Stand: 22.08.2015 18:10 Uhr

Traumtor verdirbt Hannovers Heimpremiere

von Andreas Bellinger, NDR.de
Tor des Tages: Leverkusens Hakan Calhanoglu (2.v.r.) trifft per Freistoß über Hannovers Mauer hinweg.

Nach einem emotionalen Abschied von den Helden einer erfolgreicheren Zeit hat Hannover 96 seine Heimpremiere in der Fußball-Bundesliga verpatzt. Die Niedersachsen unterlagen am Sonnabend dem angehenden Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen mit 0:1 (0:1) und mussten einigermaßen schmerzhaft erfahren, dass die neuformierte Mannschaft noch einige Zeit des Einspielens benötigt. "Leverkusen war klar besser. Wir haben ein paar Halbchancen gehabt", sagte 96-Trainer Michael Frontzeck NDR 2. Ein traumhafter Freistoß von Hakan Calhanoglu direkt in den Winkel (18. Minute) stellte die Weichen für die Werkself früh auf Sieg, obwohl das Team von Trainer Roger Schmidt durchaus Probleme hatte, den Abwehrriegel der Niedersachsen zu knacken. Spielerisch reifer und vor allem eingespielter hatten sie die Partie allerdings überwiegend im Griff, ohne dass Hannover vollkommen chancenlos gewesen wäre. Doch ernsthaft in Gefahr konnten sie den Favoriten aus dem Rheinland nicht bringen, der bei sommerlichen Temperaturen seinerseits nicht mehr tat, als unbedingt nötig war. Frontzeck: "Wir haben verdient verloren."

Emotionaler Abschied von Miller, Pander und Schlaudraff

2.Spieltag, 22.08.2015 15:30 Uhr

  • Hannover 96
  • 0:1


  • B. Leverkusen

Tore: 0:1 Calhanoglu (18.)
Hannover 96: Zieler - H. Sakai, Marcelo, C. Schulz, Sorg - S. Sané, Schmiedebach (71. Andreasen) - Karaman, Benschop (67. A. Sobiech), Prib - Erdinc (60. Saint-Maximin)
B. Leverkusen: Leno - Hilbert, Tah, Ramalho, Wendell - L. Bender, C. Kramer - Calhanoglu (89. K. Papadopoulos), Mehmedi (75. R. Kruse), J. Brandt (62. Bellarabi) - Kießling
Zuschauer: 39100

Weitere Daten zum Spiel

"Wir wollen den Zuschauern im ersten Heimspiel der Saison natürlich etwas bieten", hatte Frontzeck angekündigt. So richtig auf Touren kamen die 39.100 Zuschauer dann sogar schon vor dem Anpfiff: Während der Rasen im strahlenden Sonnenschein noch einmal gewässert wurde, verabschiedete Club-Chef Martin Kind Ersatzkeeper Markus Miller, Linksverteidiger Christian Pander und Offensiv-Allrounder Jan Schlaudraff. In der turbulenten vergangenen Serie hatten weder Frontzeck noch sein Vorgänger Tayfun Korkut Verwendung für die einstigen Stützen der Niedersachsen gehabt. Korkuts knapp eineinhalbjährige Amtszeit bei 96 endete am 20. April diesen Jahres nach einer sang- und klanglosen 0:4-Pleite in Leverkusen. Frontzeck kam, schaffte den Klassenverbleib und durfte gemeinsam mit dem scheidenden Manager Dirk Dufner, der letztmals bei einem Heimspiel auf der 96-Bank saß, einen personellen Umbruch machen.

"Hinrunde wird sicherlich nicht schmerzfrei"

Dass dies nicht ohne Probleme vonstattengeht, mussten die 96-Fans wohl oder übel erkennen. "Wir haben elf Mann verloren und sieben hinzubekommen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns", erklärte Frontzeck. Allerdings hätten die Gastgeber nach einer Viertelstunde sogar in Führung gehen können. Einen langen Ball von Marcelo verlängerte Mevlüt Erdinc auf Salif Sané, und der prüfte Keeper Bernd Leno mit einem strammen Schuss von der Strafraumgrenze. Ansonsten aber bestimmte Bayer weitestgehend das Geschehen und zeigte, warum es auf dem Weg in die Champions-League-Gruppenphase ist, während sich die Niedersachsen mühen, nicht wieder in den Abstiegskampf verwickelt zu werden. Frontzeck bittet die 96er deshalb um Zeit - und soll diese von Kind auch bekommen: "Das Team muss sich noch finden; die Hinrunde wird sicherlich nicht schmerzfrei sein“, sagte Kind im Interview mit NDR 2.

"Zauberfuß" Calhanoglu schießt das Tor des Tages

Wie ein Schlag ins Gesicht wirkte denn auch drei Minuten nach der verpassten Führung das 1:0 der Leverkusener. Nach einem ungelenken Foul von Manuel Schmiedebach zirkelte der frühere Hamburger Calhanoglu den Freistoß mit seinem rechten "Zauberfuß" über die Mauer hinweg direkt ins Tor. Keine Chance für Hannovers starken Keeper Ron-Robert Zieler. "Außergewöhnlich, das ist natürlich eine Waffe", schwärmte Frontzeck. Mit nur einem Quäntchen mehr Genauigkeit hätte Calhanoglu kurz nach der Pause alles klar machen können. Doch diesmal (52.) krachte sein Freistoß ans Lattenkreuz. Die beste Chance der Gastgeber in der zweiten Halbzeit hatte Edgar Prib nach einem Fehler von Calhanoglu: Sein Schlenzer verfehlte das Bayer-Tor aber um einen knappen Meter.

Trainer Schmidt verteilt Verschnaufpausen

Vier Tage nach dem Champions-League-Qualifikationsspiel bei Lazio Rom (0:1) und eine halbe Woche vor dem Rückspiel gönnte Schmidt Kyriakos Papadopoulos, Karim Bellarabi, der eine Stunde lang ebenfalls auf der Bank saß, und Heung-Min Son eine Verschnaufpause. Dafür spielten Julian Brandt, Admir Mehmedi und André Ramalho von Beginn an. "Wir müssen schauen, dass wir unsere Kräfte gut einteilen. Und wenn ich gute Alternativen habe, dann können einige eben eine Pause machen." Auch Frontzeck änderte sein Team im Vergleich zum Saisondebüt in Darmstadt (2:2) auf zwei Positionen: Charlison Benschop spielte für Felix Klaus; Hiroki Sakai für Miiko Albornoz. Die routinierten Leverkusener konnten sie dennoch nicht ernsthaft in Gefahr bringen. Dem zweiten Tor waren die Gäste näher als 96 dem Ausgleich.

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