Schalke 04 und Hannover 96 eröffnen heute Abend (20.30 Uhr) die Rückrunde der Bundesliga-Saison 2012/2013. Für beide geht es dabei um viel: Die "Königsblauen" müssen als Siebter ebenso Boden gut machen wie das Gastteam der "Roten", das lediglich auf Rang elf überwintert hat.
Schalke geht mit Timo Hildebrand als klarer Nummer eins in die restlichen 17 Liga-Spiele. Der ehemalige Nationalkeeper hat sich im internen Dreikampf behauptet, machte in der Hinrunde aber nicht immer eine gute Figur.
Auch die 31 Gegentore, die Hannovers Ron-Robert Zieler (2.v.r.) kassierte, sind deutlich zu viel. Der aktuelle Nationaltorwart wurde von seinen Vorderleuten aber oft im Stich gelassen. Zieler punktet für 96.
Die rechte Abwehrseite der Hausherren ist bei Atsuto Uchida (l.) in guten Händen. Der Japaner leistet sich kaum einmal einen Fehler.
Sein Landsmann Hiroki Sakai (r.), der Kapitän Steven Cherundolo (Knieprobleme) ersetzt, hat bei 96 derweil noch nicht Fuß gefasst. Bei der Eingewöhnung soll ihm nun vermehrt Dolmetscher Motoki Kawahara (l.) helfen. Der Punkt geht klar an Uchida.
Bei den Schalkern hat Kapitän Benedikt Höwedes das Sagen. Der Nationalspieler lieferte in der Hinrunde meist gute Leistungen ab, das Abrutschen von S04 konnte aber auch der Abwehrchef nicht verhindern.
Hannovers Mario Eggimann stand bisher in jedem Liga-Spiel in der Startformation. Einst bei 96 der Wackelkandidat, ist der Schweizer Internationale mittlerweile gesetzt. Höwedes ist jedoch konstanter und punktet deshalb.
Anders als Nebenmann Höwedes wirkte Joel Matip in der Hinrunde oftmals orientierungslos. Der Nationalverteidiger Kameruns leistete sich immer wieder große Fehler - das kostete S04 wertvolle Punkte.
Auf den Schultern von Winterneuzugang Johan Djourou (M.) lastet die Bürde, die 96-Abwehr zu stabilisieren. Der Schweizer, der vom FC Arsenal kam, hat auf jeden Fall das Zeug dazu und bisher einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Punkt für die Niedersachsen.
Schalkes Linksverteidiger Christian Fuchs (r.) gehört zu den Besten der Liga. Der Österreicher ist ein Dauerläufer und stark bei Standards. Wenn Fuchs den Vorwärtsgang einschaltet, wird es oft gefährlich.
Vom Typ her ähnelt ihm sein Gegenüber Konstantin Rausch. Nach starkem Saisonstart baute der Mann aus Hannovers Nachwuchs jedoch deutlich ab und trat in der Liga kaum noch in Erscheinung. Fuchs bringt Schalke mit 3:2 in Front.
Auf Schalke hat sich Roman Neustädter (r.) zum Nationalspieler gemausert. Der ehemalige Gladbacher überzeugt mit viel Übersicht und schaltet sich auch immer wieder mit Köpfchen in die Offensive ein (drei Tore).
Seinen festen Platz hatte zum Ende der Hinrunde auch Manuel Schmiedebach im defensiven 96-Mittelfeld. Hannover legte auf seiner Position jüngst zwar nach, dennoch dürfte der Kämpfer (noch) gesetzt sein. Vor der Winterpause waren seine Leistungen gut, gegen Neustädter geht er aber leer aus.
Wegen Problemen mit der Leiste konnte Schalkes Spielmacher Lewis Holtby (r.) zuletzt nur eingeschränkt trainieren. Aus der Aufstellung der Gelsenkirchener ist der Nationalspieler, der für den gesperrten Jermaine Jones in die Defensive rückt, trotz seines feststehenden Wechsels im Sommer zu Tottenham nicht wegzudenken.
