Stand: 16.10.2017 12:15 Uhr

Youssoufa Moukoko: Eine Frage des Alters

von Andreas Bellinger und Hendrik Deichmann

Auf dem Fußballplatz ist er schon ein Großer - im richtigen Leben aber ist Youssoufa Moukoko den Kinderschuhen offiziell gerade erst entwachsen. Mit seinen zwölf Jahren ist der in Kameruns Hauptstadt Jaunde geborene deutsche Jugend-Nationalspieler mitten drin in der Pubertät. "Eine aufregende Zeit", nennt das Entwicklungspsychologe Jean Piaget, was wahrscheinlich nur Youssoufas Eltern und vielleicht seine Lehrer beschäftigen würde, wenn er nicht Fußballer wäre und mit der zwei bis drei Jahre älteren Konkurrenz in der U16-Nationalmannschaft und U17 von Borussia Dortmund spielend leicht mithalten würde. Die Zweifel an seinem Geburtstag, 20. November 2004, sind jedenfalls allgegenwärtig und befeuern die Forderung nach medizinischen Verfahren zur Bestimmung des korrekten Alters.

Youssoufa Moukoko (r.) in Aktion © dpa Fotograf: Peter Ludewig

Wie alt ist Fußball-Wunderkind Moukoko?

Sportclub -

Youssoufa Moukoko ist ein Fußball-Wunderkind und mit zwölf Jahren schon besser als viele seiner Mitspieler in der U17 von Borussia Dortmund. Doch ist der Jungprofi in Wahrheit älter?

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Rechtsmediziner Püschel hegt Zweifel

Doch während der Fußball-Weltverband FIFA das Alter seit 2009 mittels einer Untersuchung der Skelettentwicklung und speziell der Handwurzelknochen bei seinen Wettbewerben testet, verzichtet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf solche Verfahren. Obwohl sich der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel schon beim Blick auf Moukokos Foto im NDR Sportclub sicher ist: "Für mich ist er mindestens über 16." Der DFB hält sich an Moukokos Geburtsurkunde, die nach Angaben seines Vaters vom deutschen Konsulat in Jaunde ausgestellt worden ist. Das Auswärtige Amt in Berlin bestreitet das. Laut "Welt am Sonntag" teilte die Behörde mit: "Die Botschaft in Jaunde hat keine deutsche Geburtsurkunde ausgestellt." Eine Nachbeurkundung sei 2016 beim Standesamt Hamburg-Harburg erfolgt.

"Es ist die Angst vor der Wahrheit"

Der frühere FIFA-Direktor Guido Tognoni hält das Vorgehen im "Fall" Moukoko für einen Fehler: "Es ist die Angst vor der Wahrheit; womöglich noch als Rassist dazustehen. Aber dann kommt etwas heraus, was für den Deutschen Fußball-Bund allenfalls viel peinlicher wäre, als wenn man jetzt eine Untersuchung erzwingen würde." Doch schon bei Moukokos Verein, Borussia Dortmund, sind sich die Verantwortlichen uneins, gehen die Meinungen auseinander. Während Nachwuchskoordinator Lars Ricken "keinen Zweifel" am Alter Moukokos hat ("Er ist zwölf, das ist ein Fakt."), äußert sich U23-Teammanager Ingo Preuß vorsichtiger: "Ich könnte mir vorstellen, dass sein Alter lediglich geschätzt worden ist. Vielleicht ist er in Wirklichkeit ein, zwei Jahre älter."

Scouts standen Schlange

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19 Tore in neun Spielen für Dortmunds U17: Youssoufa Moukoko.

Ob die Geburtsurkunde korrekt ist, war wohl schon bald fraglich, als Youssoufa Moukoko 2014 zu seinem in Hamburg lebenden Vater kam und sich dem FC St. Pauli anschloss. Ex-Profi Otto Addo weiß, dass in Afrika genaue Geburtstermine bisweilen schwer zu bestimmen sind. "Man muss für alles zahlen und dieses Geld haben viele eben nicht. Man kann nicht hundertprozentig davon ausgehen, dass jeder der geboren wird, auch gemeldet wird", sagt der in Hamburg geborene ehemalige BVB-Profi. "Es gibt auch Fälle, wo herauskam, dass sich Spieler jünger gemacht haben." Zweifel an Moukokos Alter schienen spätestens angebracht, als der damals Elfjährige in der Saison 2015/2016 23 Mal für die U15 der Kiezkicker traf - und Scouts von Manchester United bis Bayern München Schlange standen.

Moukoko aber ging zu Borussia Dortmund, wo er seit dieser Saison schon in der U17 spielt und am vergangenen Wochenende im Derby bei Schalke 04 im neunten Spiel seine Tore 18 und 19 erzielt hat. Auch in der U16-Auswahl des DFB trifft der angeblich Zwölfjährige. Beim 4:2 gegen Belgien - seinem vierten Länderspiel - gelang ihm jüngst vier Minuten nach seiner Einwechslung quasi mit dem Pausenpfiff das 2:1. Es war sein dritter Treffer im DFB-Trikot.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 15.10.2017 | 23:10 Uhr

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