Stand: 14.02.2016 23:27 Uhr

Lienen: "Leipzig ist nicht unser Feind"

Ecke - Tor, so einfach hat es sich Ewald Lienen noch nie gemacht. Nicht, wenn es um Fußball geht und auch nicht bei gesellschaftlichen Themen. Im Vorfeld des zum "Klassenkampf" stilisierten Duells seines FC St. Pauli mit Zweitliga-Spitzenreiter RB Leipzig, das die Kiezkicker am Freitagabend mit 1:0 für sich entschieden hatten, hatte der Coach mit missverstandenen Aussagen die ohnehin angespannte Atmosphäre angeheizt. Im Sportclub stellte der 62-Jährige klar: "Leipzig ist nicht unser Feind, sondern unser sportlicher Gegner. Natürlich brauchen auch wir Geld, um unsere Ziele zu erreichen. Natürlich müssen wir kommerziell denken." Einen entscheidenden Unterschied hat der Trainer-Routinier allerdings ausgemacht: "Wir bekommen nur Sponsoren, wenn wir den sportlichen Erfolg vorweisen können. Bei Leipzig ist es anders herum."

Rangnick: "Ziemliche Heuchelei, wenn so getan wird, als ob hier alles anders wäre"

RB-Coach Ralf Rangnick stört die "Klassenkampf"-Debatte sichtlich. Nach der Niederlage am Millerntor richtete er im NDR klare Worte in Richtung FC St. Pauli. "Ich finde das eine ziemliche Heuchelei, wenn so getan wird, als ob hier alles anders wäre. Jeder, der ein bisschen seinen Verstand einschaltet und sich hier umschaut, muss eigentlich selber darüber lachen", sagte Rangnick mit Verweis auf die gut gefüllte Sponsorenwand des Kiezclubs, vor der die obligatorischen Interviews geführt werden. Lienens launige Replik im Sportclub: "Ich wäre froh, wenn das alles verschiedene Sponsoren wären."

Kein RB-Logo auf der St.-Pauli-Homepage

Dass das Duell FC St. Pauli gegen RB Leipzig eines mit vielen Gegensätzen ist, ist unbestritten. Hier der als alternativ geltende Kiezclub, der seinen Werten treu bleiben will und die sportlichen Ziele mit weitaus bescheideneren Mitteln als sein Gegner erreichen muss. Dort der vom österreichischen Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz alimentierte sächsische Club, der mit aller Macht in die Bundesliga geführt werden soll. Inzwischen kommt es regelmäßig zu Irritationen zwischen den ungleichen Vereinen. Vor dem Hinspiel hatte St. Pauli auf seiner Homepage das dem Konzern-Logo ähnelnde RB-Logo entfernt. Seitdem steht dort schlicht Leipzig. Die RB-Verantwortlichen nannten das Vorgehen damals schlicht "albern".

Lienens Wortwahl sorgt für Zündstoff

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Vor dem Spiel am Freitag hatte Lienens Antwort auf die Frage, ob er Bedingungen wie bei dem mit viel Geld des Hauptsponsors unterstützen Verein aus Leipzig als Paradies empfinde, für Zündstoff gesorgt. "Wenn die Alternative wäre, den Fußball den Faschisten und dem Kommerz zu überlassen, verzichte ich gerne auf die Möglichkeit", hatte er gesagt. St. Pauli erkannte die Brisanz Lienens Wortwahl und setzte sich umgehend mit den Leipzigern in Verbindung. "Das sollte kein Angriff auf Leipzig sein. Das war von Ewald Lienen unglücklich formuliert", sagte Medienchef Christoph Pieper. Die Leipziger akzeptierten die Erklärung. "Da wird sehr viel von außen hereingetragen. Ich bin da auch selber in die Falle getappt und hätte nie gedacht, dass meine Worte so interpretiert werden könnten", sagte Lienen im Sportclub.

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