Stand: 05.02.2013 15:39 Uhr

96-Chef Kind und Fans in der Beziehungskrise

von Jens Otto

Zwischen den Fans von Hannover 96 und Clubchef Martin Kind hat es schon des öfteren geknallt - zuletzt wegen des Streits um eine Fahne mit dem Konterfei des Serienmörders Fritz Haarmann. Neuer Höhepunkt am vergangenen Wochenende: Im Bahnhof Achim randalierten 96-Anhänger und sorgten für eine Sperrung des Bahnhofs. "Es gibt eine Gruppe unter den Fans, die versucht, eigene Spielregeln zu definieren. Das werden wir aber nicht akzeptieren", sagte Kind gegenüber NDR.de. Vorher hatte er bereits drastische Konsequenzen angedroht, zum Beispiel den Verkaufsstopp von Eintrittskarten an Ultras. Das Verhalten von Teilen des eigenen Anhangs sei völlig inakzeptabel und beschädige die Marke Hannover 96 regional und national, so Kind weiter. Während es vor einigen Tage aber noch so klang, als halte Kind einen weiteren Dialog mit den Fans für sinnlos, zeigte er sich im Interview mit NDR.de nun zumindest wieder gesprächsbereit.

Fans reagieren gereizt auf Aussagen des Clubchefs

Die Beziehung zwischen Verein und Fans ist schon seit längerem zerrüttet. Die Randalierer unter den 96-Anhängern hatte Martin Kind als Pseudo-Fans bezeichnet. Ihr Ziel sei es, den Fußball als Plattform für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen. "Das ist bei den Fans nicht gut angekommen", so Florian Meyer von der Fanhilfe Hannover, die sich für die Rechte von 96-Anhängern einsetzt. Das Verhältnis zwischen der Vereinsführung und den Anhängern sei dadurch noch schwieriger geworden. Ein großer Teil der Anwesenden am Achimer Bahnhof habe sich schließlich gar nichts vorzuwerfen. Es dürfe nicht der Ansatz der Polizei und des Vereins sein, die vielen unschuldigen Fans mit den wenigen tatsächlichen Randalierern in einen Topf zu werfen, so Dauerkartenbesitzer Meyer gegenüber NDR.de. Die Fanhilfe hat rechtliche Schritte gegen den Polizeieinsatz in Achim angekündigt - wegen "völlig überzogener Eingriffe in die im Grundgesetz verankerte Bewegungsfreiheit".

Verein und Fans setzen sich am Montag zusammen

In der verfahrenen Situation will offenbar keiner den ersten Schritt machen. Im Gegenteil: Beide Parteien erwarten jetzt Zugeständnisse der jeweils anderen Seite. Zwar wünschen sich sowohl Fans als auch Verein eine Lösung der Krise, aber wie diese aussehen könnte, darauf hat im Moment noch niemand eine konkrete Antwort.Vielleicht können sich die zerstrittenen Parteien am kommenden Montag wieder näher kommen, dann stehen die ersten offiziellen Gespräche nach den Vorfällen in Achim an. Das Treffen hatte Martin Kind und andere 96-Funktionäre schon im Dezember mit Vertretern der Fans vereinbart. Nun werden die aktuellen Ereignisse die Tagesordnung bestimmen. "Ich glaube, allen Beteiligten ist im Moment gut daran gelegen, wenn sie tief durchatmen und dann einen Gang zurückschalten", findet Florian Meyer. Auf jeden Fall muss der Verein schnell eine Lösung finden: Das Image steht auf dem Spiel und Martin Kind hat mit seiner Ankündigung von Konsequenzen selbst für Handlungsdruck gesorgt.