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Die Polizei nimmt 23 gewaltbereite Fans nach dem Nordderby in Gewahrsam
Es kam wie befürchtet: Nach dem Zweitliga-Fußballspiel zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli (0:2) ist es am späten Montagabend zu Auseinandersetzungen zwischen randalierenden Fußballfans und der Polizei gekommen. Nach einer vorläufigen Bilanz der Polizei nahmen die Beamten 23 gewaltbereite Fans von Hansa Rostock in Gewahrsam. Sie waren am Dienstag alle wieder auf freiem Fuß. Zudem wurden 27 Polizisten sowie ein Kameramann leicht verletzt, über Verletzte auf Seiten der Fußballanhänger gab es keine Meldungen. Wie NDR 1 Radio MV berichtete, mussten Hunderte friedliche Zuschauer nach dem Spiel wegen Absperrmaßnahmen mehr als eine Stunde warten, bis sie das Stadion verlassen konnten. Knapp zwei Stunden nach Spielende hatte sich die Lage gegen Mitternacht beruhigt. Die beiden Sonderzüge mit rund 1.400 friedlichen St.-Pauli-Fans verließen die Hansestadt.
Lorenz Caffier, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, sprach am Dienstagvormittag im Interview mit NDR 1 Radio MV von einem "erfolgreichen Einsatz" der Polizei, verurteilte die Ausschreitungen aber aufs Schärfste. "Was ich bedauere und verurteile ist, dass es einen gewalttätigen Mob gibt, der gar kein Interesse am Sport hat, sondern nur unter dem Deckmantel des Sports versucht, Randale auszuüben", sagte der CDU-Politiker. Der 55-Jährige betonte weiter, man dürfe sich von diesem Mob nicht den Fußball und den Sport kaputt machen lassen.
Die Polizei zeigte sich am Tag nach der Randale weitgehend zufrieden. Das Konzept der strikten Fantrennung sei voll aufgegangen, sagte der Chef der Rostocker Polizeiinspektion, Peter Mainka. Rund 1.900 Landes- und Bundespolizisten waren im Einsatz, Hansa Rostock stellte zudem noch rund 500 Ordnungskräfte. Die Rostocker Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch mit der Auswertung der Polizei-Videos begonnen.
Die Polizei sichert mit Wasserwerfern die Abfahrt der St.-Pauli-Fans aus Rostock.
Schon vor Anpfiff der Partie hatte am Montagabend ein Teil der eingesetzten Polizisten und Ordnungskräfte zum ersten Mal einschreiten müssen. Wie die Polizei berichtete, kam es kurz nach der Ankunft der beiden Sonderzüge mit den St.-Pauli-Fans auf dem Weg zum Stadion zu Ausschreitungen, als Flaschen und Feuerwerkskörper auf Anhänger von Hansa Rostock geworfen wurden. Im weiteren Verlauf des Abends habe es dann immer wieder kleinere Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Rostock und St. Pauli gegeben. Als mehrere Hundert Rostocker nach dem Spiel eine Sperre durchbrechen wollten und Steine und Flaschen flogen, setzte die Polizei Wasserwerfer ein, wie NDR 1 Radio MV berichtete. Die noch nicht abschließend zu beziffernden Kosten für den Polizeieinsatz gehen laut Caffier in die Hunderttausende: "Es ist der Gesellschaft nicht länger zuzumuten, dass derartige Einsätze auf dem Rücken des Steuerzahlers ausgetragen werden."
Nach dem Treffer zum 1:0 brennen einige Fans des FC St. Pauli im Stadion bengalisches Feuer ab.
Auch während des Nordderbys hatte es im Stadion Auseinandersetzungen gegeben. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer musste die Partie nach dem Führungstreffer der Hamburger für etwa drei Minuten unterbrechen, weil im Fanblock der Gäste Feuerwerkskörper und bengalisches Feuer abgebrannt wurden. Laut NDR 90,3 sollen dabei Ordner verletzt worden sein. Dem Bericht zufolge bezeichnete der Fanbeauftragte des FC St. Pauli das Verhalten einiger Anhänger als "beschämend". St. Paulis Präsident Corny Littmann, der vor der Partie noch zur Besonnenheit aufgerufen hatte, bezeichnete die Aktion als nicht tolerabel. Er kündigte Konsequenzen an, sofern es gelingen würde, die Randalierer zu identifizieren.
Der DFB ermittelt gegen Deniz Naki.
Nicht vorbildlich hatte sich auf dem Rasen auch Torschütze Deniz Naki verhalten, der eine St.-Pauli-Fahne in den Rasen rammte und mit einer makaberen Handbewegung die Heimfans provozierte. Trainer Holger Stanislawski entschuldigte sich anschließend für das Verhalten von Fans und Spielern. "Nach dem 1:0 haben Bengalos bei uns im Fanblock nichts zu suchen. Das heizt eine Stimmung nur unnötig an. Dafür kann ich mich nur bei Hansa Rostock und bei allen friedlichen Zuschauern, die ein tolles Fußballspiel sehen möchten, entschuldigen", meinte Stanislawski, der Nakis Verhalten rügte und eine interne Ansprache ankündigte. Nicht die einzigen Konsequenzen für den Deutsch-Türken: Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) leitete am Dienstag gegen den Stürmer ein Ermittlungsverfahren ein. Der Profi steht unter dringendem Verdacht, sich eines krass sportwidrigen Verhaltens schuldig gemacht zu haben.
Naki selbst zeigte mittlerweile ebenfalls Reue: "Was ich da getan habe, war dumm. Es war unsportlich, respektlos und unangemessen. Ich war mir der Tragweite der Geste überhaupt nicht bewusst. Ich möchte mich in aller Deutlichkeit bei den Fans und dem Verein FC Hansa Rostock entschuldigen."