So kennt ihn Fußball-Deutschland.
Ailton. Den ehemaligen Bremer. Den Bundesliga-Torschützenkönig 2004 (28 Treffer).
Den deutschen Meister.
Den Pokalsieger.
Den exzentrischen Brasilianer, der in 211 Bundesligaspielen 105 Tore erzielt hat.
Werders damaliger Trainer Wolfgang Sidka entdeckt Ailton und holt ihn 1998 für 5,5 Millionen Mark nach Deutschland.
Doch in der ersten Zeit in Bremen findet sich Ailton, wegen seines leicht massigen Körpers belächelt und bereits als Fehleinkauf abgestempelt, oftmals auf der Ersatzbank wieder. Sidka-Nachfolger Felix Magath verbannt den "Kugelblitz" schließlich sogar auf die Tribüne.
Selten sieht man ihn so jubeln,…
...bis er unter Thomas Schaaf sein Potenzial ausschöpft. Der Coach trifft offenbar häufig den richtigen Ton bei seinem Schützling, dessen Eskapaden immer wieder für Schlagzeilen sorgen.
Dazu zählen unter anderem permanentes Zuspätkommen nach Trips in die Heimat, Leistungseinbrüche nach der Winterpause, Fahren ohne Führerschein und private Probleme. So eskaliert im März 2003 ein Streit mit Ailtons damaliger Freundin und späteren Ehefrau Rosalie, als der Fußball-Profi handgreiflich wird. Ailton räumt alles ein und spendet 5.000 Euro.
Auf dem Platz ist Ailton längst nicht mehr kostspieliger Flop, sondern effektiver Topstürmer, der Werder 2004 zum Double aus deutscher Meisterschaft und DFB-Pokalsieg schießt.
Nach den Titelgewinnen…
...und den Feierlichkeiten mit Fans und Teamkollegen am Bremer Rathaus...
...zieht es Deutschlands "Fußballer des Jahres 2004" - er wird als erster ausländischer Spieler dazu gekürt - in Richtung Gelsenkirchen.
Er wechselt zum FC Schalke 04, wo er bereits im Oktober 2003 einen ab der Saison 2004/05 gültigen Vertrag unterschrieben hatte. Ein fataler Abschied vom Bremer Glück: Statt den Lebenstraum Champions League zu verwirklichen, muss er nun im UI-Cup ran.
Nach dem verlorenen Pokalfinale 2005 gegen Bayern München (1:2) ...
...und vielen Missverständnissen zieht Ailton weiter.
Er unterschreibt bei Besiktas Istanbul. Doch auch hier wird der untersetzte Angreifer nicht glücklich.
Nächste Station: Hamburg. Der HSV leiht Ailton im Januar 2006 bis zum Saisonende von Besiktas aus. Doch auch dieses Engagement steht unter keinem guten Stern.
In seinem dritten Bundesligaspiel für die Hanseaten bricht sich Ailton den Unterkiefer. Der HSV entscheidet sich gegen die Option auf eine Vertragsverlängerung mit dem Stürmer, der den Verein somit nach nur sechs Monaten wieder verlässt.
Über Roter Stern Belgrad und Grashoppers Zürich (Foto) kommt Ailton wieder nach Deutschland.
Doch in Duisburg suspendiert Coach Rudi Bommer Ailton vom Trainingsbetrieb, nachdem er unentschuldigt beim Trainingsauftakt gefehlt hatte.
Ailton und der MSV einigen sich auf eine vorzeitige Vertragsauflösung, nach nur einem halben Jahr ist Schluss. Es geht weiter nach Donezk (Ukraine), Altach (Österreich), Campinense (Brasilien) und Chongqing Lifan (China).
Im Dezember 2009 unterschreibt Ailton...
...dann beim Sechstligisten KFC Uerdingen,...
...bevor es ihn zur Spielzeit 2010/2011 wieder nach Bremen verschlägt - zum FC Oberneuland in die Vierte Liga. Sein Gastspiel dort endet im Februar 2011. Nach Unstimmigkeiten einigen sich beide Seiten auf eine sofortige Vertragsauflösung. Danach wird es ruhiger um den umtriebigen "Kugelblitz", bis...
...der Dschungel nach dem einstigen Topstürmer ruft. Der 38-Jährige gehört zu den Prominenten der C- bis E-Kategorie, denen ein Privatsender alljährlich eine Plattform zur Reanimation ihrer gestrandeten Karrieren bietet.
Zum Dschungelkönig langt es für den früheren Erstliga-Torschützenkönig zwar nicht. Aber Ailton kehrt voller Tatendrang aus Australien zurück. Er nimmt eine Single auf und bietet dem Zweitligisten Eintracht Frankfurt seine Dienste an. Die Hessen lehnen allerdings ab.
Ailtons Tingeltour bei unterklassigen Vereinen geht im Sommer 2012 weiter. Er unterschreibt beim rheinland-pfälzischen Sechtligisten Hassia Bingen.