Stand: 28.02.2016 12:41 Uhr

Werders wackeliges Bekenntnis zu Skripnik

Werder-Manager Thomas Eichin (r.) hält trotz des Bremer Negativlaufs an Coach Viktor Skripnik fest.

Zuweilen lässt ein einziges Wort sehr viel Interpretationsspielraum. Beispielsweise der Begriff "momentan". Werder Bremens Manager Thomas Eichin hat ihn am frühen Samstagabend benutzt. Wenige Minuten nach dem Abpfiff der Begegnung gegen Darmstadt 98 (2:2) sagte der 49-Jährige auf Nachfrage des NDR Hörfunks zur Zukunft von Coach Viktor Skripnik: "Momentan ist er unser Trainer." Er wolle eine Viertelstunde nach dem Spiel nicht "irgendwelche Prognosen und Statements" zu dem Übungsleiter abgeben, ergänzte Eichin. "Wir als Verein sind unter Druck, nicht Viktor Skripnik", schloss der Geschäftsführer. Was von seinen Ausführungen hängen blieb, war jedoch primär dieses eine Wort. Dieses "momentan". Es lässt erahnen, dass Eichin inzwischen nicht unerhebliche Zweifel an den Retterqualitäten des Ukrainers hat.

Eichin in der Zwickmühle

Der frühere Bundesliga-Profi ist in der Zwickmühle. Auf der einen Seite kann er nicht die Augen davor verschließen, dass dem Club die Zeit davonrennt und sein leitender Angestellter die Mannschaft nicht weiterentwickelt. "Der Mann ohne Handschrift" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung") traf in den vergangenen Wochen personell und taktisch nur selten die richtigen Entscheidungen. Andererseits genießt das Vereinsurgestein bei Werder hohes Ansehen. Und so hofft Eichin, dass der Coach irgendwie noch die Kurve bekommt. Vielleicht ja bereits am Mittwoch in Leverkusen (20 Uhr, im Livecenter bei NDR.de), wo die Hanseaten erst am Monatsanfang mit einem überraschenden 3:1-Erfolg ins Halbfinale des DFB-Pokals eingezogen waren.

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Slomka und Luhukay mögliche Retter?

Bremens Leistung gegen Darmstadt konnte die Hoffnungen auf eine Trendwende aber nicht nähren. Werder rief zwar die Grundtugenden des Fußballs ab, enttäuschte spielerisch aber erneut auf ganzer Linie. Wäre Claudio Pizarro nicht kurz vor Ultimo der Ausgleich gelungen, hätte Eichin anschließend möglicherweise nicht mehr das Wort "momentan" in den Mund genommen. Skripnik wäre kaum noch zu halten gewesen. Auch jetzt arbeitet der Coach wohl nur noch auf Bewährung. Namen potenzieller Nachfolger (Mirko Slomka, Jos Luhukay) kursieren bereits in Bremen. Dass Eichin wie im Fall von Skripnik, der zuvor Werders U23 betreute, erneut auf eine interne Lösung setzen würde, scheint unwahrscheinlich. Bereits nach der Entlassung von Skripniks Vorgänger Robin Dutt soll der 49-Jährige nach "Bild"-Informationen die Verpflichtung eines externen Fußballlehrers bevorzugt haben. Bruno Labbadia sei Eichins Favorit gewesen, berichtete das Blatt.

"Die Hoffnung stirbt zum Schluss"

Noch hat Skripnik sein eigenes berufliches Schicksal selbst in den Händen. Sein Verhältnis zu den Spielern ist unbelastet. Das ist in Krisenzeiten nicht immer überall der Fall und fraglos ein Argument, dem 46-Jährigen weiter das Vertrauen zu schenken. "Ich vermag keinen Bruch zwischen Viktor und der Mannschaft zu erkennen. Und daraus darf man schließen, dass ich nicht vorhabe, den Trainer zu wechseln", bekräftigte Eichin dann auch noch einmal sein Treubekenntnis zum Coach. Das "Wort zum Sonntag" sprach am Samstagabend schließlich Skripnik selbst. "Die Hoffnung stirbt zum Schluss", sagte der Coach auf der Pressekonferenz und brachte seine eigene sowie Werders Situation damit perfekt zum Ausdruck.

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