Stand: 02.12.2015 15:30 Uhr

TV-Gelder: St. Pauli macht Rückzieher

Plädieren für mehr Chancengleichheit im Profifußball: St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig (r.) Präsident Oke Göttlich.

Für viel Furore und einen Aufschrei bei den betroffenen Fußball-Proficlubs hatte der FC St. Pauli gesorgt, als er vergangene Woche einen Antrag zur Neuverteilung der TV-Gelder ankündigte. Am Mittwoch sollte sich die Vollversammlung der Deutschen Fußball Liga damit befassen - musste sie dann aber doch nicht, der Kiezclub hat den Antrag zurückgezogen. "Es war nicht der richtige Zeitpunkt dafür", begründete Andreas Rettig, Geschäftsführer des Kiez-Clubs, die Entscheidung nach dem Treffen der 36 Profivereine am Mittwoch in Frankfurt/Main. Dem Vernehmen nach standen die Hamburger ohnehin allein gegen alle da, öffentlich hatte sich nur 1860 München auf die Seite St. Paulis geschlagen.

Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim und Hannover im Visier

Der Zweitligist wollte Clubs, die sich mehrheitlich im Besitz von Konzernen oder Mäzenen befinden, von den Erlösen aus der Zentralvermarktung ausgrenzen. Dies hätte nach dem jetzigen Stand den VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim betroffen, ab 2017 auch Hannover 96. Die Niedersachsen sind dann nach 20-jährigem Engagement von Präsident Martin Kind von der sogenannten 50+1-Regel ausgenommen. Die Aufregung bei den betroffenen Vereinen war groß, Rettig war von Leverkusens Sportchef Rudi Völler als "Schweinchen Schlau" tituliert worden. Hannovers Clubchef Martin Kind sprach von einem "unüberlegten und substanzlosen" Antrag.

St. Pauli: "Solidarität nicht in Frage gestellt"

Rettig erklärte, er sei "extrem verwundert" darüber, wie das Ansinnen St. Paulis in der Öffentlichkeit angekommen sei. "Es entstand der Eindruck, die Zentralvermarktung steht auf dem Prüfstand und die Solidarität infrage", sagte er: "Unsere Intention war nie, dass die Zweite Liga einen Verteilungskampf einläutet." Aber Clubs wie Wolfsburg, Leverkusen oder Hoffenheim hätten sich per Ausnahmegenehmigung einen Wettbewerbsvorteil verschafft: "Diesen Vereinen bieten sich dadurch, dass sie ihre Geschäftsanteile zu 100 Prozent veräußern durften, mehrere Vorteile. Durch die direkte Kapitalzufuhr besteht für sie eine ganz andere Planbarkeit. Sie können sich erfolgsunabhängig  frühzeitig um neue Spieler bemühen, haben Lizenzsicherheit, weil sie wissen, dass der Geldgeber im Zweifel einen Ausgleich schafft. Andere Vereine, die sich an die 50+1-Regel halten, müssen hingegen Nachteile in Kauf nehmen."

Hier sollte ein Ausgleich wieder für mehr Gerechtigkeit sorgen, so Rettig. Bei der Verteilung der TV-Gelder müsse es weitere Kriterien geben, die über den bloßen Tabellenplatz hinausgingen. Neben der Erfüllung der 50+1 Regel könnten das auch Mitgliederzahl, TV-Quoten oder Stadionauslastung sein.

Die Geschichte des FC St. Pauli