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Nach 13 Jahren in Bremen verließ Klaus Allofs (l.) Werder, Coach Thomas Schaaf hält den Grün-Weißen die Treue.
Werder Bremen hat vor der Saison einen Umbruch eingeleitet, abgeschlossen ist er nicht. Verdiente Spieler haben die Hanseaten verlassen, im Herbst folgte der langjährige Geschäftsführer Klaus Allofs: Einen Nachfolger für Allofs hat Werder noch nicht gefunden. Die Mannschaft hat teilweise gute Ansätze gezeigt, ihr fehlt es aber an Konstanz. Schlecht fiel die finanzielle Bilanz des Vorjahres aus. 13,9 Millionen Euro Verlust machten die Bremer im abgelaufenen Geschäftsjahr, konnten das Minus aber mit ihrem Eigenkapital ausgleichen. Allofs‘ Nachfolger steht also vor einer anspruchsvollen Aufgabe: mit verhältnismäßig wenig Geld die Mannschaft weiter zu verbessern, um wieder zu den Bundesliga-Spitzenteams zu gehören.
Bester Spieler: Aaron Hunt
Aufsteiger: Marko Arnautovic
Absteiger: Mehmet Ekici
Bestes Spiel: 4:0 gegen Borussia Mönchengladbach
Schlechtestes Spiel: 1:3 beim FC Augsburg
Nach Allofs' Abgang gibt es nur noch eine Konstante bei Werder Bremen: Trainer Thomas Schaaf, der seit 1999 im Amt ist. Mit Tim Wiese, Claudio Pizarro, Tim Borowski und Naldo verließen altgediente, aber auch teure Profis den Club. Gewohnt unaufgeregt managte Schaaf den Umbau, den Stil seiner Elf hat er nicht verändert: Offensiv phasenweise herausragend, defensiv allerdings häufig zu naiv. In welche Richtung sich Werder entwickelt, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob der neue Sportchef zusammen mit Schaaf wieder die erfolgreiche Transferpolitik betreiben kann, die Bremen einst ausgezeichnet hat. Wunschkandidat für den Posten war Marc Kosicke (Berater von Dortmunds Coach Jürgen Klopp). Der gebürtige Bremer gab Werder jedoch einen Korb.
Kevin de Bruyne überzeugte in der Hinrunde mit starken Leistungen.
Mittelfeldspieler Kevin de Bruyne und Stürmer Nils Petersen sind die beiden Top-Neuzugänge. Das Duo ist allerdings nur bis zum Saisonende ausgeliehen und steigert mit starken Leistungen seinen Marktwert. Für Bremen könnten die Profis in der kommenden Saison deshalb zu teuer sein. Vor allem, wenn die Europacup-Qualifikation erneut nicht gelingen sollte. Eljero Elia kam für 5,5 Millionen Euro von Juventus Turin und hat sich gut in die Mannschaft eingefügt, auch wenn er noch nicht die herausragende Form seiner Anfangszeit beim Hamburger SV (2009) hat. Die Verteidiger Theodor Gebre Selassie und Assani Lukimya sind gute Ergänzungen, Joseph Akpala bislang nur ein Mitläufer.
Werder eröffnete bei Borussia Dortmund die 50. Bundesliga-Saison und überraschte viele Zuschauer mit einem starken Auftritt. Erst in der Schlussphase erzielte Mario Götze das entscheidende 2:1 für den Meister. Insgesamt überzeugte Werder vor allem in der ersten Hälfte der Hinrunde mit attraktivem Fußball, obwohl die Ergebnisse nicht immer positiv waren. Neben de Bruyne und Petersen brillierte Aaron Hunt im Mittelfeld, auch Marko Arnautovic spielt eine gute Saison. Zum Ende der Halbserie zeigte die Formkurve der Schaaf-Elf nach unten, trotz eines 4:1-Erfolgs in Hoffenheim. Wie so häufig stimmte bei Werder die Balance zwischen Offensive und Defensive nicht mehr.
Werders Flügelzange: Marko Arnautovic (l.) und Eljero Elia.
Die Verjüngung der Mannschaft hat Werder gut getan. Spielerisch ist Bremen stärker als in den vergangenen beiden Jahren, als die Abhängigkeit von Pizarro eklatant war. Das Schaaf-Team ist allerdings zu oft noch eine Wundertüte. Das extrem offensiv ausgerichtete Spiel der Grün-Weißen mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler ist ein Vabanquespiel, das nur aufgehen kann, wenn die sich bietenden Torchancen auch genutzt werden. Klappt das nicht, kann eigentlich jeder Bundesligist Werder alt aussehen lassen. Wenn Schaaf diesen Fehler im System beheben kann, ist mit einem guten Lauf und bei Schwächephasen der Konkurrenz Platz sechs oder sieben möglich. Wenn nicht, wird sich Werder im Niemandsland der Tabelle wiederfinden.