Stand: 09.03.2016 13:23 Uhr

Wolfsburg will Real Madrid "mal mitnehmen"

Luiz Gustavo (l.) und der VfL Wolfsburg wollen in der Champions League weiter für Furore sorgen.

Als der 1:0-Arbeitssieg gegen die KAA Gent und der damit verbundene Viertelfinaleinzug in der Champions League geschafft war, drohte Dieter Hecking seine Stimme zu verlieren. Der Coach des VfL Wolfsburg krächzte mehr als dass er sprach, als er der Presse seine Sicht der Dinge mitteilte. Dabei hatte sich der 51 Jahre alte Fußballlehrer zuvor an der Seitenlinie keineswegs die Seele aus dem Leib geschrien. "Die Grippe hat mich wieder erwischt", gab Hecking zu Protokoll und kündigte an: "Ich werde einen Kamillentee oder sowas trinken." Dabei wäre ein Siegerbierchen oder ein Glas Schampus für ihn und die übrige VfL-Belegschaft doch angemessener gewesen. Schließlich gehört der Werksclub erstmals in seiner Vereinsgeschichte zum Kreis der acht besten Königklassen-Teams.

Hecking will noch weit kommen

Gefeiert werden soll in der Autostadt aber erst in vielen, vielen Wochen. Idealerweise im Anschluss an das Endspiel am 28. Mai in Mailand. Denn der Erfolgshunger der "Wölfe" ist noch lange nicht gestillt. "Ich bin noch nicht dabei, einen Schlussstrich unter die Champions-League-Saison zu ziehen. Jetzt geht's erst richtig los", erklärte Hecking ebenso krächzend wie forsch. Matchwinner André Schürrle meinte nicht minder selbstbewusst: "Jetzt ist alles möglich." Einzig über das potenzielle kommende "Wölfe"-Opfer herrschte im Lager des Pokalsiegers und Vizemeisters Uneinigkeit. "Chelsea hätte ich Lust, das wäre geil", sagte Schürrle, der vor seinem Engagement bei den Niedersachsen für die Londoner gestürmt war. Julian Draxler wünschte sich Titelverteidiger FC Barcelona, "wenn auch vielleicht nicht gleich im Viertelfinale", und Maximilian Arnold träumt von einem Duell mit Madrids Superstar Christiano Ronaldo: "Real kann man mal mitnehmen."

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Zuschauerzuspruch nicht Champions-League-reif

Sollte dem VfL am 18. März in Nyon tatsächlich der spanische Rekordmeister oder eben ein anderes absolutes Topteam zugelost werden, würde wohl auch der Zuschauerzuspruch in Wolfsburg endlich Champions-League-reif sein. Wie bereits in den Gruppenspielen gegen den ZSKA Moskau und die PSV Eindhoven blieben auch im Rückduell mit Gent viele Plätze in der Arena an den Allerwiesen leer. Lediglich 23.457 Zuschauer waren Zeugen des historischen VfL-Einzugs in die Runde der letzten Acht. Das war gewiss zum einem dem Kontrahenten geschuldet, der auf europäischer Bühne keinen sonderlich klangvollen Namen hat. Andererseits zeigte der schwache Besuch aber auch, dass der Werksclub trotz aller Erfolge noch immer ein Imageproblem hat. Das könnte ein Duell mit Real, "Barca" oder Chelsea wohl auch nicht auf die Schnelle beheben. Aber: "Die Aufmerksamkeit für den Verein wird größer in Europa. Das ist für alle Beteiligten gut", meinte Schürrle.

Kruse: "Fokus jetzt auf die Bundesliga legen"

Der Stürmer hat seine monatelang anhaltende Formkrise abgelegt und ist nun ein Gesicht des Wolfsburger Aufschwungs. Auch Draxler hat seine Anlaufschwierigkeiten beim VfL offenbar hinter sich gelassen. Gemeinsam mit Max Kruse und Arnold bilden die Weltmeister derzeit eine Art "magisches Viereck". Kann das Offensiv-Quartett seine Form konservieren, scheint für die "Wölfe" auch international noch einiges möglich. Vor der Kür, dem nächsten Auftritt in der Königsklasse, steht für die Niedersachsen aber die Pflicht auf dem Programm. Nun warten mit den Abstiegskandidaten TSG Hoffenheim und Darmstadt 98 zwei Kontrahenten auf das Hecking-Team, gegen die Siege Pflicht sind, soll die Aufholjagd auf Platz drei fortgesetzt werden. "Jetzt gilt es, den Fokus wieder auf die Bundesliga zu legen", forderte Kruse daher auch unmittelbar nach der Gent-Partie. Hoffenheim und Darmstadt vor der Brust, Real, "Barca" und Chelsea im Hinterkopf: Die VfL-Profis stehen fraglos vor einem schwierigen Spagat.

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