Der Hamburger SV tritt am Sonnabend (15.30 Uhr) als Außenseiter bei Borussia Dortmund an. Die Westfalen haben alle drei Bundesliga-Partien nach der Winterpause überzeugend gewonnen. Der HSV erlitt zuletzt beim 0:2 gegen Eintracht Frankfurt einen Rückschlag. NDR.de vergleicht die Teams Position für Position.
Tor: Roman Weidenfeller stammt aus der berühmten Torwart-Schule des 1. FC Kaiserslautern, heißt: Er ist physisch stark und hat gute Reflexe, jedoch Schwächen in der Strafraumbeherrschung und am Ball. Der Routinier ist eine wichtige Führungsfigur im jungen Team des BVB.
René Adler hat nach langer Verletzungspause beim HSV sofort an seine Glanzzeiten in Leverkusen angeknüpft und ist einer der besten Keeper in der Bundesliga. Bundestrainer Joachim Löw holte Adler deshalb zurück in die Nationalmannschaft. Der erste Vergleich endet mit einem Sieg für die Hamburger.
Rechtsverteidiger: Lukasz Piszczek hat sich in seiner Zeit beim BVB zu einem der besten Rechtsverteidiger in der Bundesliga entwickelt. Der Pole ist zweikampfstark, gut in der Offensive und hervorragend eingespielt mit seinem vor ihm agierenden Landsmann Jakub Blaszczykowski.
Dennis Diekmeiers größte Stärke ist seine Athletik. Der ehemalige Nürnberger hat jedoch nicht die Offensiv-Qualitäten Piszczeks - Punkt für den deutschen Meister.
Innenverteidiger: Mats Hummels ist Dortmunds Abwehrchef. Der 1,92 Meter große Nationalspieler ist nicht nur stark im Duell Mann gegen Mann. Kaum ein Verteidiger hat ein besseres Gespür für Spielsituationen und eine derart gute Technik wie Hummels.
Jeffrey Bruma galt einst als möglicher Nachfolger von John Terry beim FC Chelsea. Der Niederländer stagniert jedoch in seinen Leistungen, ist beim HSV eigentlich nur Ersatz. Da Michael Mancienne verletzt ist, kommt Bruma am Sonnabend zum Einsatz. Klarer Vorteil Dortmund im ersten Vergleich der Manndecker.
Neven Subotic kommt gegen den HSV zu seinem ersten Einsatz in der Bundesliga-Rückrunde. Der kopfballstarke Serbe verpasste die ersten drei Partien des Jahres mit einer Wadenverletzung. Mit Hummels bildet er ein eingespieltes Team. So stark wie in den Meisterjahren ist das Innenverteidiger-Duo in dieser Saison allerdings nicht.
HSV-Kapitän Heiko Westermann ist stets ein Vorbild in Sachen Einsatz und im Zweikampf nur schwer zu bezwingen. Defizite hat der Ex-Schalker nach wie vor im Aufbauspiel. Aufgrund der größeren Spielpraxis holt er ein Remis gegen Subotic.
Linksverteidiger: Marcel Schmelzer ist seit Jahren Stammspieler beim deutschen Meister auf der linken Abwehrseite. Die technischen Fähigkeiten eines Mario Götze oder Marco Reus hat der Verteidiger nicht. Dynamik und Einsatz sind bei Schmelzer allerdings vorbildlich.
Marcell Jansen war einer von Schmelzers Vorgängern in der Nationalmannschaft. Der Linksfuß hat die einst hohen Erwartungen jedoch nie ganz erfüllen können. Jansen lebt von seiner Physis, hat aber immer noch Probleme im Defensivverhalten. Deshalb zieht er im Vergleich mit Schmelzer den Kürzeren.
Defensives Mittelfeld: Noch vor einem Jahr war Ilkay Gündogan nur Ersatz beim BVB, seitdem hat der defensive Mittelfeldspieler einen rasanten Aufstieg hinter sich und ist aus der Zentrale der Meisters nicht mehr wegzudenken. Gündogan ist ein brillanter Techniker mit toller Übersicht.
Tomas Rincon gehört hingegen in die Kategorie "rustikal". Der Venezolaner ersetzt in Dortmund den gesperrten Milan Badelj. Fußballerisch ist Rincon deutlich schlechter als Gündogan. Die Borussia holt sich den nächsten Punkt.
