Stand: 24.07.2015 07:24 Uhr

"Fußballmarkt ist Wachstumsmarkt"

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96-Präsident Martin Kind vermutet, dass die Ablösesummen weiter steigen werden.

Für die Fußball-Clubs der englischen Premier League scheint Geld keine Rolle zu spielen. Ein gigantischer Fernsehvertrag beschert den Vereinen bis zum Jahr 2019 fast sieben Milliarden Euro. Die Bundesliga hat nicht einmal die Hälfte. Schon jetzt zahlen englische Clubs Ablösesummen in schwindelerregender Höhe. Für das 20 Jahre alte Nachwuchstalent Raheem Sterling legt Manchester City fast 63 Millionen Euro auf den Tisch. Liverpool sichert sich für 41 Millionen den Hoffenheimer Roberto Firmino. Martin Kind, der Präsident von Hannover 96, denkt allerdings nicht, dass die Bundesliga den Anschluss verlieren wird: "Wir werden genug Angebot haben für den deutschen Markt," sagte er im Interview auf NDR Info.

Bundesliga geht nicht leer aus

Zwar hätten die englischen Clubs bessere Voraussetzungen, einen Topspieler verpflichten zu können, aber auch die hätten nur eine begrenzte Mannschaftsstärke von 30 bis 35 Spielern. "Das heißt, nicht alle werden im englischen Markt unter kommen", so Kind. Für die Bundesliga gebe es noch genügend Auswahlmöglichkeiten. Bisher habe er noch nicht erlebt, dass Spieler eher in die zweite englische Liga verkauft werden als in die deutsche Bundesliga; auch wenn es da mehr Geld gebe. "Die Spieler, die auf unserer Agenda stehen, scheinen für die englischen Vereine nicht so interessant zu sein", vermutet der 96-Boss.

Neues Geschäftsmodell als Konsequenz?

Kind hält es für möglich, dass das viele Geld die Strategien der Vereine beeinflussen könnte: "Ich kann mir vorstellen, dass Vereine sagen: Wir bilden aus, verkaufen sie teuer und können damit wirtschaftlich deutliche Ressourcen entwickeln." Allerdings erwartet der Fußball-Funktionär nicht, dass deutsche Vereine in nächster Zeit Topspieler wie Thomas Müller nach England verkaufen werden. "Vereine müssen kalkulieren: Was kostet die Wiederbeschaffung eines vergleichbar spielstarken Spielers?" Auch wenn er gelernt habe im Fußball nichts auszuschließen, kann Kind sich das nicht vorstellen: "Ich glaube nicht, dass die Vereine so kurz springen werden."

Mehr Geld wird fließen

"Ich vermute, dass die Preise in der Premier League noch weiter nach oben gehen", sagte Kind auf NDR Info. "Fußball ist ein Wachstumsmarkt." Er rechnet damit, dass die Summen vor allem in den Bereichen der Trainer, Sportdirektoren und im Transfermarkt steigen werden. "Es fließt sehr viel Geld in das System bei nur wenigen Marktteilnehmern." Das führe manchmal zu unvernünftigen Entscheidungen. Kind geht aber davon aus, dass die Vereine lernen werden "mit dem Mehrgeld sinnvoll umzugehen".

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NDR Info | 24.07.2015 | 06:50 Uhr