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Gespräch über die Zukunft? HSV-Sportchef Frank Arnesen (r.) flüstert Heung Min Son etwas zu.
Er ist jung, talentiert und aktuell erfolgreichster HSV-Torschütze: Heung Min Son. Sportdirektor Frank Arnesen würde lieber heute als morgen den bis 2014 datierten Vertrag mit dem 20-jährigen Juwel verlängern. Der Südkoreaner ist in diesem Jahr sportlich zum Stammspieler und Leistungsträger bei den Hamburgern aufgestiegen. Was der (internationalen) Konkurrenz nicht verborgen geblieben ist. Dass die Zusammenarbeit mit dem Youngster auch über 2014 hinaus Bestand hat, ist für den Bundesligisten allerdings nicht nur in sportlicher, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht von enormer Bedeutung. Zwei große südkoreanische HSV-Sponsoren - die Kontrakte laufen im kommenden Jahr aus - haben sich nicht zuletzt wegen Son für ein Engagement an der Elbe entschieden. "Es ist sicherlich besser, wenn Son den Verein nicht verlässt, um einen Vertrag zu verlängern", sagt Marketing-Vorstand Joachim Hilke dem NDR Sportclub: "Der Bekanntheitsgrad von Son ist sehr hoch in dem Land, das haben wir selber erlebt. Durch ihn sind wir attraktiv genug, um mit vielen in Kontakt zu treten."
In der Bundesliga, aber auch in allen anderen großen europäischen Fußball-Ligen wird die Auslandsvermarktung immer wichtiger. In der vergangenen Saison wurden bereits Bundesliga-Spiele in allen 208 FIFA-Mitgliedsstaaten ausgestrahlt. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die Erlöse aus der Auslandsvermarktung der TV-Rechte jüngst um 50 Prozent gesteigert: In der Zeit von 2012 bis 2015 zahlen ausländische Fernsehsender zusammen 72 Millionen Euro pro Jahr. Die DFL formuliert als eine ihrer Kernaufgaben "die Erlössituation in Bezug auf internationale TV-Rechte weiter voranzutreiben". Um die Liga und sich selbst bekannter zu machen, reisten beispielsweise der FC Bayern München und der VfL Wolfsburg im vergangenen Sommer nach China und bestritten Testspiele gegen einheimische Teams und gegeneinander. Der HSV war in Südkorea unterwegs, um dort die Werbetrommel zu rühren.
HSV-Kapitän Heiko Westermann (r.) und Heung Min Son mit dem Siegerpokal.
Neben Sponsorenterminen stand für die Hanseaten die Teilnahme am Peace-Cup an, den sie gewannen und damit 1,5 Millionen Euro einstrichen. In Zeiten leerer Kassen ein Segen. Gut 25.000 Zuschauer waren beim 1:0-Erfolg des HSV gegen den einheimischen FC Seongnam ins WM-Stadion von 2002 gekommen. "Wir fahren mit Preisgeld, einem Pokal und etwas Prestige nach Hause", freute sich HSV-Mittelfeldspieler Marcell Jansen. Prestige vor allem in Südkorea - und natürlich stand Son, den der HSV bei einem Austauschprojekt vor vier Jahren entdeckte, im Mittelpunkt: Der Angreifer wurde fast schon erwartungsgemäß zum besten Spieler des Turniers gewählt und durfte mit Kapitän Heiko Westermann, dessen alleinige Aufgabe das unter normalen Umständen gewesen wäre, medienwirksam den Siegerpokal in die Höhe recken. "Durch Son ist um den HSV ein unglaublicher Hype entstanden", berichtet Spielerberater Thies Bliemeister. Ohne Son wäre der HSV bei dem Einladungsturnier sicher nicht dabei gewesen.
Je stärker der Stürmer bei den Hamburgern spielt, desto besser stehen die Chancen des Clubs auf weitere Sponsoren-Abschlüsse in Südkorea, wo Son längst ein Werbestar ist. Hilke soll bereits einen dritten Sponsor an der Angel haben. "Wir sind natürlich immer akquisatorisch unterwegs", bleibt das Vorstandsmitglied verhalten. Klar ist dagegen, dass die Hanseaten unabhängig von Sons Zukunft im HSV-Trikot weiter mit der Fußballschule "Asia Football Academy" zusammenarbeiten wollen, wo Sons Vater als Trainer arbeitet. "Solange das sportlich Sinn macht", erklärt Hilke: "Wir wollen langfristig an dieser Stelle einen Aufbau betreiben und haben schon wieder zwei Koreaner in unserem Nachwuchsleistungszentrum." Ein neuer Son wird allerdings nicht gesucht: "So einen wird es nicht noch mal geben, aber vielleicht gibt es ja noch einen tollen Mittelstürmer", hofft Bliemeister.
Angreifer Heung Min Son verleiht dem HSV in Südkorea Flügel.
Der Berater gehört zu den Mitbegründern der Fußballschule, ist also einerseits Partner des HSV, sitzt bei den Son-Verhandlungen aber auf der anderen Seite des Tisches. Sind Interessenskonflikte programmiert? "Wir sehen da überhaupt keine Probleme", verneint Hilke und Bliemeister fügt hinzu: "Dafür sind wir Profis genug." Er ist sich allerdings auch rein wirtschaftlich betrachtet der besonderen Bedeutung seines Mandanten für den Verein bewusst und spricht von einem "Gottesgeschenk" für den HSV: "Son ist der Schlüssel zu allem, ohne ihn wäre das alles gar nicht möglich." Die Frage nach der Vertragsverlängerung stellt sich für ihn jedoch nicht: Bis 2014 sei es noch "eine lange Zeit", jetzt Druck aufzubauen deshalb "Quatsch". Und was sagt der Spieler selbst? "Ich fühle mich schon wohl, aber ich muss mit meinem Berater und Papa sprechen." Der ist laut Bliemeister der "größte Förderer des Jungen, er hält ihn aber auch am Boden" - und vielleicht ja auch beim HSV.