Freude, Frust, Fanprotest - Die Hinrunden-Bilder
Die schönsten Impressionen der Bundesliga-Hinrunde aus Nordsicht.
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Häufiges Bild zuletzt: Die 96-Spieler verlassen den Platz mit hängenden Schultern.
Hannover 96, die Nummer eins im Norden? Jedenfalls schloss die Mannschaft die beiden jüngsten Spielzeiten jeweils als der beste Verein aus Norddeutschland ab - als einziger, der international dabei war und ist. Doch in dieser Saison knirscht es in der Maschinerie der "Roten": Rang drei nach dem fünften Spieltag folgte ein "Absturz" bis auf Rang zwölf am 15. Spieltag. 96 scheint die Luft ausgegangen zu sein, auch beim Achtelfinal-Aus im DFB Pokal in Dortmund (1:5) hatte die Slomka-Elf nichts mehr hinzuzusetzen. Der elfte Platz, auf dem Hannover überwintert, ist für die nicht zuletzt hohen Ansprüche von Trainer Mirko Slomka zu wenig. Doch Gründe für den Einbruch gibt es viele.
Bester Spieler: Mame Diouf
Aufsteiger: Leon Andreasen
Absteiger: Leon Andreasen
Bestes Spiel: 4:0 in Wolfsburg
Schlechtestes Spiel: 0:5 bei Bayern München
Slomka, Jörg Schmadtke und Martin Kind - Coach, Manager und Präsident stehen für Hannovers Erfolg in den zurückliegenden Jahren. Doch im vergangenen Sommer gab es mal wieder Unstimmigkeiten. Schmadtke verabschiedete sich in seine Auszeit, ohne vorher mit Slomka die anvisierte Vertragsverlängerung unter Dach und Fach zu bringen. Was folgte, war ein dem Club unwürdiges Schauspiel. Der Trainer betonte zwar immer wieder, dass er nicht pokern würde, seine öffentlich getätigten Aussagen bis hin zum Ja und Nein innerhalb weniger Stunden, ließen aber anderes vermuten. Als dann auch noch Kind in der "Sport Bild" Verhandlungsdetails ausplauderte, musste sich der Präsident bei Slomka entschuldigen. Erst Anfang Dezember verlängerte der Coach bis 2016. Dass es dazu immer wieder Ärger mit den Fans gab, die in eine 70.000 Euro Strafe wegen der Vorkommnisse beim Pokal-Spiel gegen Dresden (4:3 i.E.) gipfelten, lässt keinen Zweifel daran, dass das Sportliche häufig nicht im Fokus stand.
Der Ungar Szabolcs Huszti entdeckte seine Liebe zu 96 wieder.
Ein weiterer Punkt für das durchschnittliche Abschneiden ist, dass von den Neuzugängen nur einer das Prädikat "gut" verdient. Szabolcs Huszti kehrte von Zenit St. Petersburg zurück und brillierte zu Saisonbeginn mit zehn Scorerpunkten in drei Spielen. Doch nach dem furiosen Auftakt fiel Huszti in ein Formtief und meldete sich erst am 16. Spieltag mit zwei verwandelten Elfmetern gegen Leverkusen (3:2) zurück. Die übrigen drei Neuen spielten in der Hinrunde kaum eine Rolle. Millionenmann Felipe fehlte meist verletzt, Hiroki Sakai zeigte nach seinem Olympia-Einsatz für Japan große Anpassungsprobleme und auch Adrian Nikci kam nur auf vier Bundesliga-Einsätze mit insgesamt 124 Minuten. Genannt werden muss an dieser Stelle aber auch Leon Andreasen. Der Däne meldete sich nach zwei Jahren Verletzungspause bärenstark zurück, war in den ersten Partien Hannovers Bester. Doch der Antreiber avancierte zum tragischen Helden, als er am fünften Spieltag gegen Nürnberg (4:1) schon nach zehn Minuten rausmusste. Diagnose: Kreuzbandriss. Er absolviert seine zeitintensive Reha in Hamburg und Kopenhagen.
Die "Roten" absolvieren in dieser Saison bisher eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Den Siegen in den Nordduellen gegen Wolfsburg (4:0) oder Werder (3:2) folgten enttäuschende Ergebnisse in Hoffenheim (1:3), Hamburg (0:1), München (0:5) oder gegen Freiburg (0:1). Nur in der Europa League lief alles nach Plan. Nach den erfolgreichen Play-offs gegen St. Patrick's Athletic blieb 96 in sechs Partien ungeschlagen und zog als Erster der Gruppe L in die Zwischenrunde ein. Gegner ist dort der russische Club Anschi Machatschkala. Insgesamt mussten die Niedersachsen im vergangenen Halbjahr 30 Pflichtspiele absolvieren. Wegen der schlechten Bilanz bei den Neuzugängen, aber auch durch die Verletzungen der Etablierten fehlten Slomka die Alternativen, um allen seinen Spielern nötige Pausen einräumen zu können.
Hannovers Coach Mirko Slomka fehlten oftmals die Alternativen.
Die Hannoveraner müssen sich deutlich steigern, um erneut einen internationalen Startplatz zu erspielen. Hoffnung macht vor allem, dass die Vertragsverhandlungen mit Slomka erfolgreich abgeschlossen wurden. Was er und sein Team zu leisten im Stande sind, haben sie schließlich oft genug gezeigt. Aber gelingt nun die Kehrtwende? Dringend müssen die Niedersachsen Konstanz in ihre Leistungen bringen. Auch Nationalkeeper Ron-Robert Zieler sollte schnell zu alter Klasse finden, in der Hinrunde wehrte der 23-Jährige unter 65 Prozent der Torschüsse ab. Zudem würde dem Kader sicher der eine oder andere Neuzugang guttun. Slomka braucht Alternativen in der Breite, aber auch in der Leistungsspitze seines Teams. Sonst war es das vorerst mit dem Status als Nummer eins im Norden.