Die zunächst umstrittene Verpflichtung von René Adler hat sich für den Hamburger SV mehr als ausgezahlt. Der lange verletzte Nationalkeeper hat dem Club bereits mehrere Punkte gesichert und ist zum Publikumsliebling avanciert.
34 Gegentreffer in 18 Partien sind kein besonders gutes Zeugnis für Sebastian Mielitz. Doch der Nachfolger von Tim Wiese trägt am wenigsten Verantwortung dafür, dass Werder erneut eine Schießbude ist. Mielitz hat zumeist überzeugt, verliert den Vergleich mit Adler dennoch deutlich.
Dennis Diekmeier ist als Rechtsverteidiger beim HSV gesetzt. Der 23-Jährige hat eigentlich das Tempo und die technischen Anlagen, um ein Kandidat für das Nationalteam zu sein. Der Ex-Bremer ist aber weiter zu unkonstant in seinen Leistungen.
Auch Bremens Theodor Gebre Selassie kämpft mit Formschwankungen. Der Tscheche verdient sich stets Fleißkärtchen, ist aber häufig in der Vorwärtsbewegung zu uneffizient. Auch defensiv muss der 26-Jährige noch konstanter werden. Dieses Duell endet remis.
Die Popularität von Clubikone Uwe Seeler (l.) wird Heiko Westermann in Hamburg wohl nicht erreichen. Doch als Kapitän hat der Abwehrchef seinen Platz in den HSV-Geschichtsbüchern sicher. Westermanns Qualitäten als Zweikämpfer sind bekannt. Fußballerisch hat er noch Luft nach oben.
Der Grieche Sokratis verliert im Spiel nur selten den Überblick. Bremens Innenverteidiger ist im Zweikampf nur schwer zu bezwingen. Zudem rückt er bei Standards immer wieder mit auf und sorgt im gegnerischen Strafraum für Gefahr. Der Vergleich mit Westermann endet unentschieden.
Weil Michael Mancienne wegen eines doppelten Bänderrisses ausfällt, rückt Jeffrey Bruma neben Westermann ins Hamburger Abwehrzentrum. Der zuvor abwanderungswillige Niederländer sollte seine Fehlpassquote minimieren, will er sich auf Dauer beim HSV etablieren.
Bei Werder dürfte erneut der Österreicher Sebastian Prödl als zweiter Innenverteidiger den Vorzug vor Neuzugang Mateo Pavlovic erhalten. Der 25-Jährige besticht durch Präsenz und Kopfballstärke. Doch Prödl mangelt es an Grundschnelligkeit und fußballerischer Klasse. Auch dieses Duell endet remis.
Der frühere Gladbacher Marcell Jansen bekleidet beim HSV inzwischen die Linksverteidiger-Position, nachdem er in den vergangenen Jahren zumeist im Mittelfeld gespielt hatte. Der 27-Jährige gehört zum gehobenen Bundesliga-Durchschnitt, könnte aber noch mehr aus seinen Möglichkeiten machen.
Bei Werder wird wohl Kapitän Clemens Fritz für den gegen Dortmund schwachen Lukas Schmitz auf links beginnen. Gegen den BVB hatte der Ex-Nationalspieler noch auf der "Sechs" agiert. Fritz hat ähnliche Qualitäten wie Jansen. Insofern: remis.
Der Name Milan Badelj war in Deutschland nur absoluten Fußball-Experten ein Begriff, bevor ihn der HSV im vergangenen August von Dinamo Zagreb holte. Inzwischen hat sich der Kroate durch ausgezeichnete Leistungen als "Sechser" viel Respekt erworben. Ein feiner Fußballer und Stratege.
Bremens Schaltzentrale im Mittelfeld heißt Zlatko Junuzovic (l.). Wie Badelj verfügt der in Jugoslawien geborene österreichische Nationalspieler über herausragende fußballerische Anlagen. Der 25-Jährige agiert etwas spektakulärer als der Hamburger, ist aber nicht so effizient. Punkt für den HSV.
Um den Platz neben Badelj im defensiven Mittelfeld streiten sich beim HSV Tolgay Arslan und Per Skjelbred. Arslan hat trotz schwacher Leistung in Nürnberg, wo er bereits vor der Pause gegen Skjelbred ausgewechselt wurde, wohl noch leicht die Nase vorn. Sein Konkurrent fühlt sich auf rechts eh wohler.
