Stand: 08.10.2015 10:59 Uhr

Tanzt der neue Hansa-Boss auf zu vielen Hochzeiten?

Das Engagement des Rostocker Finanzsenators Chris Müller (SPD) beim Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock hat für Diskussionen in der Bürgerschaft der Hansestadt gesorgt. Die Linksfraktion sieht Müllers Einstieg kritisch und hat für die turnusmäßige Sitzung Nachfragen angekündigt. Der 47-jährige Sozialdemokrat hatte am Dienstag bei einer Aufsichtsratssitzung überraschend den Chefposten beim Traditionsclub übernommen. Nach den jüngsten Chaos-Tagen soll der Jurist Müller Ruhe in den Verein bringen. Vorgänger Michael Dahlmann musste wegen seiner Verbindungen zur Ultra-Szene abtreten.

Linksfraktions-Vorsitzende: Stadt braucht ihren Finanzsenator

Die Vorsitzende der Linksfraktion, Eva-Maria Kröger, will von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) wissen, wie Müller neben seinem wichtigen Job in der größten Stadt des Landes ausgerechnet den FC Hansa wieder auf Kurs bringen könne. Allein im Ehrenamt werde das wohl kaum möglich sein, so Kröger. Es gebe für Müller, der auch 1. Stellvertretender Oberbürgermeister ist, schon genügend in der Stadt zu tun: Die Bewältigung der Flüchtlingskrise und der noch offene Haushalt seien nur die wichtigsten Punkte. "Die Stadt braucht ihren Finanzsenator", so Kröger. Kritisch sieht die Linkspolitikerin, dass Müller als gut bezahlter Angestellter der Stadt bei einem privaten Profiverein quasi aushilft. Das könnte auch eine verdeckte Subventionierung des Vereins sein.

Stadtsprecher: Hansa bat um Hilfe

Ein Sprecher der Stadt winkt ab: Der Verein und sein Aufsichtsrat seien auf die Verwaltung zugekommen, hätten um Hilfe gebeten - und dann sei am vergangenen Montag kurzfristig entschieden worden, dass Hansa-Mitglied Müller den Job übernehme. Das Engagement sei kommunalrechtlich geprüft worden - ohne Einwände, Oberbürgermeister Methling habe es genehmigt. Müller arbeite zudem ehrenamtlich, neben seiner Arbeit als Finanzsenator und auch nur übergangsweise bis zur Mitgliederversammlung in gut drei Wochen.

Naserümpfen über Interessenverflechtung

An diesem Zeitraum gibt es jedoch Zweifel: Von drei Monaten soll die Rede sein. Es gilt auch als unwahrscheinlich, dass der Verein schon Anfang November einen neuen Hansa-Chef quasi aus dem Hut zaubert. Zunächst einmal muss der neue Aufsichtsrat gewählt werden. Dort spielt dann der Großinvestor und Immobilien-Millionär Rolf Elgeti eine führende Rolle: Der 38-Jährige will Mitglied im Aufsichtsrat werden. Dass ausgerechnet Rostocks Finanzsenator mit dem Unternehmer Elgeti zusammenarbeitet, lässt einige die Nase rümpfen. Elgeti habe wirtschaftliche Interessen - und schiele auf Grundstücke des Vereins, bei denen auch die Stadt ein Wörtchen mitzureden habe.

Insider: Elgeti nicht begeistert über Müllers Engagement

Insider des Vereins verweisen auf die Stärken Müllers. Er sei ausgewiesener Fachmann und könne die Kreditverträge, die Elgeti mit dem bisherigen Vorstand geschlossen hat, genau prüfen. Dann stelle sich auch heraus, ob Elgeti tatsächlich nur selbstlos helfen wolle oder den Verein in Geiselhaft nehme, um Geld zu verdienen. Dem Vernehmen nach war Elgeti nicht begeistert über die Entscheidung des Aufsichtsrats für Müller. Elgeti entgegnete, er zolle Müller "meinen größten Respekt, dass er in dieser Situation diese Aufgabe mit übernimmt". Außerdem freue er sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit Müller.

Finanzexperten befürchten, dass Müller Geschäfte des Vereins und der Stadt nicht auseinanderhalten könne, zu eng seien beide verwoben. Bei dieser jetzt auch personellen Verquickung könne man den FC Hansa dann auch bald als Eigenbetrieb der Stadt führen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.10.2015 | 13:00 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/sport/fussball/dritteliga/rostock-fuehrungskrise,hansa6808.html

Hansa-Fans wollen Aufsichtsrat zum Rücktritt zwingen

Auch nach dem Rückzug von Vorstandschef Dahlmann kehrt bei Hansa Rostock keine Ruhe ein: Am Freitag drohten Fans mit einem Stimmenboykott für die geplante Ausgliederung der Profis. mehr

Hansa überzeugt gegen Dresden - und unterliegt

Hansa Rostock hat am Sonnabend gegen Drittliga-Spitzenreiter Dynamo Dresden eine über weite Strecken gute Leistung gezeigt, am Ende aber mit 1:3 verloren. mehr

Nach Skandal bei Hansa: Dahlmann tritt zurück

Fußball-Drittligist Hansa Rostock ist auf der Suche nach einem neuen Vorstandschef. Michael Dahlmann trat von dem Posten zurück. Ihm waren Absprachen mit Hansa-Ultras vorgeworfen worden. mehr