Sven Bender ist das Laufwunder beim BVB und einer der besten Balleroberer der Liga - die perfekte Ergänzung zu Gündogan.
Tolgay Arslan spielt im 4-4-2 des HSV eine offensivere Rolle als Bender. Der deutsche U21-Nationalspieler hat eine gute Technik und Übersicht, seine Leistungen sind allerdings noch zu schwankend. Bender punktet für Dortmund.
Rechtes Mittelfeld: Jakub Blaszczykowski stürmt bei der Borussia über die rechte Seite. Gemeinsam mit seinem polnischen Landsmann Lukasz Piszczek bereitet der trickreiche "Kuba" jeder Abwehr Probleme. Blaszczykowski ist zudem in dieser Saison torgefährlicher denn je: neun Treffer hat er bereits erzielt.
Heung Min Son hat in dieser Spielzeit einige wichtige Treffer erzielt, unter anderem das 1:0 beim Hinspielsieg gegen Dortmund. Dank seiner überragenden Schusstechnik kann der Südkoreaner aus fast allen Lagen Tore erzielen, manchmal fehlt ihm aber der Blick für den besser postierten Nebenmann. Blaszczykowskis Klasse hat Son (noch) nicht.
Zentrales Mittelfeld: Mario Götze wurde vom Fachmagazin "kicker" in seiner Rangliste in die "Weltklasse" eingestuft und das vollkommen zu Recht. Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler ist ein überragender Fußballer mit außergewöhnlicher Technik und Übersicht, der aus der BVB-Elf nicht mehr wegzudenken ist.
Rafael van der Vaart ist der Profi, auf den sich beim HSV fast alle Augen richten. Von der Form, die ihn einst zu einem der besten Spieler in der Bundesliga gemacht hat, ist der Spielmacher zurzeit jedoch weit entfernt. Götze holt einen weiteren Zähler für die Borussia.
Linkes Mittelfeld: Götzes kongenialer Partner auf der linken Offensivseite ist Marco Reus. Der ehemalige Mönchengladbacher hat sich ohne Eingewöhnungsprobleme einen Stammplatz beim Meister erkämpft. Reus ist technisch nicht ganz so beschlagen wie Götze, dafür aber einen Tick dynamischer.
Dennis Aogo rückte im Laufe der Saison von seiner angestammten Linksverteidiger-Position ins Mittelfeld. Dort kommen ihm seine fußballerischen Qualitäten und seine Übersicht zu Gute. Im Vergleich mit Reus zieht er aber den Kürzeren.
Sturm: Robert Lewandowski ist derzeit wohl der kompletteste Stürmer der Bundesliga. Der Pole hat nicht nur 13 Tore erzielt, er ist im BVB-System als Ballverteiler und Vorbereiter unverzichtbar.
Artjoms Rudnevs ist im Gegensatz zu Lewandowski ein reiner Vollstrecker. Der Lette ist häufig so gut wie gar nicht zu sehen, hat aber bereits acht Treffer erzielt und ist damit bester Torschütze seines Teams. Lewandowski entscheidet den Stürmer-Vergleich deutlich für sich.
Trainer: Jürgen Klopp hat Dortmund zu einem Top-Team geformt. Zwei Meisterschaften in Folge sowie der Pokalsieg 2012 stehen in der Erfolgsbilanz des Coaches. In dieser Spielzeit überzeugt der BVB auch international und gehört zu den Geheimfavoriten in der Champions League.
Thorsten Fink ist gebürtiger Dortmunder und will den HSV zurück in die Erfolgsspur bringen. Mit dem Abstieg hat die Mannschaft in diesem Jahr nichts zu tun, zu einem Platz in der Europa League dürfte es aber nicht reichen. Auch den letzten Vergleich gewinnt Borussia Dortmund.
Fazit: Qualität und Form sprechen im Duell der Traditionsteams für Borussia Dortmund, das den Vergleich mit 10,5:1,5 für sich entscheidet. Doch ähnlich war die Ausgangslage vor der Partie im September. Damals setzte sich der HSV mit 3:2 durch und beendete die BVB-Serie von 31 Bundesliga-Partien in Folge ohne Niederlage.