafen waren gleich vier Kamerateams. Wie herzlich ich empfangen wurde, das war schon beeindruckend. Ich hab eine Woche mittrainiert und dann hat mir der Verein ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen konnte", berichtet Lindemann.