Porträt: Kultclub mit Hang zur Selbstzerstörung

Ein Fan des FC St. Pauli protestiert gegen die Montagsspiele in der Zweiten Liga © fishing4 Detailansicht des Bildes Beim FC St. Pauli läuft so manch' kauziger Fan gerum. Der FC St. Pauli genießt den Ruf des etwas anderen Fußballclubs. In regelmäßigen Abständen beweisen im Millerntor-Stadion über 20.000 Menschen - vom Anwalt bis zum Hartz-IV-Empfänger - ihre Begeisterungs-, und als St.-Pauli-Anhänger eigentlich noch viel wichtiger: ihre Leidensfähigkeit. Da ist es egal, ob ihr Verein in der Regionalliga Nord herumdümpelt und gegen U23-Teams der Bundesligisten Werder Bremen oder Borussia Dortmund antritt, oder ob denkwürdige Siege wie der 2:1-Erfolg über den großen FC Bayern München in der Bundesliga-Saison 2001/02 errungen werden. Das Image des sympathisch-chaotischen Außenseiters pflegt kein Verein so konsequent wie der FC St. Pauli.

Fehlende professionelle Strukturen

Unruhe in der Führungsetage, Grabenkämpfe und finanzielle Probleme brachten dem Hamburger Club immer wieder negative Schlagzeilen ein. 1979 stieg St. Pauli als Tabellen-Sechster aus der Zweiten Liga ab, da der DFB dem Club die Lizenz entzog. Die Abhängigkeit gegenüber finanzstarken aber beratungsresistenten Alleinherrschern wie zum Beispiel Präsident Heinz Weisener (1990 bis 2000), die mangelnde Bereitschaft, im Umfeld professionelle Strukturen zu schaffen und das Unvermögen, aus dem sympathischen Kultclub-Image Kapital zu schlagen, brachten den Verein immer wieder um die Früchte des sportlichen Erfolges.

Im Jahr 2011 gehts wieder runter in die Zweite Liga

St. Paulis Coach Holger Stanislawski (l.) und Co-Trainer Andre Trulsen © fishing4 Detailansicht des Bildes Abschied eines Trainer-Erfolgsduos: Holger Stanislawski (l.) und sein Co Andre Trulsen verlassen Hamburg nach dem Abstieg 2011 und heuern bei 1899 Hoffenheim an. Immerhin gelang dem kleinen Stadt-Nachbarn des Hamburger SV fünfmal der Aufstieg in die Bundesliga, im Jahr 2001 mit jungen Talenten wie Zlatan Bajramovic, Ivan Klasnic oder auch Christian Rahn. Dass der FC St. Pauli nach dem sofortigen Wiederabstieg in die Zweite Liga gleich in die Regionalliga durchgereicht wurde, passt da ins Bild. Erst die "Retterkampagne" sicherte die Drittliga-Lizenz und bewahrte den Verein vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Präsident Corny Littmann sorgte in den folgenden Jahren für professionelle Strukturen und brachte den so lange erhofften Umbau des Millerntors in Gang. In der Saison 2005/2006 begeisterte St. Pauli im DFB-Pokal und schied erst im Halbfinale gegen Rekordmeister Bayern München aus. Ein Jahr später gelang unter Trainer Holger Stanislawski die Rückkehr in die Zweite Bundesliga. In der Serie 2009/2010 setzte das St.-Pauli-Urgestein noch einen drauf und führte den Verein zurück in die Erste Liga. Doch nach dem direkten Wiederabstieg in der Saison 2010/2011 endete die Ära Stanislawski bei den Kiezkickern nach 18 Jahren: Wechsel zu 1899 Hoffenheim.

Verein
Vollständiger Vereinsname:Fußball-Club Sankt Pauli von 1910 e.V.
Gegründet:April 1910: Beitritt der Fußball-Abteilung des St. Pauli Turnvereins zum Norddeutschen Fußballverband. 1924: Abspaltung als FC St. Pauli
Vereinsfarben:braun-weiß
Mitglieder:15.191 (Stand: September 2011)
Größte Erfolge:Aufstieg in die Erste Bundesliga (1977/1988/1995/2001/2010), Halbfinale DFB-Pokal (2006)
Spielstätte
Stadion:Millerntor-Stadion
Fassungsvermögen:24.850 Zuschauer
Anfahrt:Von der A7: Ausfahrt Hamburg-Bahrenfeld, über die Von-Sauer-Straße, Bahrenfelder Chaussee und Stresemannstraße auf den Neuen Pferdemarkt, dann in die Budapester Straße. Von der A1: Ausfahrt Zentrum auf die Amsinkstraße, Ludwig-Erhard-Straße/Willy-Brandt-Straße, Millerntordamm in die Budapester Straße.
Personal
Trainer:André Schubert
Co-Trainer:Jan-Moritz Lichte, Thomas Meggle
Sportchef:Rachid Azzouzi
PräsidentStefan Orth
NDR Logo
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Alles zum FC St. Pauli
Jubel bei St. Paulis Markus Thorandt, Fabian Boll und Max Kruse (v.l.) © fishing4
 

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