Dieser Vergleich hinkt etwas, da Werder nur mit einem zentralen defensiven Mittelfeldakteur spielt. Etwas versetzt vor Junuzovic zieht Kevin de Bruyne unermüdlich seine Kreise. Der Belgier ist eines der größten europäischen Talente und gewinnt das Duell mit Arslan oder auch Skjelbred. Punkt für Bremen.
Heung Min Son ist zweifellos das größte Talent in Reihen des HSV. Der Südkoreaner besticht durch seine Dynamik und ausgezeichnete Technik. Ein ständiger Unruheherd auf dem rechten Flügel, der zudem bereits sechs Mal ins Schwarze traf. Allerdings: In Nürnberg vergab Son den möglichen Sieg.
Lange Zeit nur ein "Enfant terrible", inzwischen Leistungsträger bei Werder: Marko Arnautovic. Der Österreicher, früher zumeist in vorderster Front eingesetzt, fühlt sich auf dem Flügel pudelwohl und bedient immer wieder mustergültig die einzige Spitze, Nils Petersen. Der Vergleich mit Son endet unentschieden.
Dennis Aogo zeigt sich nach seiner gesundheitsbedingten Pause in der Hinrunde stark formverbessert. Das gründet auch auf seiner Versetzung von der linken Verteidiger-Position ins Mittelfeld. In Nürnberg bereitete der zehnmalige Nationalspieler das 1:0 vor und wusste auch sonst zu überzeugen.
Der frühere HSV-Profi Eljero Elia wartet bei Werder noch immer auf den Durchbruch. Der Flügelflitzer betreibt stets einen sehr hohen Aufwand, verpasst aber häufig den richtigen Zeitpunkt zum Abspiel. Zudem wartet Elia noch immer auf sein erstes Saisontor. Derzeit ist Aogo in diesem Duell vorn: Punkt für Hamburg.
Superstar Rafael van der Vaart ist nach seiner Verletzungspause noch nicht wieder bei 100 Prozent seines Leistungsvermögens. Nichtsdestotrotz ist der Regisseur durch seine Präsenz und sein gutes Auge für den HSV unverzichtbar - das Herz des Hamburger Spiels.
Aaron Hunt ist bei Bremen der Mann hinter der einzigen Spitze. Der Edeltechniker ist gereift und übernimmt immer mehr Verantwortung. Beim 0:5-Debakel gegen Dortmund war der 26-Jährige noch einer der besseren Werder-Profis. Dennoch: Dieser Punkt geht an den HSV.
Zunächst umstritten, nun gesetzt: Artjoms Rudnevs. Der Lette gehört gewiss nicht in die Rubrik "Edeltechniker", scheint oft gar nicht am Spiel teilzunehmen. Doch wenn sich dem 25-Jährigen eine Chance bietet, nutzt er sie meist auch. Sieben Tore hat Rudnevs bereits auf seinem Konto.
Bayern-Leihgabe Nils Petersen versucht sich bei Werder erfolgreich als Stoßstürmer. Wie Rudnevs hat der 24-Jährige sieben Saisontore erzielt. Petersen ist im Vergleich mit dem oft steif wirkenden Letten allerdings der bessere Fußballer. Daher: Punkt für Werder.
Thorsten Fink hat den HSV als Trainer zunächst vor dem Abstieg gerettet und nun zu einer Mannschaft mit Europapokal-Perspektive geformt. Sportchef Frank Arnesen lobt die Entwicklung des früheren Bayern-Profis. Sollte Fink - anders als seine Vorgänger - tatsächlich längerfristig in Hamburg arbeiten dürfen?
Anders als Fink ist Thomas Schaaf bereits ein "alter Hase" im Bundesliga-Geschäft. Der gebürtige Mannheimer war unzählige Jahre Spieler bei Werder und trainiert den Club bereits seit 1999. Bremens Erfolge in der vergangenen Dekade sind ganz eng mit seinem Namen verbunden. Der Trainer-Zusatzpunkt geht an Werder.
Fazit des Mann-gegen-Mann-Vergleichs, den der HSV knapp mit 6,5:5,5 für sich entscheidet: Der Ausgang des Nordderbys wird wohl von der Tagesform abhängig sein. Beide Teams unterscheiden sich qualitativ nicht groß, sodass eine spannende Partie programmiert ist.