Stand: 21.10.2017 21:22 Uhr

Viel Herz, wenig Glück: HSV unterliegt Bayern

von Hanno Bode, NDR.de

Der HSV hat seine Talfahrt in der Fußball-Bundesliga nicht stoppen können. Das 0:1 (0:0) gegen den FC Bayern München war bereits die sechste Pleite in den vergangenen sieben Spielen. Der mutige und leidenschaftliche Auftritt der Hamburger gegen den wiedererstarkten Rekordmeister war allerdings ein eindrucksvolles Lebenszeichen. Möglicherweise wäre für das Erstliga-Gründungsmitglied sogar mehr möglich gewesen, wenn Gideon Jung nicht bereits in der 39. Minute wegen groben Foulspiels die Rote Karte gesehen hätte. Den Treffer des Tages erzielte Corentin Tolisso (52.). "Wir haben gekämpft, wir waren jeder für jeden da - wir haben alles gegeben", resümierte Offensivmann André Hahn im NDR 2 Interview: "Auf die Leistung können wir aufbauen. Genau so viel Herz und Leidenschaft müssen wir in den nächsten Wochen zeigen. Und dann mache ich mir keine Sorgen."

Gisdol-Elf besticht durch Disziplin und Leidenschaft

HSV-Trainer Markus Gisdol setzte im Duell mit dem Rekordmeister auf eine Dreier-Abwehrkette sowie ein kompaktes Mittelfeld, aus dem sich Dennis Diekmeier (rechts) und der überraschend in der Startelf stehende Douglas Santos (links) bei Ballbesitz der Münchner fallen ließen. In der Zentrale sollten Gotoku Sakai und Jung die Gäste-Angriffe zeitig unterbinden und davor waren Aaron Hunt, Hahn sowie Bobby Wood dafür zuständig, die Münchner Verteidiger zu beschäftigen. Grau ist bekanntlich jede Theorie, wenn sie nicht durch fähiges Personal mit Leben gefüllt wird. Ein solches hatte Gisdol an diesem Abend ohne Wenn und Aber auf den Rasen geschickt. Die Hamburger agierten taktisch extrem diszipliniert, bestachen durch ihre Lauf- und Zweikampfstärke und versuchten vereinzelt auch, offensiv Nadelstiche zu setzen. Ein Distanzschuss von Hahn nach 180 Sekunden, der Keeper Sven Ulreich allerdings vor keine Probleme stellte, stand symbolisch für den mutigen Hamburger Auftritt.

München vor der Pause nur mit einer Mini-Chance

9.Spieltag, 21.10.2017 18:30 Uhr

  • Hamburger SV
  • 0:1


  • Bay. München

Tore: 0:1 Tolisso (52.)
Hamburger SV: Mathenia - K. Papadopoulos, Mavraj, van Drongelen (76. Tat. Ito) - Diekmeier, Douglas Santos - G. Jung, Sakai - Hahn (76. Kostic), Hunt (62. L. Holtby) - Wood
Bay. München: Ulreich - Rafinha, Süle, M. Hummels, Alaba - Ar. Vidal, Tolisso - Robben, James Rodriguez (46. T. Müller / 55. Thiago), Coman (90.+3 Kimmich) - Lewandowski
Zuschauer: 57000

Weitere Daten zum Spiel

Während die Gastgeber im Rahmen ihrer Möglichkeiten nahezu am Limit spielten, blieben die Gäste weit unter ihren Möglichkeiten. Ein Befreiungsschlag von Weltmeister Mats Hummels in den komplett freien Raum (5.) sowie ein Pass von 40-Millionen-Mann Corentin Tolisso weit ins Seitenaus (13.) sprachen für die wohl etwas fehlende Spannung oder/und Konzentration beim Meister. Dieser hatte offenbar nicht mit solch einer harten Gegenwehr der kriselnden Hanseaten gerechnet und war vor dem Seitenwechsel nicht in der Lage, die Schlagzahl zu erhöhen. Mehr als ein Schuss ans Außennetz von Arjen Robben (21.) brachte das Team von Coach Jupp Heynckes offensiv in den ersten 45 Minuten nicht zustande. "Wir haben uns in der ersten Halbzeit schwer getan. Wir haben das Tempo nicht hochgehalten, und unser Positionsspiel war nicht präzise", monierte der Trainer-Routinier.

Umstrittene Rote Karte gegen Jung

Trotz des 0:0 zur Halbzeit, das von den HSV-Fans mit viel Applaus honoriert wurde, sprach zur Pause vieles für einen Bayern-Sieg. Und zwar primär wegen einer umstrittenen Roten Karte gegen Jung. Der Defensivspezialist brachte Kingsley Coman, der nach einem abgewehrten Eckstoß in Richtung Hamburger Strafraum sprintete, von hinten zu Fall. Der Ball war für den 23-Jährigen nicht in Reichweite, sodass Referee Marco Fritz das keineswegs brutale Foul mit einem Platzverweis sanktionierte. "Meiner Meinung nach war die Entscheidung etwas hart. Aber man kann sie geben", sagte Jung im NDR 2 Interview. In Unterzahl musste der HSV seine ohnehin enorme Laufleistung zwangsläufig noch einmal erhöhen. Es stand zu befürchten, dass Kraft und damit auch Konzentration irgendwann bei dem einen oder anderen Kicker nachlassen würden. Möglicherweise traf dies bereits bei Mergim Mavraj zu, als er beim Versuch, eine unpräzise Flanke von David Alaba zu klären, ein Luftloch schlug. Auch der hinter ihm stehende Rick van Drongelen konnte die Kugel nur vor die Füße von Thomas Müller klären, der Tolisso bediente. Der Rest war für den Franzosen aus wenigen Metern Formsache - das 1:0.

Hahn vergibt einzige Chance zum Ausgleich

Beinahe hätte die Freude der Münchner jedoch nur kurz gewährt. Lediglich 60 Sekunden nach ihrer Führung besaß Hahn auf der Gegenseite die Möglichkeit zum Ausgleich. Seinen etwas zu unplatzierten Schlenzer lenkte Ulreich über die Latte. Weitere Topchancen konnte sich die bis zum Schluss um jeden Zentimeter Rasen kämpfende Gisdol-Elf nicht mehr erarbeiten. Im Gegensatz zum Gegner, der aber seine Möglichkeiten zum 2:0 alle ausließ und den HSV so bis zum Schlusspfiff auf eine Überraschung hoffen ließ.

0:1 - Einsatz und Wille reichen nicht aus

Dieses Thema im Programm:

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