In Marc-Andre ter Stegen hat Borussia Mönchengladbach vielleicht das derzeit größte deutsche Torwart-Talent in seinen Reihen. Der 19-Jährige ist der Prototyp eines modernene Schlussmanns. Ter Stegen besticht durch gute Strafraumbeherrschung, tolle Reflexe und eine gute Technik, sodass er eine Art Libero hinter der Viererkette ist.
Beim HSV steht in dem Tschechen Jaroslav Drobny ein Torwart der alten Schule zwischen den Pfosten. Der 32-Jährige glänzt auf der Linie, hat aber so seine Schwächen beim Herauslaufen sowie im fußballerischen Bereich. Dieser Punkt geht an die "Fohlen".
Rechts in der Gladbacher Viererkette agiert Tony Jantschke. Der U21-Nationalspieler verrichtet seine Defensivarbeit zumeist sehr souverän. Im Vorwärtsgang besteht beim in Hoyerswerda geborenen Abwehrmann noch Verbesserungsbedarf.
Im Vergleich zu Jantschke ist HSV-Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier etwas dynamischer. Der frühere Bremer sucht immer wieder den Weg zur Grundlinie und schlägt gefährliche Flanken in den Strafraum. Punkt für den HSV.
Borussias Innenverteidiger Roel Brouwers ist im Zweikampf nur schwer zu bezwingen. Der kompromisslose und baumlange Abwehrmann besticht zudem durch fast perfektes Stellungsspiel. Wie viele Verteidiger seiner Generation ist der 30-Jährige in seinen fußballerischen Mitteln allerdings limitiert.
Bei HSV-Abwehrchef Heiko Westermann verhält es sich ähnlich wie bei Brouwers. Der frühere Schalker ist ein nahezu perfekter Zweikämpfer, fußballerisch bedient er sich häufig des Stilmittels der langen Bälle. Im Vergleich zum Gladbacher ist Westermann auf dem Platz vielleicht etwas präsenter. Daher knapper Punktgewinn für Hamburg.
Gemeinsam mit Brouwers bildet Dante die Innenverteidigung der Borussia. Dass der Brasilianer von Bayern München umworben wird, verdeutlicht seine Leistungsstärke. Der 28-Jährige hat nur ein kleines Manko: Er trifft so gut wie nie das Tor.
Slobodan Rajkovic rutschte für den verletzten Jeffrey Bruma vor einigen Wochen in die HSV-Startelf. Der "Abwehr-Rambo" ("Bild") muss sein Spiel noch verfeinern, um ein Top-Verteidiger wie Dante zu werden. Der Serbe geht häufig noch zu ungestüm in die Zweikämpfe. Punkt für Gladbach.
Kapitän Filip Daems ist seit Jahren bei den "Fohlen" als Linksverteidiger eine Konstante. Der 33 Jahre alte Routinier hat seine Stärken zweifelsohne in der Defensive, kann aber auch offensiv für Gefahr sorgen. Ein grundsolider, guter Mann.
Im Vergleich mit Daems ist Dennis Aogo sicher der etwas modernere Linksverteidiger. Der Nationalspieler sucht konsequent den Weg nach vorne und zeichnet sich durch seine präzisen Standards aus. Im Zweikampfverhalten allerdings schwächer als der Borusse. Dieses Duell endet remis.
Auf der "Sechs" ist Havard Nordtveit bei den "Fohlen" gesetzt. Der 21-jährige Norweger verrichtet seinen Dienst unauffällig, aber sehr effizient.
In Hamburgs Mittelfeldzentrale ist Tomas Rincon fürs Grobe zuständig. Der 24-Jährige ist enorm kampf- und laufstark. Im Vergleich mit Nordtveit spielt der Venezuelaner weitaus auffälliger. In puncto Effizienz sind beide gleichauf: remis.
Neben Nordtveit zieht Roman Neustädter die Fäden in Gladbachs Mittelfeldzentrale. Der 24-Jährige ist ein kluger Stratege, der die Offensivkräfte immer wieder geschickt in Szene setzt. Zur neuen Saison wechselt der frühere Mainzer ablösefrei nach Schalke.
