HSV: Eine Saison mit vielen Fragezeichen
Die Bilanz des Hamburger SV fällt gemischt aus: Immerhin besser als im Vorjahr, und doch wurde eine große Chance vertan. mehr
Manfred Ertel (l.) und Carl-Edgar Jarchow (r.) mit dem neuen HSV-Sportchef Oliver Kreuzer.
Oliver Kreuzer hat seine Zeit beim Hamburger SV mit markigen Worten begonnen. "Der HSV ist ein großer Verein mit großer Tradition und steht auf einer Stufe mit Bayern, Dortmund und Schalke", sagte der neue Manager bei seiner Vorstellung am Dienstag. "Das Ziel sind Titel. Irgendwann wollen wir die Schale mal wieder hochheben. Wir wollen versuchen, die großen Ansprüche in der Zukunft gemeinsam zu erfüllen." Ihm sei bewusst, dass der Club auf einem wirtschaftlichen Konsolidierungskurs sei, dieser dürfe aber nicht auf Kosten der sportlichen Entwicklung gehen. In Bezug auf Transferbemühungen sagte der 47-Jährige, der einen Vertrag bis 2016 erhält: "Ich habe in ganz Europa ein gutes Netzwerk." Seine Arbeit als Nachfolger von Frank Arnesen nimmt er offiziell am 11. Juni auf. Bis dahin muss Kreuzer den Zweitliga-Aufsteiger Karlsruher SC fit für die neue Liga machen.
HSV-Aufsichtsratschef Manfred Ertel findet Oliver Kreuzer hervorragend.
"Unser Eindruck von Oliver Kreuzer war hervorragend", erklärte der Aufsichtsrats-Vorsitzende Manfred Ertel. "Die Entscheidung ist einstimmig gefallen. Das spricht für den Aufsichtsrat, aber auch für den Kandidaten." Ertel erklärte, dass sich Kreuzer an der Ablösesumme beteiligt habe. Dabei soll es sich dem Vernehmen nach um 50.000 Euro handeln, zudem soll er auf 50.000 Euro seiner Aufstiegsprämie verzichtet haben. Ertel fügte hinzu: "Wir haben weder 950.000 noch 650.000 Euro bezahlt, wie zuletzt berichtet worden ist. Wir zahlen eine vereinbarte Summe, die ich nicht nennen will. Wir haben ein Freundschaftsspiel vereinbart und garantieren dem KSC einen eventuellen Ausfall von unter 200.000 Euro. Dazu kommen überschaubare Erfolgsprämien. Aber wenn wir in die Champions League kommen, dann zahlen wir die auch gern." Nach längerem Hin und Her hatten sich die Hamburger mit dem KSC am Sonntag geeinigt. Der Ex-Profi Kreuzer (282 Bundesligaspiele für Bayern München und den KSC) stand beim Zweitliga-Aufsteiger noch bis 2014 unter Vertrag. KSC-Präsident Ingo Wellenreuther hatte zuvor noch zu Protokoll gegeben: "Wir sind so im Ergebnis nahezu bei dem von uns geforderten Betrag von einer Million Euro. Das war für uns wichtig, denn wir hatten hier wahrlich nichts zu verschenken."
Beim HSV trifft Kreuzer in Thorsten Fink einen alten Bekannten. Der HSV-Coach hatte nach der Trennung von Arnesen gefordert, der Neue müsse "gut zu mir passen" und sich aus dem Urlaub heraus für Kreuzers Verpflichtung ausgesprochen. Beide haben zwar nicht gleichzeitig für einen Verein gespielt, wohl aber für ein und denselben Club gearbeitet: 2006/2007 waren Kreuzer als Sportdirektor und Fink als Junioren- und später Co-Trainer der Profis für kurze Zeit gleichzeitig für Red Bull Salzburg tätig. "Wir kennen uns seit fast 20 Jahren. Thorsten ist meinen Stationen immer gefolgt und in Salzburg ist ein gutes Verhältnis entstanden. Wir schätzen uns und passen gut zusammen", betonte Kreuzer.
Eine drängende Frage für Kreuzer: Wie geht es mit Heung Min Son beim HSV weiter?
Vor der Aufgabe in Hamburg ist dem neuen Sportchef nicht bange, "ich weiß, was es bedeutet, für so einen Club tätig zu sein und was Druck ist." Zunächst will Kreuzer intensive Gespräche mit seinen Vorstandskollegen über die künftige Ausrichtung des Vereins und mit dem Trainer über die Kaderplanung führen. Aus Karlsruhe bringt der Manager wohl Lothar Strehlau mit, der ihn auf seinen bisherigen Stationen stets begleitete und als Scout fungiert. Kreuzers Hauptaufgabe wird es sein, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Die verlorene Zeit durch das Aus von Arnesen nimmt er hin. "Die Situation ist, wie sie ist. Trainingsstart ist am 1. Juli. Bis dahin haben wir ja noch etwas Zeit, die Planungen voranzutreiben." Ganz oben auf der Liste steht die Zukunft von HSV-Juwel Heung Min Son. Nach Dortmund und mehreren englischen Vereinen soll nun auch Wolfsburg bereit sein, eine zweistellige Millionen-Ablöse zu zahlen. Die Situation bei dem Südkoreaner bezeichnete Kreuzer als "offen". Es gelte, "sportlichen Wert des Spielers und die wirtschaftliche Situation des Verein abwägen".
Eine entscheidende Rolle spielt auch in diesem Sommer die finanziellen Lage bei den "Rothosen". Jarchow hatte bei der Mitgliederversammlung am Sonntag angekündigt: "Wir werden die Spielzeit mit einem Minus im einstelligen Millionen-Bereich abschließen." Zuvor war spekuliert worden, dass die Hamburger sogar mehr als 20 Millionen Euro Verlust verbuchen würden. Zudem bekommt auch Arnesen noch eine Millionen-Abfindung. Um das befürchtete Millionen-Bilanzminus in Grenzen zu halten, einigte man sich auf eine vorzeitige Verlängerung des Vertrages mit Vermarkter Sportfive bis 2020. Dafür verzichtet Sportfive auf ein Darlehen von 12,4 Millionen Euro und die Einnahmen aus dem TV-Vertrag. Jarchow schaut nun nach vorn: "Wir freuen uns, dass mit Oliver Kreuzer das HSV-Präsidium wieder komplett ist. Wir wollen zusammen etwas bewegen." Und in welche Richtung es gehen soll, hat der Neue ja schon verdeutlicht.
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Bananenschale? Kann er bei mir abholen. Als ob dieser arrogante Verein auch nur den Hauch einer Chance in der Meisterschaft hätte. Vielleicht gibt es ja in der 2. Liga eine Schale. [mehr]
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"Kreuzer will irgendwann die Schale" - schon die Überschrift zeigt, dass der neue Mann offenbar das HSV-Gen in sich trägt ... [mehr]
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Demut
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