HSV: Der letzte Bundesliga-Dino
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Hamburger Hoffnungsträger: Heung Min Son, Heiko Westermann und Mladen Petric (v.l.).
Nach einer vollkommen verkorksten Vorsaison mit einem enttäuschenden Rang acht in der Endabrechnung hat der HSV einen rigorosen Schnitt gemacht. Altgediente und teure Profis wie Zé Roberto, Frank Rost oder Ruud van Nistelrooy wurden abgegeben. Der neue Sportchef Frank Arnesen holte junge und günstigere Spieler mit Entwicklungspotenzial. Vornehmlich von seinem alten Arbeitgeber FC Chelsea. Das erste Saisonziel haben die Hamburger damit schon erreicht. Der Personaletat wurde um mehr als zehn Millionen Euro reduziert. In die Startelf haben es zunächst nur Michael Mancienne und Gökhan Töre geschafft. Jeffrey Bruma war dort erwartet worden, doch der Niederländer laboriert ausdauernd an Achillessehnenproblemen. Der Norweger Per Skjelbred, als Kreativgeist im Mittelfeld eingeplant, stößt erst kurz vor Saisonstart zur Mannschaft.
Arnesen und Trainer Michael Oenning haben Routine gegen jugendliche Schnelligkeit getauscht, was in Hamburg eigentlich längst überfällig war. Mit dem neu zusammengebauten Kader soll der HSV mehr Tempo ins Spiel bekommen. Weniger Ballbesitz, dafür schneller in die Spitze spielen, lautet die neue Taktik. Ein Erfolgsrezept, das zum Beispiel auch der deutschen Nationalmannschaft unter Bundestrainer Joachim Löw zu neuem Glanz verholfen hat. An der rechten Außenposition in der Viererkette wird der Umbruch am deutlichsten: Der schnelle, offensivstarke Dennis Diekmeier, der ob seiner langen Verletzungspause im vergangenen Jahr fast wie ein Neuzugang zu zählen ist, ersetzt dort den aussortierten Tempoverschlepper Guy Demel. Tatsache ist aber auch, dass der HSV in der Breite Substanz verloren hat. Und den vielen Youngstern im Kader wird Oenning wohl oder übel auch Schwächephasen zugestehen müssen.
Der neue HSV gleicht einer Wundertüte. Der Kader hat ohne Zweifel Potenzial - aber wofür? Das Erreichen der internationalen Plätze wäre eine Überraschung, dürfte von den anspruchsvollen Fans und Medien in der Hansestadt aber trotzdem eingefordert werden. Viel wird von den gestandenen Akteuren wie Mladen Petric, der die fahrige HSV-Elf jüngst im Pokal rettete, oder Heiko Westermann abhängen. Wohin die Reise geht, dürfte schnell klar sein. Dem Start beim deutschen Meister Borussia Dortmund folgen ein schweres Heimspiel gegen den Top-Aufsteiger Hertha BSC und das Gastspiel bei den Bayern. Kommt das Oenning-Team gut über die ersten Hürden, sollte ein gesicherter Mittelfeldplatz kein Problem sein.