HSV - Werder: Der Klassiker im Norden
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Dennis Aogo (l.) feiert mit Heung Min Son dessen Treffer zum 1:1 gegen Bremen.
Den Ball eng am Fuß nimmt Heung Min Son vom Hamburger SV auf dem linken Flügel Fahrt auf. Der Südkoreaner läuft auf seinen Gegenspieler Theodor Gebre Selassie zu und legt das Leder am Tschechen vorbei. Der Außenverteidiger von Werder Bremen versucht noch den Hamburger festzuhalten, doch der reißt sich los und zieht ab. An Torhüter Sebastian Mielitz vorbei saust das Spielgerät zum 1:1-Ausgleich ins Netz. Die Hamburger Arena steht Kopf. Son feiert mit den Fans und seinen Mitspielern in der Kurve sein bereits siebtes Saisontor. Der Stürmer hat als Sport- und Werbestar eine herausragende Bedeutung für den HSV, der das Derby am Ende - wenn auch glücklich - mit 3:2 gewinnt.
Zuletzt wurde immer über einen Abgang im Sommer spekuliert, denn nur dann kann der HSV ein Ablösesummer kassieren. An lukrativen Angeboten für Son, der noch bis 2014 an die Hamburger gebunden ist, mangelt es nicht. Der 20-Jährige macht den "Rothosen" in der "Bild" nun aber Hoffnung: "Ich glaube, ich bleibe beim HSV." Sportdirektor Frank Arnesen will an die finanzielle Schmerzgrenze des klammen Clubs gehen, um den Vertrag mit dem Südkoreaner zu verlängern: "Er ist ein sehr großes Talent, da habe ich auch kein großes Problem damit, dass wir ihn entsprechend bezahlen müssen", sagte Arnesen, "ich bin mir sicher, dass wir Son finanziell zufriedenstellen können. Aber auch wir haben unser Limit."
Im Nordderby war sein Tor der Wendepunkt - und der wohl einzig reguläre Treffer der Hamburger. Dennis Aogo nahm den Ball vor dem 2:1 eindeutig mit der Hand mit. Artjoms Rudnevs' 3:1 war wegen einer mutmaßlichen Abseitsposition zumindest fragwürdig. Son, der so etwas wie der Spezialist für schöne Tore der Hamburger ist, blieb aber auch nach dem Spiel gewohnt bescheiden. Über seinen erneuten Geniestreich sagte er: "Das war 50 Prozent Können, 50 Prozent Glück und das wohl schönste Tor meiner Karriere."
Harter Kampf: Heung Min Son (l.) im Duell mit Aleksandar Ignjovski.
Dank des Sieges sind die Hamburger nur noch einen Zähler von den internationalen Startplätzen entfernt. Doch auch, wenn damit wieder Träume von Europa aufkommen, der HSV tut gut daran, realistisch zu bleiben. Anders als die Hamburger Medien, die jubelten: "HSV kämpft den Werder-Fluch weg" ("Bild"), "Finks Psycho-Tricks pusten Werder weg" ("Hamburger Morgenpost") und "Son und der große Sprung ins Derby-Glück" ("Hamburger Abendblatt") hieß es da. Dabei vergaß so mancher, dass die Partie auch hätte mit einem Remis, wenn nicht gar mit einer Niederlage enden können - und dann wäre der Aufschrei groß gewesen. Wie leichtfertig HSV-Kapitän Heiko Westermann und Co. aber selbst noch Chancen für ihre Gegner zuließen, als diese nach den Platzverweisen für Clemens Fritz und Marko Arnautovic zu neunt spielten, zeigt eines deutlich: Auch wenn der HSV im neuen Jahr weiter konstant punktet, der Grat zwischen Europa und dem Niemandsland ist sehr schmal. Besonders wenn René Adler, ansonsten wie gewohnt ohne Fehl und Tadel, wie beim 2:3 durch Sokratis auch einmal patzt. Dann müssen sich die Hamburger schon auf ihr Glück oder das von Heung Min Son verlassen.