Fußball-Tippspiel: Kommende Saison geht's weiter!
Der NDR sucht in der Saison 2012/13 wieder den Fußball-Experten im Norden. mehr
Steve Müller bejubelt seinen Treffer zum 2:0 gegen den FSV Mainz.
Holstein Kiel sorgt im DFB-Pokal weiter für Furore. Der Regionalligist besiegte am Mittwochabend den Bundesligisten FSV Mainz 05 mit 2:0 (1:0) und steht pünktlich zum hundertjährigen Jubiläum des einzigen Meistertitels (1912) im Viertelfinale des lukrativen Wettbewerbs. Dort treffen die Schleswig-Holsteiner nun am 7. Februar um 20.30 Uhr (live im Ersten) auf den amtierenden Meister Borussia Dortmund. Die Kieler warfen mit Mainz nach Energie Cottbus und dem MSV Duisburg bereits den dritten Proficlub in Folge aus dem Rennen. Im Gegensatz zu den Mainzern präsentierte das Team von Trainer Thorsten Gutzeit jene Leidenschaft, mit der ein Underdog eben Pokalspiele gegen höherklassige Teams gewinnen kann. "Es ist unglaublich, unter den besten acht Teams zu sein. Damit haben wir eine Sensation für den ganzen Norden geschafft", sagte Kiels Tim Siedschlag. "Wir haben das Spiel nicht unverdient gewonnen. Entscheidend war, dass wir die Tore zum richtigen Zeitpunkt erzielt haben. Gegen uns einen Rückstand aufzuholen, ist manchmal nicht so einfach", resümierte Gutzeit.
Tore: 1:0 Ujah (6./Eigentor), 2:0 Steve Müller (64.)
Zuschauer: 11.500 (ausverkauft)
Holstein Kiel: Jensen - Herrmann, Berzel, Jürgensen, Poggenberg - Steve Müller, Kazior (88. Schulz) - Siedschlag, Heider, Lindner (90. Wetter) - Sykora
FSV Mainz 05: Heinz Müller - Pospech, Bungert, Noveski, Fathi (46. Schönheim) - Baumgartlinger (64. Allagui) , Kirchhoff, Soto, Nicolai Müller - Gavranovic, Ujah (68. Choupo-Moting)
Gutzeit nahm nur eine Veränderung in seiner Startaufstellung gegenüber dem 0:0 in der Regionalliga gegen Halle vor: Mittelstürmer Fiete Sykora spielte für Flügelspieler Sofien Chahed. Der angeschlagene Innenverteidiger und Kapitän Christian Jürgensen biss auf die Zähne und spielte trotz seiner Knöchelprobleme. Die "Störche" kamen mit den schwierigen Bodenverhältnissen im Holstein-Stadion zunächst besser zurecht, von Spielfluss konnte jedoch keine Rede sein. So fiel das erste Tor denn auch aus einer Standardsituation: Nach einer Kieler Ecke köpfte der Mainzer Anthony Ujah aus kurzer Distanz auf das eigene Tor, Keeper Heinz Müller kam im Gewühl nicht mehr an den Ball und so stand es 1:0 für den Underdog von der Förde (6.).
Bissiger Pokalfight: Kiels Tim Siedschlag (l.) im Duell mit dem Mainzer Malik Fahti (r.).
Nach der Führung setzten die Kieler die Marschroute ihres Trainers hervorragend um: "Wir wollen sicher stehen und die Räume eng machen. Wenn uns das gelingt, können wir schnell nach vorn spielen und Konter fahren", hatte Gutzeit vor der Partie als Taktik ausgegeben. Genauso lief das Spiel: Die Norddeutschen standen kompakt in der Defensive, setzten aber immer ihre Nadelstiche durch blitzartig vorgetragene Angriffe. Von einem Drei-Klassen-Unterschied war nichts zu sehen, der Bundesligist aus Mainz tat sich sehr schwer. Ein Kopfball von Jan Kirchhoff war die einzige wirklich gute Torgelegenheit der Rheinhessen in der ersten Halbzeit (29.).
Auch im zweiten Durchgang änderte sich nichts am Geschehen auf dem Platz. Die Mainzer fanden keine Mittel, das Kieler Defensiv-Bollwerk zu überwinden. Das Gutzeit-Team kämpfte voller Leidenschaft und hatte weiter die Luft für das kraftraubende überfallartige Konterspiel. Dabei fehlte jedoch oft die Präzision beim letzten Pass, sodass Torchancen lange Mangelware blieben. Eine Standardsituation brachte dann das Stadion zum Kochen: Einen langen Freistoß klärte Kirchhoff nur schwach nach außen, wo Steve Müller aus vollem Lauf abzog und den Ball an seinem Namensvetter im Mainzer Tor vorbei zum 2:0 ins Netz drosch (64.). Drei Minuten später bot sich Marc Heider nach einem schnellen Gegenstoß die Riesenchance zum dritten Kieler Treffer, doch diesmal konnte Müller abwehren. Auf der Gegenseite entschärfte Morten Jensen im Kieler Gehäuse einen Schuss von Mario Gavranovic (71.). Ein Schuss von Nicolai Müller strich knapp über das Kieler Tor (87.) - das war's. Mit aufopferungsvollen Kampf brachten die "Störche" den Vorsprung über die Runden und die begeisterten Fans im ausverkauften Holstein-Stadion feierten ihre Pokalhelden.