Stand: 11.08.2015 18:12 Uhr

Pokal-Abbruch: Leipzig für Wiederholungsspiel

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Schiedsrichter Martin Petersen (r.) wurde von einem Feuerzeug getroffen und brach Osnabrücks Pokalspiel ab.

Der Fußball-Zweitligist RB Leipzig will das abgebrochene Erstrundenspiel im DFB-Pokal beim klassentieferen VfL Osnabrück nicht am Grünen Tisch gewinnen. Die Sachsen bieten den Niedersachsen eine Wiederholung der Partie an. "Wir wollen und werden solchen Chaoten im Fußball keine Plattform bieten, in diesen Sport negativ einzugreifen oder ihn sogar zu bestimmen", wird der Vorstandsvorsitzende Oliver Mintzlaff auf der Homepage des Clubs zitiert. Auch Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick plädierte für eine Neuauflage der Begegnung. "Denn unser Verein steht für Fairness, Fair Play, Familienfreundlichkeit, soziales Engagement, sportlichen Wettkampf und gegenseitigen Respekt", erklärte der frühere Coach von Hannover 96. Seine Leipziger hatten am Montagabend zum Zeitpunkt des Abbruchs in der 71. Minute mit 0:1 in Rückstand gelegen.

Pokalauslosung in Gefahr

Der DFB strebt eine schnelle Entscheidung an, weil bereits am Freitagabend die zweite Pokalrunde ausgelost werden soll. Das Problem: Drittligist Osnabrück wäre in einem anderen Topf als Leipzig. Beide Clubs haben bis Donnerstagnachmittag Zeit, um zu dem Feuerzeugwurf auf Schiedsrichter Martin Petersen (Stuttgart) Stellung zu nehmen. Legt einer der beiden Vereine Einspruch gegen den schriftlichen Einzelrichterentscheid des Sportgerichts ein, würde es zu einer mündlichen Verhandlung kommen. "Die Auslosung findet nur dann statt, wenn Rechtssicherheit vorliegt", erklärte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker.

RB-Offerte für Sportgericht wohl ohne Relevanz

Die Offerte von RB, ein Wiederholungsspiel anzusetzen, hat wohl keinen Einfluss auf den Entscheid des Sportgerichts. Köttker weiter: "Mögliche Folgen ergeben sich aus der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB, auf deren Grundlage das Sportgericht als unabhängiges Gremium urteilen wird." Gemeint ist Paragraf 18 Punkt 4 der Rechts- und Verfahrensordnung. Danach wird die Partie gegen den Club gewertet, der für den Abbruch verantwortlich ist.

Referee wollte schlichten

Das Duell zwischen dem VfL und RB hatte am Montagabend durch einen Feuerzeugwurf auf Referee Petersen aus dem Osnabrücker Fanblock ein vorzeitiges Ende gefunden. Der Unparteiische war am Kopf getroffen worden und verließ anschließend den Platz. Der 30-Jährige wurde zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht, die Partie abgebrochen. Er erlitt eine leichte Gehirnerschütterung. "Es geht ihm aber den Umständen entsprechend gut und er ist bald wieder einsatzbereit", sagte Köttker am Dienstagmittag. Petersen hatte in der aufgeheizten Atmosphäre im Stadion an der Bremer Brücke schlichten wollen. Vor dem Wurf war es zu einem Wortgefecht zwischen Leipzigs Angreifer Davie Selke und VfL-Ersatzspieler Michael Hohnstedt gekommen, der sich hinter dem Tor der Gastgeber aufwärmte.

Noch kein Tatverdächtiger - Feuerzeug sichergestellt

Ein Tatverdächtiger konnte bis dato noch nicht ausgemacht werden. Nach Angaben der Osnabrücker Polizei werten die szenekundigen Beamten Fußball (SKB) derzeit externes und internes Videomaterial aus, um den Werfer zu finden. Zudem werden aktuell die Spuren auf den geworfenen Gegenständen untersucht. "Das Feuerzeug ist sichergestellt", sagte VfL-Präsident Hermann Queckenstedt am Dienstagnachmittag. "Ich hoffe, dass der Täter zu ermitteln ist."

VfL drohen Geldstrafe und "Geisterspiel"

Den finanziell seit Jahren um das Überleben kämpfenden Niedersachsen drohen nun neben dem wahrscheinlichen Pokal-Aus am grünen Tisch eine hohe Geldstrafe sowie ein "Geisterspiel". Der VfL steht nach einigen Vorfällen in der Vergangenheit während Drittliga-Partien beim DFB unter Beobachtung. Hinzu kommt ein immenser bundesweiter Imageschaden.

Verantwortliche und Spieler bestürzt

Dementsprechend bestürzt reagierten die Verantwortlichen und Spieler des Vereins auf die Vorkommnisse. "Das ist der bitterste Tag in meiner Amtszeit als VfL-Präsident. Diese Aktion schadet dem VfL, diese Aktion schadet dem Fußball. Das ist etwas, was keiner hier in diesem Stadion sehen will", erklärte der sichtlich bewegte Queckenstedt via Mikrofon in der Arena. Mittelfeldakteur Alexander Dercho sagte dem NDR Hörfunk: "Bei aller Liebe: Da muss man sich mal wirklich an den Kopf packen und fragen, was mit der Menschheit los ist. Da werden Gegenstände auf Sportler geworfen, die einem nichts getan haben. Da habe ich kein Verständnis für." Coach Maik Walpurgis bezeichnete den Vorfall als "absolute Katastrophe für den Fußball".

Rangnick: "Definitiv nicht nur ein Einzeltäter"

Rangnick wies in der Stellungnahme von RB derweil darauf hin, dass sich die Ereignisse am Montagabend aufgeschaukelt hätten. "Das ganze Spiel über flogen Feuerzeuge, Trinkbecher und andere Wurfgegenstände in Richtung unserer Spieler sowie unserer Auswechselspieler, die sich gerade warmliefen. Es war demnach definitiv nicht nur ein Einzeltäter, dessen Handeln später zu dem für alle Seiten bedauerlichen Spielabbruch führte. Wir verurteilen die unsportlichen und unfairen Taten aufs Schärfste", hieß es auf der Leipziger Homepage.

Savran trifft in hitziger Atmosphäre

Die Randerscheinungen und der Abbruch stellten eine bemerkenswerte Osnabrücker Leistung gegen den Erstliga-Anwärter in den Schatten. Die Niedersachsen überzeugten bis zur 71. Minute durch ein enorm hohes Laufpensum, herausragende Arbeit gegen den Ball und waren dem Millionen-Team aus Leipzig auch spielerisch ebenbürtig. Bereits in der ersten Minute traf Neuzugang Halil Savran zur Führung. Hernach sahen die Zuschauer eine kampfbetonte Begegnung. Der Spielfluss litt unter vielen Unterbrechungen, die Atmosphäre unter den Kickern war mit zunehmender Dauer vergifteter. Petersen versuchte immer wieder, beruhigend auf die Akteure einzuwirken. Das wurde ihm in der 71. Minute zum Verhängnis.

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