Stand: 02.03.2016 13:00 Uhr

VfL-Held Schürrle: Sollen die Anderen doch reden

Derbyheld: Wolfsburgs André Schürrle erzielte drei Treffer beim 4:0 in Hannover.

Es war nur eine kleine Geste. Aber sie hatte große Aussagekraft. André Schürrle tat so, als ob er sich selbst eine Ohrfeige verabreichen wolle. Jeden seiner drei Treffer im Niedersachsen-Derby bei Hannover 96 (4:0) bejubelte der Stürmer des VfL Wolfsburg auf diese doch ungewöhnliche Art und Weise. Es war ein Wink an seine Kritiker. Ein Ausdruck davon, dass er, der Fußball-Weltmeister, viel hatte einstecken müssen in jüngster Zeit. "Es wurde viel Blödsinn erzählt in den letzten Wochen. Von daher tut es gut, dass ich mir bewiesen habe, dass es nocht geht", machte der 25-Jährige dann auch im Gespräch mit dem NDR Hörfunk aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Hecking: "Hatten Zweifel an Schürrle"

Mit einiger Verspätung scheint der Strahlemann aus Mainzer und Leverkusener Zeiten, der bei den "Wölfen" sein Lächeln verloren hatte, endlich beim VfL angekommen zu sein. 13 Monate nach seinem Wechsel aus London an den Mittellandkanal zeigte der aus Ludwigshafen stammende Spaß- und Straßenfußballer, warum der Werksclub für ihn 32 Millionen Euro an den FC Chelsea überwiesen hatte. Seine zuvorigen Auftritte im "Wölfe"-Jersey hatten zwischen gut (selten), akzeptabel (häufig) und ungenügend (für sein Potenzial zu oft) geschwankt. Dementsprechend unzufrieden waren die VfL-Verantwortlichen mit dem zweitteuersten Einkauf der Clubgeschichte. "Er hat immer an sich geglaubt, wir hatten ja auch immer mal wieder ein paar Zweifel", gab Trainer Dieter Hecking am Dienstagabend freimütig zu.

Schürrle: Flügelflitzer, "Rockstar", WM-Held

Enttäuschende Bilanz im VfL-Trikot

Die Zahlen sprachen tatsächlich bis zu diesem Abend in Hannover gegen den Mann, der Mario Götzes Siegtreffer im WM-Finale 2014 gegen Argentinien vorbereitete. In der vergangenen Saison waren Schürrle lediglich ein Bundesliga-Treffer und drei Vorlagen gelungen. In dieser Serie hatte er vor dem 96-Spiel ebenfalls nur eine "Bude" erzielt und viermal aufgelegt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis beim früheren Mainzer "Bruchweg-Boy" stimmte nicht. Zudem berichteten Wolfsburger Medien, der Angreifer würde mit seiner Wahlheimat und seinem Arbeitgeber noch immer fremdeln. Es schien bereits so, als könne die vertraglich bis 2019 fixierte Partnerschaft zwischen Schürrle und dem Autoclub bald ein vorzeitiges Ende nehmen.

Ist der Knoten nun geplatzt?

Nun aber ruhen plötzlich wieder die Hoffnungen des VfL auf den schmalen Schultern des Nationalspielers. "Auf so ein Spiel hat er lange gewartet bei uns. Ich hoffe, dass es ihm und der Mannschaft jetzt den Schub gibt, dass wir in den nächsten Wochen unsere Punkte holen und wir da vorne noch mal richtig reinkommen", sagte Hecking. Drei Tore erwarte er von dem Stürmer am kommenden Sonnabend gegen Gladbach (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) jedoch nicht unbedingt. "Es würde mir schon reichen, wenn er das entscheidende macht", meinte der Coach mit einem Augenzwinkern.

Lieblingstag 1. März

Statistisch gesehen darf der Übungsleiter ohnehin nicht so bald mit einem erneuten Dreierpack von "Schü", wie der WM-Held gerufen wird, rechnen. Auf Vereinsebene packte er sie bis dato jeweils am 1. März aus. So vor zwei Jahren im Chelsea-Trikot gegen Fulham (3:1) und nun im Duell mit 96. Bleibt für den 25-Jährigen und seinen Arbeitgeber zu hoffen, dass er bis zum 1. März 2017 nicht wieder mit Toren geizt. Der 32-Millionen-Euro-Einkauf muss nun beständig liefern. Sonst würde fraglos bald wieder Kritik auf ihn einstürzen.

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