Stand: 09.12.2015 08:46 Uhr

CL: Wolfsburg als Gruppensieger im Achtelfinale

von Sebastian Ragoß, NDR.de

Der VfL Wolfsburg steht erstmals in seiner Vereinsgeschichte im Achtelfinale der Fußball-Champions-League. Die Niedersachsen setzten sich am Dienstag im letzten Gruppenspiel gegen den englischen Rekordmeister Manchester United mit 3:2 (2:1) durch und sicherten sich so den Gruppensieg. Mann des Abends war Verteidiger Naldo, der zwei Treffer für den VfL markierte. "Die Mannschaft hat einen hervorragenden Job gemacht", lobte VfL-Coach Trainer Dieter Hecking. Die Briten um Weltmeister Bastian Schweinsteiger rutschten hinter die PSV Eindhoven auf den dritten Tabellenplatz ab und spielen in der Europa League weiter.

"Wölfe" schreiben Geschichte: CL-Achtelfinale

Martial legt vor, Naldo gleicht aus

VfL Wolfsburg - Manchester United 3:2 (2:1)

Tore: 0:1 Martial (10.), 1:1 Naldo (13.), 2:1 Vieirinha (29.), 2:2 Guilavogui (82./Eigentor), 3:2 Naldo (84.)
Wolfsburg: Benaglio - Träsch, Naldo, Dante, Ricardo Rodriguez (16. Schäfer) - Guilavogui, Arnold - Vieirinha (78. Klose), Kruse, Draxler (85. Caligiuri) - Schürrle
Manchester United: De Gea - Darmian (43. Borthwick-Jackson), Smalling, Blind, Varela - Fellaini, Schweinsteiger (69. Carrick) - Lingard, Mata (69. Powell), Depay - Martial
Zuschauer: 26.400 (ausverkauft)

Manchester United ist noch immer ein großer Name. Doch die angsteinflößende Wucht und Präsenz früherer Tage hat die Mannschaft nicht mehr, obwohl sie in Louis van Gaal den nach eigener Einschätzung besten Trainer der Welt auf der Bank sitzen hat. Die "Wölfe" jedenfalls stürmten forsch drauf los, dabei hätte ihnen ein Remis zum Weiterkommen gereicht. Max Kruse verlängerte den Ball mit dem Hinterkopf zu André Schürrle, der allerdings viel zu hektisch abschloss und deutlich über das Tor schoss (3.). United schien noch in der Orientierungsphase zu sein, schlug dann aber eiskalt zu. Juan Mata schickte mit einem tollen Pass Anthony Martial. Der Franzose ließ Diego Benaglio im Wolfsburger Tor keine Abwehrchance (10.). Ein Schock für den VfL? Keineswegs. Drei Minuten später erzielte der DFB-Pokalsieger den Ausgleich. Ricardo Rodriguez bediente mit einer Freistoßflanke Naldo, der in Mittelstürmermanier den Ball volley versenkte. Rodriguez verletzte sich allerdings beim Ausführen des Freistoßes und musste wenig später ausgewechselt werden.

Traumhafte Kombination führt zum 2:1

Die Zuschauer in der dieses Mal ausverkauften Arena kamen voll auf ihre Kosten. Es ging in hohem Tempo hin und her. Die nächste Chance hatten die Engländer. Marouane Fellaini setzte sich in der Luft gegen Dante durch, Benaglio parierte mit guter Reaktion (27.). Dann war wieder der VfL an der Reihe und zauberte den Ball ins United-Tor: Seitenwechsel Schürrle auf Julian Draxler, Doppelpass mit Max Kruse, Querpass auf Vieirinha - 2:1 (29). Ein Treffer, den auch Barcelonas magisches Sturmdreieck nicht besser hätte herausspielen können. Wolfsburg war insgesamt zielstrebiger und direkter in seinen Aktionen, hatte aber Glück, dass Manchester vor der Pause nicht noch den Ausgleich erzielte. Eine Flanke von Jesse Lingard rutschte ins Netz. Doch nach kurzer Beratung entschied das Schiedsrichtergespann zu Recht, dass Mata im Abseits gestanden und Benaglio entscheidend irritiert hatte (45.).  

Turbulente Schlussphase

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Die Entscheidung: Naldo köpft das 3:2 für die "Wölfe".

Zumindest war die Aktion ein deutliches Warnsignal für die "Wölfe", die allerdings ein wenig die Kontrolle über die Partie verloren. United gelang es, das Spielgeschehen weiter in die Wolfsburger Hälfte zu verlagern. Memphis Depay hatte die Gelegenheit zum 2:2: Seinen akrobatischen Seitfallzieher parierte Benaglio (60.). Und plötzlich war auch der VfL wieder hellwach und hatte seinerseits gute Chancen. Schürrles Lupfer lenkte David De Gea in höchster Not mit dem rechten Arm um den Pfosten (64.), ebenso den nächsten Versuch des Nationalspielers (67.). Glück hatte der Spanier, dass Kruse anschließend einen Volleyschuss um Zentimeter neben das Tor setzte (68.). Dann nahm van Gaal gleichzeitig die Weltmeister Schweinsteiger und Mata vom Feld, um noch einmal Impulse für die Schlussoffensive zu setzen. Ein Freistoß-Knaller von Depay ging denkbar knapp vorbei (73.). Dann halfen die "Wölfe": Josuha Guilavogui lenkte den Ball unglücklich ins eigene Tor (82.). Wieder schüttelten sich die Niedersachsen nur kurz und wieder war Naldo zur Stelle. Der Deutsch-Brasilianer köpfte keine 120 Sekunden später den 3:2-Siegtreffer. Im Achtelfinal-Hinspiel fehlt der Held des Abends allerdings aufgrund einer Gelbsperre. Die letzte Chance des Spiels hatte Manchester, Chris Smalling vergab sie (89.). Ein Remis hätte United jedoch nicht zum Weiterkommen gereicht.

Zuschauer müssen länger in der Arena bleiben

Nach der Partie durften einige Zuschauer das Stadion aus Sicherheitsgründen zunächst nicht verlassen. Die Polizei hatte einen verdächtigen Gegenstand auf einem Parkplatz gefunden. Ein Polizeisprecher sagte, es habe sich um eine "reine Vorsichtsmaßnahme" gehandelt. Ein Karton sei von Fachleuten untersucht worden: "Die haben Entwarnung gegeben." Nach und nach konnten dann alle Zuschauer die Arena wieder verlassen.

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