Stand: 30.03.2016 18:55 Uhr

Werder, HSV und Co. wollen mehr TV-Gelder

Wollen mehr Geld für ihre Traditionsclubs: Werders Aufsichtsratschef Marco Bode (l.) und HSV-Clubboss Dietmar Beiersdorfer.

Der Hamburger SV, Werder Bremen und noch vier weitere Bundesliga-Traditionsclubs möchten in Zukunft einen größeren Anteil aus dem prall gefüllten Fernsehgeld-Topf der Deutschen Fußball Liga (DFL) haben. Ihrer Ansicht nach ist die Verteilung, die bislang nach rein sportlichen Kriterien erfolgt, ungerecht. So soll auch der "tatsächliche Marktwert eines Clubs" berücksichtigt werden, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Mittwoch heißt. Die Allianz zwischen den beiden Nordclubs, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln und dem VfB Stuttgart heißt nicht von ungefähr "Team Marktwert".

TV-Reichweite oder Social-Media-Relevanz als Faktoren

Aktuell pumpen der Bezahlsender "Sky", ARD und ZDF sowie weitere Spartensender knapp 700 Millionen Euro in die DFL-Kasse, pro Jahr. Mit weiteren Werbeeinnahmen hat der Dachverband der 36 Proficlubs aus der Ersten und Zweiten Liga für die laufende Saison 850 Millionen Euro erwirtschaftet. 65 Prozent der Gelder werden zu gleichen Teilen verteilt, der Rest gestaffelt nach dem Tabellenstand der vergangenen fünf Jahre, also nach dem sportlichen Erfolg. Die Traditionsclubs wollen, dass auch Faktoren wie TV-Reichweite, Social-Media-Relevanz, Mitglieder- und Fanzahlen berücksichtigt werden. "Wer den Wert unseres gemeinsamen Produkts Bundesliga steigert, weil er viele Fans hat und für öffentliches Interesse sorgt, der sollte bei der Verteilung der Einnahmen auch entsprechend berücksichtigt werden", sagte Bernd Wahler, Präsident des VfB Stuttgart.

Bode: "Man sollte die TV-Attraktivität berücksichtigen.

Über eine Reform des Verteilungsschlüssels wird schon länger diskutiert. HSV-Clubchef Dietmar Beiersdorfer warb bereits im Februar für ein Umdenken: "Wir sind in der Zuschauergunst mit Blick auf die Zahlen bei ARD, ZDF und Sky die Nummer drei der Bundesliga in der Hinrunde 2015/2016 und überzeugt, dass Kriterien geschaffen werden müssen, die uns hier besser stellen, unter anderem auch wegen der Anzahl an Fans und der höheren Nachfrage nach Auswärtstickets." In der Fernsehgeld-Rangliste steht der HSV momentan allerdings auf Platz 14, kassiert rund 24 Millionen Euro pro Saison. Werder rangiert auf Rang elf (knapp 28 Millionen), steht in der Zuschauergunst beim Bezahlsender "Sky" allerdings auf dem siebten Platz. "Ich denke, zu einem gewissen Teil sollten alle das gleiche bekommen. Und dann sollte man auch die TV-Attraktivität berücksichtigen. Das würde Traditionsclubs etwas bevorzugen. Wir wollen da mehr Gerechtigkeit im System", sagte Bremens Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode. In Spanien, England oder auch Frankreich berücksichtigen die Verteilungsmodelle bereits mehr Faktoren als die sportliche Platzierung.

Allofs: Aktuelles Verfahren "sehr fair und solidarisch"

Klaus Allofs vom "Werksclub" VfL Wolfsburg gab sich diplomatisch. Er äußerte zwar Verständnis für den Vorstoß der Traditionsclubs: "Ich kann nachvollziehen, dass es Überlegungen für andere Modelle gibt. Darin sehe ich aber keine Fronten, die aufgebaut werden." Gleichzeitig sprach sich der VfL-Manager für den Beibehalt des aktuellen Schlüssels aus: "Ich halte dieses Verfahren für sehr fair und solidarisch. Für die Bundesliga war das in der Vergangenheit eine sinnvolle Lösung."

Derzeit läuft das Bieterverfahren für die TV-Fußball-Rechte ab der Saison 2017/2018. Bis zum Beginn der Europameisterschaft in Frankreich Anfang Juni soll der neue TV-Vertrag ausgehandelt sein, von dem sich die DFL Einnahmen in Höhe von einer Milliarde Euro erhofft. Erst anschließend will der Ligavorstand die endgültige Entscheidung über das künftige Verteilungsmodell treffen.

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