Stand: 05.01.2016 15:38 Uhr

Belek: Der Wintergarten der Fußballclubs

In Belek geben sich die Fußballclubs im Januar die Klinke in die Hand.

Belek, an der türkischen Riviera, im Sommer Badehochburg für zigtausende sonnenhungrige Touristen, im Winter ein einziges Fußball-Trainingslager. Anfang der 1990er-Jahre machte der Wanderzirkus Profifußball erstmals in Belek Station. Ex-Werder-Torwart Dieter Burdenski, der bereits während seiner Karriere ein Reisebüro gründete, entdeckte die kleine Stadt 30 Kilometer östlich von Antalya und organisierte für Teams wie Schalke 04 oder Dortmund Winter-Trainingslager. Hatte die 6.000-Seelen-Gemeinde damals zwei Fußballplätze zu bieten und eine Handvoll Schlafmöglichkeiten, sind es heute rund 80 Plätze und 65 Hotel-Resorts, in denen jeden Winter 700 Mannschaften aus der ganzen Welt einziehen, darunter zahlreiche deutsche Clubs. In diesem Januar holen sich allein aus dem Norden der HSV, Werder Bremen, Hannover 96, St. Pauli und Osnabrück den letzten Schliff für die anstehenden Restrunden in Belek. "Es gibt nichts Vergleichbares in der Welt", sagte Burdenski dem WDR.

Labbadia: "Top-Bedingungen und Testspielgegner"

HSV-Coach Bruno Labbadia fasst die Vorzüge einer Stippvisite an der türkischen Riviera zusammen: "Man hat Top-Bedingungen, die Temperaturen sind ordentlich und man hat Testspielgegner.“ Im Januar ist es wohl nirgendwo auf der Welt einfacher für Proficlubs einen Gegner für ein Vorbereitungsspiel zu finden, oder auf die Schnelle einen Ersatz-Kontrahenten. Das ist gelegentlich nötig, wenn die "Match-Agents", wie die von den Agenturen in ihren Rund-um-Sorglos-Paketen für die Vereine gestellten Testspiel-Organisatoren vor Ort gerufen werden, mal wieder etwas übertrieben haben und Mannschaften doppelt gebucht haben. Zwischen Januar und März werden auf den Plätzen über 1.000 Testspiele angepfiffen.

Vereine loben Preis-Leistungs-Verhältnis

Je nach Hotel können die Kosten für die Clubs für einen Wochen-Aufenthalt in Belek im sechsstelligen Bereich liegen. Und obwohl die Preise laut Burdenski in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sind, loben die Vereine immer noch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Was nicht zuletzt an der guten Qualität der Plätze liegt. Burdenski und Co. sowie die Hoteliers vor Ort hatten schnell kapiert, dass die Trainingsbedingungen das wichtigste Kriterium für die Vereine sind. Ohne die Club-Wanderung hätte der komplett auf Tourismus ausgelegte Badeort in der Süd-Türkei im Winter ein großes Problem. Zumal die Teams noch zahlreiche Fans, die ihren Idolen für ein paar hundert Euro in den Vorbereitungs-Trainingslagern viel näher als sonst kommen können, Journalisten und Berater im Schlepptau haben.

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