Stand: 09.02.2016 20:50 Uhr

DFB-Pokal: Werder überrascht in Leverkusen

von Johannes Freytag, NDR.de

Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze - das hat Werder Bremen am Dienstagabend eindrucksvoll bewiesen. Die Norddeutschen, die vor wenigen Tagen noch sang- und klanglos 1:5 in Mönchengladbach verloren hatten, gewannen bei Bayer Leverkusen mit 3:1 (2:1) und stehen damit erstmals seit 2010 wieder im Halbfinale des Cup-Wettbewerbs. Santiago Garcia, Claudio Pizarro mit dem 30. Pokaltreffer seiner Karriere und Florian Grillitsch trafen für Werder, Chicharito hatte zuvor die Rheinländer in Führung gebracht. Allerdings spielten die Norddeutschen fast 50 Minuten in Überzahl, Bayer-Verteidiger Wendell hatte nach einer Notbremse Rot gesehen. Kurios: Auch im sechsten Pokalduell mit Leverkusen behielt Bremen die Oberhand. "Das ist Balsam auf die eine oder andere Wunde im Abstiegskampf", freute sich Werder-Manager Thomas Eichin im Interview beo NDR 2.

3:1 - Werder marschiert ins Halbfinale

Skripnik stellt auf 4-1-4-1 um

Werder-Coach Viktor Skripnik drehte seine Mannschaft gegenüber dem Gladbachspiel "auf links": Im 4-1-4-1-System verteidigte Garcia auf der linken Abwehrseite, Grillitsch besetzte das linke Mittelfeld. Aljeandro Galvez begann überraschend in der Innenverteidigung., dafür spielte Jannik Vestergaard erstmals für Werder auf der Sechser-Position. Fin Bartels besetzte die zentrale Offensiv-Position hinter der einzigen Sturmspitze Pizarro. Das taktische Konzept der Norddeutschen funktionierte in der ersten Spielhälfte gut: Die Bayer-Offensive fand kaum ein Mittel, um vor das Bremer Tor zu kommen. Die Skripnik-Elf ihrerseits machte früh Druck, eroberte viele Bälle im Mittelfeld - allein der letzte Pass glückte nicht, sodass die 25.000 Zuschauer nur wenig Torraumszenen zu sehen bekamen.

Pokalfight pur: 2x Strafstoß, 1x Rot, drei Tore

Umso bitterer dann der Rückstand für Werder: Nach einem Fehlpass im Aufbauspiel drang Stefan Kießling in den Strafraum ein, Galvez ließ das Bein stehen und Leverkusens Stürmer nahm das Angebot dankend an. Den fälligen Elfmeter verwandelte Chicharito zum 1:0 für Bayer (22.). Effektiver kann man nicht spielen: erster Torschuss, erstes Tor. Doch die Grün-Weißen schüttelten sich nur kurz und fanden zurück ins Spiel. Neun Minuten später hielt Garcia nach einem Querschläger von Bartels den Fuß hin und erzielte den Ausgleich (31.). Nun entwickelte sich ein typischer Pokalfight mit rassigen Zweikämpfen, Emotionen und Torszenen: Zunächst entschärfte Werder-Keeper Felix Wiedwald einen Volleyschuss von Jonathan Tah (34.), dann sah Garcia "Dunkel-Gelb" für ein hartes Einsteigen gegen Karim Bellarabi (35.). Zudem hatte der Werder-Profi Glück, dass sein anschließender Schulterrempler gegen Roberto Hilbert von Schiedsrichter Wolfgang Stark nicht als Tätlichkeit gewertet wurde. Schließlich holte Wendell Bartels im Strafraum von den Beinen und kassierte Rot - Pizarro traf vom Elfmeterpunkt zum 2:1 für die Gäste (42.).

Grillitsch macht den Sack zu

Fußball DFB-Pokal, Viertelfinale

  • B. Leverkusen
  • 1:3


  • Werder Bremen

Tore: 1:0 Chicharito (22., Foulelfmeter) 1:1 Garcia (31.) 1:2 Pizarro (42., Foulelfmeter) 1:3 Grillitsch (82.)
B. Leverkusen: Leno - Hilbert (46. Ramalho), Tah, Toprak, Wendell - Bellarabi, Kramer (76. Brandt), Kampl, Calhanoglu - Chicharito (57. Papadopoulos), Kießling -
Werder Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Galvez, Djilobodji, S. Garcia (74. Guwara) - Vestergaard - Öztunali (89. Veljkovic), Fritz, Bartels, Grillitsch - Pizarro (86. Ujah)
Zuschauer: 24104

Weitere Daten zum Spiel

Mit einem Mann mehr auf dem Platz hielten die Hanseaten an ihrer Grundordnung fest, attackierten Leverkusen früh und setzten auf schnelle Gegenstöße. Die Defensive stand zunächst sicher und hielt die Leverkusener vom Werder-Strafraum fern. Ein Schüsschen von Chicharito war lange der einzige Abschluss der Bayer-Elf (46.). Wesentlich gefährlicher war es auf der Gegenseite: Bernd Leno wehrte einen Schuss von Bartels ab, Andre Ramalho klärte in höchster Not vor dem nachsetzenden Pizarro (55.). Auch gegen Clemens Fritz war Leno auf dem Posten (60.). Doch mit zunehmender Spieldauer ließ sich Werder hinten reindrängen und leistete sich im Spielaufbau immer wieder unerklärliche Fehlpässe. Leverkusen - obwohl in Unterzahl - hatte nun deutlich mehr Ballbesitz, Werders Abwehr wackelte. Skripnik reagierte und ersetzte den gelb-belasteten und immer schwächer werdenden Garcia durch Leon Guwara (75.). Die Gastgeber drückten aber weiter und hatten durch Kevin Kampl eine hochkarätige Torchance - Wiedwald parierte (80.). Nahezu im Gegenzug machte Werder dann den erlösenden dritten Treffer: Einen Konter über Levin Öztunali und Pizarro vollendete Grillitsch - der Torschütze stand allerdings im Abseits (82.). Den Fans der Grün-Weißen war es egal - mit "Oh wie ist das schön"-Gesängen aus dem Bremer Block lief der Rest der Spielzeit ab. Der Pfostentreffer von Leverkusens Hakan Calhanoglu änderte nichts mehr an der guten norddeutschen Laune (88.).

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