Stand: 16.11.2015 14:29 Uhr

"Wir werden in jeder Phase des Spiels mittrauern"

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Bundestrainer Joachim Löw schilderte, wie die Mannschaft die Ereignisse in Paris erlebt hat.

"Es war für uns alle eine schockierende Nacht", sagt Bundestrainer Joachim Löw, als er gefragt wird, wie es ihm und der Mannschaft nach der Terrornacht in Paris gehe. Es war klar, dass es bei der Pressekonferenz zum Länderspiel gegen die Niederlande am Dienstagabend in Hannover nicht in erster Linie um Sportliches gehen würde. Und deshalb will der Bundestrainer, der gemeinsam mit der Mannschaft die Nacht in den Katakomben des Stade de France verbringen musste, sich zu den sportlichen Aspekten, etwa der Einschätzung der niederländischen Gegner, nur zögerlich etwas sagen. Auch die Tatsache, dass es am Dienstag eigentlich um ein Testspiel zur EM-Vorbereitung gehen sollte, wischt der Bundestrainer an diesem Tag vom Tisch: "Das muss hintenangestellt werden", sagt er. Die sportliche Rivalität mit den Niederländern solle diesmal in den Hintergrund treten. Man wolle sich aber professionell verhalten und "so konzentriert wie möglich spielen".

"Dieses Spiel muss stattfinden"

Der Gedanke, das Länderspiel in Hannover, das nur wenige Tage nach den Terroranschlägen stattfindet, abzusagen, sei da gewesen, gibt Löw zu. Nach dem ersten Schock sei aber für alle klar gewesen: "Dieses Spiel muss stattfinden." Es sei ein Symbol für Freiheit und Demokratie, aber auch für Mitgefühl und Solidarität mit Frankreich und den Opfern. "Wir werden in jeder Phase dieses Spiels mitfühlen und mittrauern", macht Löw klar.  

Sporthotel durchsucht

Nach den Ereignissen von Paris habe es Kontakt mit den "höchsten Instanzen der Sicherheit" gegeben, erzählt Löw. Deshalb mache er sich keine Sorgen. Und Teammanager Oliver Bierhoff berichtet, dass er auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Thomas de Mazière (CDU) telefoniert habe. Das Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen, wo sich die DFB-Elf auf ihr Spiel morgen Abend vorbereitet, sei von Polizisten mit Spürhunden durchsucht worden. "Wir haben die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Mannschaft erhöht", sagte Bierhoff.

Auch für Bierhoff stand nach dem ersten Durchatmen fest, dass die Mannschaft mit dem Länderspiel gegen die Niederlande für "unsere Werte, unsere Kultur und unsere Freiheit eintreten" werde.

Teamhotel weiträumig abgesperrt   

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Das Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen ist am Montag weiträumig abgesperrt.

Um das Hotel der Nationalmannschaft herrscht am Montag nur eine leicht erhöhte Polizeipräsenz. Allerdings sind mehr Sicherheitsleute als sonst zu sehen, und auch die Zufahrt zum DFB-Quartier in Barsinghausen ist diesmal 150 Meter vor dem Gebäude mit Straßensperren blockiert. Also keine Chance für die Fans, ein Autogramm der Weltmeister zu ergattern.

Motto "Wir sind vereint"

Nach den verheerenden Anschlägen in der französischen Hauptstadt hatte der DFB am Sonntag verkündet, dass Fußballer und Politiker ein Zeichen der Verbundenheit mit Frankreich setzen wollten. "Nous sommes unis" - "Wir sind vereint" - soll das Motto des Freundschaftsspiels lauten.

Kanzlerin Merkel und niederländische Sportministerin kommen nach Hannover

Auch Bundeskanzlerin Merkel wird am Dienstagabend im Stadion in Hannover dabei sein. Mit dabei: Bundesinnenminister Thomas de Mazière (CDU), Justizminister Heiko Maas (SPD) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD). Aus den Niederlanden werden nach Angaben des Generalkonsulats Sportministerin Edith Schippers und weitere Kommissare des Königreichs erwartet. Außerdem sehen sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Innenminister Boris Pistorius (SPD) das Spiel live vor Ort an.

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