"Er läuft und läuft und läuft": David Jarolim ist der Kilometerfresser beim HSV. Der Tscheche mag ob seiner wenig dynamischen Spielweise auf der "Sechs" wie ein Relikt aus der Vergangenheit wirken. Seine Erfahrung ist für die Hamburger in dieser schweren Serie aber Gold wert. Dennoch: Punkt für Gladbach.
Weil Shootingstar Patrick Herrmann mit einem Schlüsselbeinbruch verletzt ausfällt, darf voraussichtlich Igor de Camargo im rechten Gladbacher Mittelfeld wirbeln. Der etatmäßige Angreifer hat seine Stärken naturgemäß im Vorwärtsgang. Die Defensivarbeit des 28-Jährigen lässt manchmal zu wünschen übrig.
Ivo Ilicevic wird wohl für Jacopo Sala in die Hamburger Startelf rutschen. Der Kroate ist ob vieler Verletzungen noch immer nicht richtig beim HSV angekommen. Kann er nur annähernd seine Form aus Kaiserslauterner Tagen abrufen, wird er ein großer Gewinn für die Hanseaten. Diese Duell endet remis.
Juan Arango sorgt bei der Borussia über die linke Seite für viel Druck und Gefahr. In seiner Heimat Venezuela wird der 31-Jährige voller Bewunderung "Hurrikan der Karibik" genannt. Arango ist ein genialer Fußballer, der in Gladbach sogar mit der "Fohlen"-Legende Günter Netzer verglichen wird.
Marcell Jansen verfügt nicht über ein derart großes fußballerisches Repertoire wie Arango, der Ex-Gladbacher ist eher ein Außenläufer alter Prägung. Jansen ist in dieser Serie erstmals verletzungsfrei und ein großer Faktor des jüngsten HSV-Aufschwungs. Dennoch: Punkt für die "Fohlen".
Bei Hannover 96 war Mike Hanke aufs Abstellgleis geraten. Dann wechselte der Blondschopf im vergangenen Jahr zur Borussia und erlebt am Niederrhein nun seinen x-ten fußballerischen Frühling. Hanke ist ein klassischer Mittelstürmer mit einer nahezu perfekten Antizipation.
Die Zeiten sind noch nicht lange her, da fiel Paolo Guerrero mehr durch Skandale denn Tore auf. Unter Trainer Thorsten Fink hat sich der Peruaner zu einem unverzichtbaren Leistungsträger gemausert. Im Vergleich mit Hanke der komplettere Fußballer. Daher: Zähler für den HSV.
13 Treffer und acht Vorlagen in 20 Spielen sprechen eine deutliche Sprache: Marco Reus ist das Gesicht des Gladbacher Höhenflugs. Der 22 Jahre alte Angreifer ist schnell, technisch versiert und im Abschluss nervenstark. Und er ist in der kommenden Saison weg. Reus wechselt für 17,5 Millionen Euro nach Dortmund.
Mladen Petric ist im Vergleich mit Reus eher ein Angreifer der alten Generation. Der Kroate fühlt sich im Strafraum am wohlsten und wartet dort auf die Vorlagen seiner Teamkameraden. Seine Zukunft beim HSV ist trotz sehr ansprechenden Leistungen in dieser Serie offen. Punkt für die Borussia.
Als Lucien Favre die Borussia im Dezember 2011 übernahm, stand der Club abgeschlagen am Tabellenende. Dem Schweizer gelang zunächst das "Wunder Klassenerhalt", dann formte er aus der Mannschaft einen Titelkandidaten. Der 54-Jährige hat in 40 Spielen einen Punktedurchschnitt von 2,05.
Wie Favre hat sich auch Thorsten Fink als "Retter" bereits bewährt. Der langjährige Bayern-Profi führte das verunsicherte HSV-Team aus dem Tabellenkeller. In der kommenden Saison muss der 44-Jährige nun beweisen, dass er auch langfristig in der Bundesliga erfolgreich arbeiten kann. Der Trainer-Zusatzpunkt geht an Gladbach.
Fazit des Mann-gegen-Mann-Vergleichs, den Gladbach inklusive des Trainer-Zusatzpunkts mit 7,5:4,5 gewinnt: Von ihrer individuellen Klasse unterscheiden sich beide Mannschaften nur gering. Die Borussia funktioniert in dieser Serie aber als Mannschaft besser als der neu formierte HSV.