Stand: 11.02.2016 15:53 Uhr

Schiedsrichter Ittrich: "Zweifel ruhig zugeben"

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Pfeift ab jetzt auch Erste Liga: Schiedsrichter Patrick Ittrich aus Hamburg.

Eigentlich wollte Patrick Ittrich mit der Schiedsrichterei nichts zu tun haben. "Bleib mir bloß weg damit, ich möchte nur Fußball spielen", sagte der Hamburger einst Freunden, die den Schiedsrichterschein gemacht hatten. Er nahm trotzdem die Pfeife in den Mund, hatte Spaß daran, wurde immer besser und ehrgeizig dazu. Jetzt ist der 37-jährige Polizeibeamte ganz oben angekommen. Am Sonnabend gibt Ittrich bei der Partie Wolfsburg gegen Ingolstadt sein Bundesliga-Debüt als Referee. Vorher hat der Familienvater mit dem NDR über Druck, seinen Umgang mit den Spielern oder den Videobeweis gesprochen.

Herr Ittrich, können Sie sich noch an den Tag erinnern, als die Info kam, dass sie künftig Erstliga-Schiedsrichter sind?

Patrick Ittrich: Daran kann ich mich sehr gut erinnern. Ich stand auf Kunstschnee in Süd-Tirol, als ich den Anruf erhielt. Das war ein überwältigendes Gefühl. Meine Frau schaute mich an und dachte erst, es wäre etwas Schlimmes passiert, weil ich so ungläubig guckte.

Sie pfeifen seit vielen Jahren in der Zweiten Liga, stehen in der Bundesliga an der Seitenlinie. War es die logische Konsequenz oder doch überraschend?

Ittrich: Logische Konsequenz kann man nicht sagen. Man arbeitet viel für den Erfolg und hofft natürlich, dass es irgendwann klappen könnte. Aber zu sagen, es wird auf jeden Fall klappen, damit hätte man sich zu sehr unter Druck gesetzt. Allerdings wollte ich es immer. Deswegen kam es in Teilen überraschend und vielleicht minimal logisch.

Was verändert sich jetzt für Sie?

Ittrich: Sicherlich wird das mediale Interesse größer sein. Aber davor habe ich keine Angst. Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Leistung auf dem Platz bringen werde.

Wie sieht ihr Trainingsalltag aus?

Ittrich: Man kann sagen, dass ich jeden Tag trainiere. Die Härte bei uns Schiedsrichtern ist, dass wir immer alleine trainieren müssen. Wir haben keine Mannschaft, zu der wir stoßen können.

Wie wird das genau gesteuert und wer überprüft es?

Ittrich: Überprüfen tut das der Athletik-Trainer des DFB, Heinz-Dieter Antretter. Wir müssen unsere Trainingsdaten nachweisen. Er gibt uns dann Empfehlungen, ob wir zu viel, zu wenig oder anders trainieren müssen. Jeder Schiedsrichter weiß letztendlich, worauf er Wert legen muss. Ob es Intervall-Läufe, Sprints oder regenerative Dauerläufe sind. Alles Sachen, die auch ein Profi-Fußballer absolvieren muss.