Auch bei Sergio da Silva Pinto zeichnet sich ein Sommer-Transfer ab. Der auslaufende Vertrag wurde bisher nicht verlängert - 96 hat bereits zwei weitere defensive Mittelfeldspieler verpflichtet. Pintos Leistungen waren zuletzt solide, Holtby punktet jedoch klar.
Jefferson Farfan gehört zu den Schnellsten der Liga. Über den rechten Flügel der Schalker macht der Peruaner viel Druck. Zu oft fehlte ihm in der Hinrunde allerdings die Unterstützung seiner Mitspieler.
Jan Schlaudraff vertritt den verletzten Lars Stindl auf Hannovers rechter Seite. Der ehemalige deutsche Nationalspieler interpretiert die Rolle jedoch anders als Farfan und reißt das Spiel vom Flügel noch mehr an sich. Das Duell endet remis.
Über die linke Seite der Schalker soll Tranquillo Barnetta die S04-Offensivabteilung beleben. In der Hinrunde gelang dies dem Schweizer allerdings viel zu selten. Nur wegen der Personalprobleme im Team erhält er eine weitere Bewährungschance von Beginn an.
Hannover fehlte im vergangenen Halbjahr die Breite im Kader. Das hatte zur Folge, dass unter anderem Szabolcs Huszti kaum einmal eine Pause einlegen konnte. Doch im Winter hat der Ungar seine Akkus aufgeladen. Die 96-Fans können sich freuen - und Huszti punktet.
Jungspund Julian Draxler (r.) vertritt Holtby als hängende Spitze. Der Neu-Nationalspieler glänzt mit seiner Unbekümmertheit, die seinen Kollegen oft fehlt. In dieser Saison erzielte der 19-Jährige bereits sechs Pflichtspieltore.
96-Angreifer Mohammed Abdellaoue kam in der Hinrunde meist nur als Joker zum Einsatz. Seine fünf Pflichtspieltore zeigen deshalb umso mehr, wie wertvoll er ist. Dass der Norweger Spiele entscheiden kann, weiß die ganze Liga. Das Duell endet aber knapp zugunsten von Draxler.
In Schalkes Sturm ersetzt Ciprian Marica (r.) den gesperrten Klaas-Jan Huntelaar (l.). Der Rumäne hat sein Bundesliga-Format schon mehrfach unter Beweis gestellt, die Torgefahr geht ihm aber noch zu oft ab.
Ganz anders Hannovers Mame Diouf. In seinen 14 Pflichtspiel-Einsätzen von Beginn an in dieser Saison erzielte der Senegalese zehn Treffer. Die Schalker Innenverteidiger sollten sich vorsehen. Der Zähler geht klar an Diouf.
Auf der Schalker Trainerbank nimmt zum ersten Mal in der Bundesliga Jens Keller Platz. Dem ehemaligen Stuttgart-Coach trauen die wenigsten zu, S04 zurück in die Champions-League-Ränge zu führen. Die schlechten Ergebnisse in der Vorbereitung (unter anderem 0:5 gegen die Bayern) machen auch keinen Mut.
96-Coach Mirko Slomka hingegen hat allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Vier neue Spieler und ein gutes Trainingslager sorgen für gute Stimmung an der Leine. Slomka hat zudem schon mehrfach bewiesen, dass er 96 voranbringen kann und holt den letzten Punkt.
Schalke und Hannover begegnen sich am Freitag auf Augenhöhe. Auch in der Tabelle geht es eng zu, mit einem Sieg würde 96 die Schalker bereits um einen Punkt distanzieren. Den Teamvergleich entscheidet Schalke allerdings mit 6,5:5,5 gerade so für sich.
Besondere Brisanz hat das Duell für Keller (r.): Seine Zeit als Stuttgart-Trainer (neun Spiele) endete am 10. Dezember 2010 nach einer 1:2-Niederlage bei den "Roten". Damals schnürte Hannovers Didier Ya Konan, der sich gerade mit der Elfenbeinküste auf den Afrika-Cup vorbereitet, einen Doppelpack.