Hansa Rostock: Der Traditionsclub von der Ostsee
Der FC Hansa Rostock im Porträt. mehr
Robert Müller und Co. können sich nur ganz auf die Zweite Liga konzentrieren.
Fußball-Zweitligist FC Hansa Rostock ist aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Die Mannschaft von Coach Peter Vollmann verlor am Sonnabend ihre Erstrundenpartie gegen den ambitionierten Ligarivalen VfL Bochum mit 5:7 nach Elfmeterschießen (2:2, 2:2, 0:1). Nach 90 und 120 Minuten hatte es 2:2 gestanden. Zweimal lagen die Mecklenburger nach Treffern von Tobias Jänicke (36.) und Pavel Kostal (55.) in Führung, doch wie schon in den ersten beiden Ligapartien war Hansa nicht imstande, den Vorsprung zu verteidigen. Im Elfmeterschießen bewahrten alle fünf Bochumer Schützen ihre Nerven und trafen. Auf Seiten Hansas verschoss Michael Wiemann. Beide Teams treffen in der Liga am 8. August an selber Stelle erneut aufeinander.
Anfangs hatten die Hansa-Akteure allen Grund zum Jubeln.
Die Vollmann-Elf ließ sich von der Unruhe im Vorfeld der Partie nicht anstecken. Jörg Hahnel, Kevin Pannewitz, Matthias Holst, Tino Semmer und Stephan Gusche waren für das Pokalspiel suspendiert worden, weil sie unter der Woche durch die Kneipen der Rostocker Innenstadt gezogen waren. Mit Semmer und Wiederholungstäter Pannewitz waren zwei Akteure unter den Übeltätern, die beim 1:1 am vergangenen Wochenende in Dresden in der Startelf gestanden hatten. Vollmann musste also reagieren. Timo Perthel ersetzte Pannewitz im defensiven Mittelfeld, Mohammed Lartey rückte hinter die einzige nominelle Spitze Marek Mintal. Als dieser bereits nach zehn Minuten verletzt vom Feld musste (Verdacht auf Muskelfaserriss), kam Marcel Schied - und der Aufstiegssturm Schied/Lartey stand somit erstmals gemeinsam in dieser Saison auf dem Rasen, der trotz der heftigen Regenfälle der vergangenen Tage in ordentlichem Zustand war.
Tore: 1:0 Jänicke (36.), 1:1 Aydin (52.), 2:1 Kostal (55.), 2:2 Ginczek (72.)
Zuschauer: 12.700
Rostock: Kevin Müller - Schyrba, Wiemann, Kostal, Pelzer - Robert Müller, Perthel (85. Blum) - Ziegenbein, Lartey, Jänicke (80. Langen) - Mintal (10. Schied)
Bochum: Luthe - Kopplin (120. Kefkir), Maltritz, Sinkiewicz, Bönig - Johansson - Freier, Federico, Dabrowski (103. Kramer), Berger (46. Aydin) - Ginczek
Elfmeterschießen: Luthe hält gegen Wiemann (Rostock)
Nach verhaltenem Beginn eroberte Hansa mehr und mehr Spielanteile und hatte durch Volleyschüsse von Tobias Jänicke (16.) und Björn Ziegenbein (29.), der trotz Daumenverletzung auflaufen konnte, erste Gelegenheiten. Von den hoch gehandelten Bochumern war dagegen wenig zu sehen. Hansa machte es dem Gegner aber auch schwer. Bei Bochumer Ballbesitz zogen sich die Norddeutschen schnell zurück, standen tief gestaffelt und attackierten den VfL früh. So zwangen die Mecklenburger die Gäste immer wieder zu Ballverlusten und kamen nach schnellem Umschalten zu guten Gelegenheiten. In der 32. Minute scheiterte Jänicke noch mit einer lang und länger werdenden Flanke, die schließlich an den Pfosten sprang. Drei Minuten später traf der Mittelfeldmann dann in die Maschen. Nach Balleroberung hatten Ziegenbein und Lartey die VfL-Abwehr mit einem einfachen Doppelpass ausgehebelt, Lartey hatte freie Bahn und legte im richtigen Moment quer auf den mitgelaufenen Jänicke, der den Ball aus fünf Metern nur noch ins leere Tor einschieben musste.
Pavel Kostal (r.) erzielte sein erstes Pflichtspieltor für die Rostocker.
Doch nach dem Wechsel nutzte der eingewechselte Mirkan Aydin Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Kapitän Sebastian Pelzer und Wiemann. Aus acht Metern hatte der Angreifer keine Mühe, Kevin Müller zu überwinden (52.). Doch Hansas Antwort kam prompt. Nach einem Lartey-Eckball schraubte sich Kostal hoch und drückte den Ball zum 2:1 ein (55.). Wenig später vergab Jänicke das wohl vorentscheidende 3:1, als er - von Lartey überragend freigespielt - sieben Meter frei vor dem Bochumer Tor den Ball über die Latte schoss (66.). Das sollte sich sechs Minuten später rächen. Nach einer Ecke kam VfL-Stürmer Daniel Ginczek völlig frei zum Kopfball und ließ Müller keine Chance: 2:2 - wieder hatte Hansa einen Vorsprung eingebüßt. In der Folgezeit machten sich bei den Hanseaten Konditionsmängel bemerkbar. Der agile Jänicke musste mit Wadenkrämpfen ausgewechselt werden. Bochum war dem Sieg nahe, doch Hansa rettete sich in die Verlängerung und schließlich auch ins Elfmeterschießen, wo der Revierclub jedoch das bessere Ende für sich behielt.