1983 gewinnt der HSV zuletzt die deutsche Meisterschaft. Mit 18 Treffern maßgeblich daran beteiligt: Mittelstürmer Horst Hrubesch. Trotzdem bekommt der 32-Jährige keinen neuen Vertrag und geht zu Standard Lüttich nach Belgien. Seine Tore fehlen den Hamburgern in den folgenden Jahren.
Ebenfalls nicht gleichwertig ersetzt wird der Däne Lars Bastrup (l.), den es 1983 nach zwei erfolgreichen Jahren in Hamburg zurück in die Heimat zieht.
Mit Weltklassemann Uli Stein im Tor gewinnt der HSV 1987 den DFB-Pokal - bis heute der letzte bedeutende Titel für die Hamburger. Im Sommer 1987 aber wird Stein nach einem Faustschlag im Supercupspiel gegen Bayern Münchens Jürgen Wegmann entlassen, der Beginn einer Torwartkrise an der Elbe: Steins Nachfolger Mladen Pralija gilt bis heute als einer der größten Fehleinkäufe der Geschichte.
Uwe Bein ist Ende der 1980er-Jahre der erste kongeniale Mittelfeld-Partner von HSV-Dauerbrenner Thomas von Heesen. 1989 aber wird der Edeltechniker verkauft. Er geht für 1,3 Millionen Mark zu Eintracht Frankfurt und spielt dort um die Meisterschaft, während die Hamburger um die Existenz bangen müssen.
Thomas Doll: Nur eine Saison hat den Mecklenburger in Hamburg zur Legende gemacht. Für zwei Millionen Mark von Dynamo Berlin geholt, spielt der Offensivmann die Bundesliga schwindelig und führt den HSV 1991 sensationell in den UEFA-Cup. Anschließend saniert er den Verein: Lazio Rom zahlt 17 Millionen Mark - damals Rekord für einen deutschen Spieler. Sportlich aber kann er über Jahre nicht ersetzt werden.
Und die Geldsorgen sind weiterhin akut: Deshalb wird 1992 Kapitän und Nationalspieler Dietmar Beiersdorfer für zwei Millionen Mark an Werder Bremen verkauft.
1993 geht der nächste Eckpfeiler: Stürmer Jan Furtok zieht es nach 135 Spielen und 51 Toren im Hamburger Trikot zu Eintracht Frankfurt
Der HSV steckt nach dem Doll-Abgang im Mittelfeld fest. Die Mannschaft spielt ideenlos und pomadig. Ein Lichtblick ist Markus Babbel, der in Hamburg als Jungstar zum Nationalspieler reift. 1994 aber muss die Leihgabe zu seinem Stammverein Bayern München zurück.
Im Mittelfeld hat Hamburg aber noch einen Star: Yordan Letchkov ist nicht nur für sein Tor gegen Deutschland bei der WM 1994 bekannt, sondern auch für Dribblings und starke Pässe im HSV-Trikot. Nach Verletzungsproblemen und persönlichen Differenzen mit Trainer Felix Magath geht er 1996 zu Olympique Marseille.
1996 ist dennoch ein gutes Jahr für die Hamburger. Erstmals seit fünf Jahren qualifiziert sich der Club für den UEFA-Cup. Und wieder einmal ist ein HSV-Profi zum Nationalspieler geworden, um sogleich verkauft zu werden: Mittelfeldstar Jörg Albertz (l.) geht für zehn Millionen Mark zu den Glasgow Rangers.
Überragender Mann in der Abwehr zu dieser Zeit: Stephane Henchoz. Aber die Hamburger haben ihre Finanzen weiterhin nicht im Griff und müssen den Schweizer verkaufen. Der Nationalspieler geht 1997 für fast neun Millionen Mark nach England zu den Blackburn Rovers.
1998 leiden die Norddeutschen erstmals unter dem Bosman-Urteil, das Fußballspielern nach Vertragsende den ablösefreien Wechsel ermöglicht. Mittelfeld-Akteur Sven Kmetsch - natürlich frisch gebackener Nationalspieler - geht zum Nulltarif zu Schalke 04.
