Stand: 29.05.2017 15:00 Uhr

Halbzeitpause besser ohne Helene?

Helene Fischer, Deutschlands Schlager-Queen, ist während der Halbzeit-Show des DFB-Pokal-Endspiels gnadenlos ausgepfiffen worden, als sie zu ihrem bisher immer beliebten Gesang ansetzte. Was ist da geschehen?

Eine Glosse von Albrecht Breitschuh, NDR 2

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Gnadenloses Pfeifkonzert: Helene Fischer singt bei der Halbzeit-Show des DFB-Pokalfinals in Berlin.

Kein einziger Fehlpass und eine ordentliche Laufleistung bei gerade mal acht Minuten Einsatz - trotzdem wurde der engagierte Kurz-Auftritt von Helene Fischer beim Pokalfinale in Berlin nicht so recht gewürdigt. Im Gegenteil, Deutschlands einziger Superstar war dort fast so beliebt wie die AfD-Christen nebenan auf dem Kirchentag.

Dabei war der Ort gar nicht mal schlecht gewählt: Im Olympiastadion hatte auch schon Mario Barth umjubelte Auftritte, und die dauerten über zwei Stunden. Dagegen fallen ein paar Minuten mit einer Schlagersängerin doch kaum ins Gewicht, wird sich das für die Halbzeitunterhaltung zuständige ZK des DFB gedacht haben, ohne jedoch zu berücksichtigen, dass das für seine Anspruchslosigkeit zu Recht gerühmte Berliner Publikum diesmal in der Minderheit war.

Nächster Einsatz beim Finale bleibt fraglich

Arme Helene Fischer, ihre Pokalambitionen erhielten jedenfalls einen empfindlichen Dämpfer! Ob sie überhaupt wieder zu einem Finaleinsatz kommt oder sich als Losfee in der ersten Hauptrunde für höhere Aufgaben empfehlen muss, lässt sich - Stand heute! - kaum vorhersagen. Bleibt die Frage, wie man die 15 Minuten Pause im Pokalendspiel halbwegs mehrheitsfähig füllt, ohne den Vorwurf der Amerikanisierung zu riskieren.

Vielleicht sollte es der DFB künftig mit Bordmitteln versuchen und sein möglicherweise unterschätztes Entertainment-Potenzial stärker nutzen. Denkbar wäre, dass der Schatzmeister den aktuellen Rechenschaftsbericht vorträgt, anschließend der Vorsitzende des Ältestenrates der Veranstaltung einen guten Verlauf wünscht und wenn noch ein bisschen Zeit ist, könnten sogar noch die Beisitzer gewählt werden - begleitet von stehenden Ovationen und Hochrufen des Publikums.  

Früher waren die Halbzeitpausen auch nicht besser

Da lacht das reine, nicht vom Kommerz getrübte Herz des Fußballfreundes. Erinnerungen werden wach an die seligen Zeiten, als in Halbzeitpausen deutsche Unterhaltungskost tonangebend war, Franz Lambert an der Hammond-Orgel seine Runden drehte, Gewinner von Einkaufsgutscheinen bekanntgegeben wurden und der Halter des Wagens mit dem amtlichen Kennzeichen XYZ erfuhr, dass sein Licht noch brannte. Gesangseinlagen waren selten und wenn schon Fischer, dann Gotthilf mit Vornamen, und wer nicht gerade Bier und Bratwurst holte, stellte seine Ohren eben auf Durchzug.

Jedenfalls dauerte auch damals eine Viertelstunde nur 15 Minuten und auch die gingen vorbei. So gesehen spräche nichts gegen einen weiteren Auftritt von Helene Fischer, aber genauso gut könnten wir den Halbzeitfirlefanz komplett abschaffen. Und ganz bei uns sein. Uns vielleicht sogar langweilen. Minutenlang! Da aber die meisten Dummheiten auf dieser Welt aus purer Langeweile begangen werden, schlage ich vor: Schafft die Halbzeitpause lieber ganz ab. Ein durchschnittlicher Fußballfan, der 100 Spiele im Jahr guckt, würde so 25 Stunden Zeit sparen. Was er damit anfängt? Seine Sache. Von mir aus Helene Fischer hören.     

Der DFB-Pokal steht auf einem Podest im Berliner Olympiastadion © dpa picture alliance Fotograf: M. Deines

Rote Karte für Helene Fischer?

NDR Info -

Schlagerkönigin Helene Fischer fliegen normalerweise die Herzen zu. Aber beim DFB-Pokal-Endspiel gab es Pfiffe statt Applaus. Albrecht Breitschuh bittet auf ein Wort.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 29.05.2017 | 18:25 Uhr