Stand: 29.02.2016 16:50 Uhr

Verwirrung im Prozess um Angriff auf Schiedsrichter

Hat ein 28-Jähriger aus Quakenbrück bei einem Fußball-Spiel in der Kreisklasse den Unparteiischen angegriffen oder nicht? Er hat, entschied im vergangenen Jahr das Amtsgericht Bersenbrück und verurteilte den Mann in erster Instanz wegen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung zu siebeneinhalb Monaten Haft auf Bewährung. Schon damals sorgte die Entscheidung für Zwist: Der Anklage war das Strafmaß zu gering, dem Verurteilten war es zu hoch - dieser beteuerte nämlich vehement seine Unschuld. Beide Seiten gingen in Berufung. Diesen Montag begann die erneute Verhandlung vor dem Osnabrücker Landgericht - und ausgerechnet der Hauptbelastungszeuge, dessen Aussage für Klarheit sorgen sollte, stiftet nun Verwirrung.

Wichtigster Zeuge revidiert Aussage

Der Vereinsfunktionär, der beim Spiel Zuschauer war, klang bei seiner Aussage wenig überzeugend. Katja Hinzler, Verteidigerin des beschuldigten Fußballers, wundert sich: "Er hat seine Aussage praktisch revidiert. Das ist schon bedenklich, dass er seinerzeit so klar und deutlich behauptet hat, er habe gesehen, dass der Angeklagte geschlagen und getreten habe. Heute hat er sich von dieser Aussage vollkommen zurückgezogen." Gefährliche Körperverletzung komme nicht mehr in Betracht. Auch die Staatsanwältin ließ Zweifel durchblicken.

Schiedsrichter erlitt Prellungen

Fakt ist: Bei den Tumulten nach dem besagten Spiel vor knapp drei Jahren in der 3. Kreisklasse Osnabrück-Land erlitten der Schiedrichter und ein Spieler, die beide als Nebenkläger auftreten, Prellungen und Blutergüsse. Der Unparteiische hatte das Spiel damals mit einem Strafstoß beendet, woraufhin das Chaos ausbrach. Der Staatsanwaltschaft zufolge sollen der Angeklagte und Kapitän des bestraften Teams FC Artland auf den Schiedsrichter losgegangen sein und ihn geschubst haben. Weitere Mitspieler und Zuschauer eilten aufs Feld. Der Schiedsrichter flüchtete in die Kabine und blieb dort bis zum Eintreffen der Polizei.

Weitere Zeugen offenbaren Gedächtnislücken

An den Attacken beteiligt war zweifellos auch der Vater des Angeklagten. Weil er auf dem Platz mit einem Regenschirm zuschlug, wurde er zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Mann hat die Strafe akzeptiert. Wer sonst noch auf dem Feld austeilte, bleibt indes im Dunkeln. Denn fast alle Zeugen sagten am Montag aus, sich nicht mehr genau erinnern zu können. In zwei Wochen wird der Prozess fortgesetzt.

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