Ebenfalls 1998 weg, ebenfalls ablösefrei: Wirbelwind Hasan Salihamidzic, der in 31 Spielen zehn Treffer erzielte. Das Hamburger Eigengewächs geht mit 21 Jahren zum FC Bayern München und reift dort zum Weltklasse-Allrounder.
Ebenfalls ein flexibler Spieler: Thomas Gravesen. Die "Hümörbombe" überzeugt als Libero und im Mittelfeld und wird im Jahr 2000 für sieben Millionen Mark an den FC Everton verkauft. Später spielt der Däne noch für Real Madrid und Celtic Glasgow.
Der HSV ist mittlerweile dabei, sein Graue-Maus-Image in der Bundesliga abzulegen, baut ein neues Stadion und entwickelt auch wieder sportliche Ambitionen. Ein wichtiger Baustein im Team um die Jahrtausendwende ist Niko Kovac - bis der Kroate 2001 für etwa zehn Millionen Mark zu Bayern München wechselt.
Oldenburg, Hamburg, Leverkusen, Lissabon, München: Torhüter Hans Jörg Butt (r.) schafft es, sämtliche Wechsel seiner Karriere ablösefrei zu gestalten. So sieht auch der HSV 2001 kein Geld, als der Keeper zum Werksclub geht. In Erinnerung wird er den Hamburger Fans vor allem wegen seiner Elfmeter-Qualitäten bleiben: 1999/2000 parierte er in der Bundesliga fünf Strafstöße - und verwandelte neunmal eiskalt.
2003 qualifiziert sich der HSV wieder für den UEFA-Cup - und bleibt bis 2010 durchgehend international vertreten. Dennoch gehen die besten Spieler weiterhin in aller Regelmäßigkeit weg. 2004 wird Abwehrstar Tomás Ujfalusi (l.) für 7,5 Millionen Euro an den AC Florenz verkauft.
2006 verlässt gleich die komplette Innenverteidigung den Verein: Für Kapitän Daniel van Buyten bezahlt Bayern München acht Millionen Euro, ...
...Khalid Boulahrouz (l.) ist dem FC Chelsea sogar 13 Millionen Euro wert. Aber die Defensive muss neu strukturiert werden. Die Folge für den HSV: Existenzkampf. Im Februar 2007 ist Hamburg Tabellenletzter, dann aber reißt Trainer Huub Stevens das Ruder mit einer Erfolgsserie doch noch herum.
Ganz stark in dieser Phase: Mittelfeld-Ass Rafael van der Vaart. Er sorgt nicht nur für großen Glamour in der Hansestadt, sondern schießt zudem viele wichtige Tore. Auch er geht als Kapitän: 2008 bezahlt Real Madrid 15 Millionen Euro für die Dienste des Niederländers. 2012 kehrt er zurück nach Hamburg.
Zeitgleich entdeckt der neureiche englische Premier-League-Club Manchester City seine Liebe für HSV-Stars: Defensiv-Allrounder Vincent Kompany spült 8,5 Millionen Euro in die Hamburger Kassen, ...
...gar 18 Millionen bringt Nigel de Jong im Januar 2009 ein. Geld, das beim HSV scheinbar verbrennt: Spieler mit ähnlichen Qualitäten wie van der Vaart, Kompany und de Jong kommen jedenfalls nicht mehr an die Elbe.
Und zu allem Überfluss zögert der HSV bei Ivica Olic mit der Vertragsverlängerung. Konsequenz: Der kroatische Publikumsliebling geht am Saisonende 2009 zum FC Bayern und schießt seinen neuen Club ins Champions-League-Finale 2010.
2010 der bisher letzte bittere Verlust: Nationalverteidiger Jérôme Boateng hat eine festgeschriebene Ablösesumme im Vertrag stehen. Manchester City greift zu und bekommt den versierten Allrounder für 12,5 Millionen Euro.