Stand: 27.05.2012 15:14 Uhr
1:8 und Abstieg: St. Paulis schwärzeste Stunde
St. Paulis Kapitän Fabio Morena weint.
Am 7. Mai 2011 erlebte der FC St. Pauli die schwärzeste Stunde in seiner Bundesliga-Geschichte. Die Kiezkicker kassierten mit dem 1:8 gegen Bayern München nicht nur die höchste Niederlage der Clubgeschichte, sondern standen nach dem Dekabel im letzten Saison-Heimspiel auch vorzeitig als Absteiger fest. Zum fünften Mal mussten die Hamburger den Gang aus dem Fußball-Oberhaus in die Zweite Liga antreten, und Kultcoach Holger Stanislawski wurde der Abschied bei seinem letzten Heimspiel als St.-Pauli-Trainer doppelt schwer. "Das ist heute ein ganz enttäuschender Tag. Das war wie ein Stich ins Herz, innerlich die absolute Höchststrafe. Das ist erschreckend, ich muss das erst mal sacken lassen", wetterte der nach 18 Jahren im Verein scheidende "Stani".
1:8 gegen Bayern - "Stani" adé, Bundesliga adé
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Vor der Bundesliga-Partie gegen den FC Bayern München wird St. Paulis Trainer Holger Stanislawski verabschiedet. Es ist sein letztes Heimspiel als Coach des Kiezclubs, bevor er zu 1899 Hoffenheim wechselt.
Die Fans der Kiezkicker bedanken sich auf ihre Weise: Sie halten ein großes Herz mit Stanislawskis Spitznamen...
...sowie viele Zettel mit der ehemaligen Rückennummer 21 des St.-Pauli-Urgesteins hoch.
Auch Kleidungsstücke werden für Sympathiebekundungen genutzt.
"Stanis" Assistent Andre Trulsen wird ebenfalls bedacht.
Die Gäste aus München zeigen sich dagegen weit weniger großzügig. Bereits in der elften Minute erzielt Mario Gomez (r.) nach einem kapitalen Fehler von Markus Thorandt das 1:0 für den Rekordmeister.
Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner weiß: Die Bayern-Spieler werden an diesem Nachmittag noch reichlich Grund zum Jubeln haben.
Die Gäste sind immer einen Schritt schneller am Ball und dominieren die Partie nach Belieben.
Wie hier Thorandt kommen auch die übrigen St. Paulianer kaum in die Zweikämpfe. Folgerichtig geht es nach einem Kopfballtor von Ex-HSVer Daniel van Buyten (32.) mit 0:2 in die Kabinen.
Auch im zweiten Spielabschnitt zerlegt die Offensive der Münchner um Arjen Robben (l.) die Abwehr der Kiezkicker nach allen Regeln der Kunst.
Gomez (52./86.), Robben (54./83.) und Franck Ribery (74./87.) schießen St. Pauli förmlich ab. Daran ändert auch der Ehrentreffer von Marcel Eger (78.) nichts.
Schlussmann Matthias Kessler ist bedient und schreit seinen Frust heraus.
1:8 heißt es am Ende.
Kapitän Fabio Morena ist bitter enttäuscht,...
...Kessler blickt ins Leere...
...und auch der verletzte Mathias Hain (M.) kann seine Tränen nicht zurückhalten.
Mannschaft und Trainer stehen auch in dieser schweren Stunde zusammen und bilden ihren obligatorischen Kreis.
Das Abenteuer Bundesliga aber ist nach einem Jahr für die Hamburger wieder beendet.
Trotz der herben Pleite und des nun sicheren Abstiegs dreht Trainer Stanislawski seine Ehrenrunde und verbeugt sich vor den Anhängern des FC St. Pauli.
Es ist ein tränenreicher Abschied,...
...bevor er das Stadion verlässt.
...bevor er das Stadion verlässt.
Das Spiel im Stenogramm:
FC St. Pauli - Bayern München 1:8 (0:2)
Tore: 0:1 Gomez (10.), 0:2 van Buyten (32.), 0:3 Gomez (52.), 0:4 Robben (54.), 0:5 Ribery (74.), 1:5 Eger (78.), 1:6 Robben (84.), 1:7 Gomez (86.), 1:8 Ribery (88.)
Zuschauer: 24.487 (ausverkauft)
St. Pauli: Kessler - Lechner, Thorandt (46. Bruns), Morena, Eger - Daube, Lehmann (68. Kalla) - Bartels, Takyi (46. Ebbers), Kruse - Asamoah
FC Bayern: Butt - Lahm, van Buyten, Luiz Gustavo (44. Badstuber), Contento - Timoschtschuk, Schweinsteiger (69. Kroos) - Robben, Müller (69. Klose), Ribery - Gomez
Bildergalerien
Holger Stanislawski hat beim FC St. Pauli bis auf Hausmeister und Masseur so ziemlich jeden Job ausgeübt. Nach 18 Jahren verließ er 2011 den Verein. Seine Kiezclub-Karriere in Bildern.
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